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Warum handelt das Kartellamt nicht?

Kreisversammlung AZ-WO diskutiert über Handel

Kreisvorsitzender Florian Schmitt konnte in Albig als Hauptredner Karsten Schmal, den Vizepräsidenten des Deutschen Bauern Verbandes (DBV) und den Präsidenten des Hessischen Bauernverbandes begrüßen. Er hat einen weiten Weg auf sich genommen, um den Bauern und Winzern in seinem Vortrag „Zwischen volatilen Märkten und Agrarpolitik“ zu zeigen: Nahrungsmittelproduktion macht Sinn.

Karsten Schmal, der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Hessischer Bauernpräsident, verdeutlichte, dass die Nahrungsmittelproduktion trotz aller derzeitigen Widrigkeiten sinnvoll ist. Foto: Setzepfand

Denn wer die Welt genau betrachte, sieht, dass nur in wenigen Klimaregionen eine landwirtschaftliche Produktion möglich ist. Oft sei es zu trocken, zu nass oder zu kalt. Und dennoch wächst die Weltbevölkerung, verdeutlichte Schmal, wenn auch nicht in Deutschland. Es werden langfristig Lebensmittel gebraucht. Auch wenn die Agrarmärkte derzeit düster aussehen. „Dass derzeit fast alle Bereiche nicht mehr kostendeckend produzieren, das hatten wir noch nicht“, stellte der Milchbauer fest, der in der Region Waldeck-Frankenberg in Nordhessen seinen Hof hat, den der Sohn inzwischen führt.

Nur Rindfleisch und Geflügel noch wirtschaftlich

Was noch gut laufe, sei Rindfleisch und Geflügel, weshalb die Berater vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen die Landwirte über Geflügelhaltung aufklären. „Doch der Selbstversorgungsgrad liegt bei 73 Prozent, da ist nicht mehr viel Luft“, so Schmal. Wie die Monopolkommission im November darstellte, gehe die Schere zwischen Erzeugerpreis und Verbraucherpreis weiter auseinander. „Der Handel verzeichnet Rekordgewinne und wir fragen uns, warum handelt das Kartellamt nicht?“

Lidl baut Rechenzentrum für elf Milliarden Euro

Lidl baut derzeit ein Rechenzentrum für elf Milliarden Euro im Spreewald mit Bauerngeld. Und es zeige sich, dass der Preiskampf bei Lidl, Aldi und Co weitergehe, wie der Preiswettkampf vor Weihnachten um die Butter zeigte. So geht der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft weiter. Seit 2010 um 1,2 Prozent pro Jahr, sodass es im Jahr 2023 rund 255 000 Landwirte gab und im Jahr 2040 wohl nur noch 207 000 Landwirte geben werde. Diese Einschätzung teilt nach den Folien von Schmal die DZ Bank, ein Zusammenschluss der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken, nicht: Diese erwarten einen stärkeren Rückgang von 256 000 Betrieben im Jahr 2022 auf etwa 100 000 Höfe im Jahr 2040. Da die landwirtschaftliche Fläche in Deutschland bis 2040 weitgehend unverändert bleiben dürfte, wird die Durchschnittsgröße eines Betriebs von 64,8 Hektar im Jahr 2022 auf 160 Hektar im Jahr 2040 zulegen. Hierbei werde auch der demografische Wandel berücksichtigt mit den vielen Landwirten, die in den nächsten Jahren in Rente gehen werden.

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