(K)eine Aufgabe für die Weinwerbung?

In Rheinland-Pfalz soll künftig das Wein- und Kulturangebot zur Stärkung des Tourismus mehr in den Vordergrund geschoben werden. Um die Neugierde der anvisierten Zielgruppe zu erreichen, ist aber erst einmal das passende Angebot nötig. Zwar verfügt Rheinland-Pfalz über die bei Weitem größte Weinanbaufläche, die meisten Winzer und natürlich auch über den meisten Wein, aber das allein reicht nicht, um den Standort attraktiv zu machen. Neben dem Wein braucht es weitere Themen, wie Genuss, Kultur, Gesundheit und Sport. Dabei soll das Ganze attraktiv, qualitativ hochwertig und noch dazu unverwechselbar einzigartig sein. Ein hoher Anspruch, zumal die Finanzen für den Tourismus doch arg begrenzt sind und deshalb andere Töpfe angezapft werden müssten.

An guten Ideen mangelt es sicher nicht, aber bei der Umsetzung klemmt es. Schließlich sollen die touristischen Bausteine gewissen Qualitätsstandards ge­nügen und auch längerfristig verfügbar sein. Besonders die Koordination der verschiedenen, für Tourismus zuständigen Ebenen braucht viel Zeit, Geduld und Überzeugungs­arbeit. Viel zu oft wird immer noch Kirchturmpolitik betrieben. Obwohl die Zusammen­arbeit das Erreichen der Ziele viel einfacher machen würde. Wenn das Konzept Weinreich Rheinland-Pfalz funktionieren soll, muss es von allen getragen und unterstützt werden. Wenn aber vor allem die Weinwerbung für die touristischen Ausgaben herangezogen wird, kann es Ärger geben. Zumal nicht nur die Winzer vom florierenden Tourismus profitieren. Auch sei die Frage erlaubt, ob touristische Förderung zu den Hauptaufgaben einer Weinwerbung gehört. Gerade in Zeiten, in denen die Weinwerbung auf dem juristischen Prüfstand steht und die Aktivitäten derselben genau beobachtet werden, ist dies ein diffiziles Thema.

Henning Seibert

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