Irrationale Angst vor der Chemie

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat im Frühjahr vergangenen Jahres bestätigt, dass die Zahl der Überschreitungen von Rückstandshöchstmengen bei Pflanzenschutzmitteln in der Nahrung weiter abgenommen hat.

Auch die Ausbringungsgeräte sind in Ordnung, und die Sachkunde bei den Anwendern ist vorhanden, wie das Amt jetzt meldet. Ohnehin bedeutet eine Überschreitung der Rückstandshöchstmenge noch lange keine Gesundheitsgefährdung. Und bei den Proben handelt es sich um Verdachtsproben, also um besonders kritische Warengruppen, die verstärkt auf Rückstände beprobt werden. Trotzdem gab es bei 98 Prozent der Proben keine Beanstandungen.

Insgesamt gibt es also eine äußerst geringe Belastung, und für die Verbraucher besteht keine Gesundheitsgefährdung. Dennoch glauben 80 Prozent der Deutschen, dass Rückstände von „Pestiziden“ zu den größten Lebensmittelrisiken gehören, wie aus der zweiten Verzehrsstudie der Bundesregierung hervorgeht. In Deutschland herrscht offensichtlich eine irrationale Skepsis gegen Chemie, die dazu führt, dass Risiken völlig falsch eingeschätzt werden und Verbraucher ständig verunsichert sind. Wirkliche biologische Gefahren wie beispielsweise giftige Schimmelpilze werden dagegen unterschätzt. Unterschätzt und zunehmend vernachlässigt wird auch die Hygiene im Haushalt, mit der viele Lebensmittelver-giftungen verhindert werden könnten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung nimmt dieses Unwissen in Angriff und klärt auf, auch in Hintergrundgesprächen mit Journalisten. Dies kann man nur begrüßen und es zahlt sich hoffentlich in Zukunft aus. Denn die Bauern zahlen bislang immer die Zeche, wenn selbsternannte Sachverständige die Verbraucher verunsichern.

Cornelius Mohr

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