Aus der Region | LW HEUTE

In die richtige Richtung, aber zu langsam

Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz

Passend zum Titel „Tradition trifft auf Transformation – neue Wege der Weinbranche“ brachten die 79. Pfälzischen Weinbautage am 13. und 14. Januar die Winzerinnen und Winzer im gut gefüllten Neustadter Saalbau auf den neusten Stand. Bei der Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz standen vor allem die natio­nale Weinbaupolitik und der moderate Weinkonsum im Fokus.

Weinbauministerin Daniela Schmitt verdeutlichte, dass die Weinbranche jetzt klare politische Leitplanken, funktionierende Absatzmärkte und Vertrauen in Verbraucher benötigt. Foto: Isabell Blaß

Reinhold Hörner, Präsident des Weinbauverbandes Pfalz, und Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, sprachen bei der Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz den Winzern Mut und Unterstützung zu und richteten Handlungsaufforderungen an die Politik.

Die Präsidenten sehen die Not der Winzer, die etwa mit erhöhten Produktionskosten, niedrigen Fassweinpreisen oder bürokratischen Auflagen zu kämpfen haben. „Wir selbst müssen die Dinge zum Positiven wenden“, sagte Hörner, der sich bei der Landespolitik um Ministerin Daniela Schmitt für die Unterstützung bedankte. Hörner und Schneider betonten, dass sowohl eine mögliche Rodung als auch Destillation die letztmöglichen Maßnahmen in der Krise sein sollten.

Vera Keller, Landjugend RheinhessenPfalz, sieht für die Pfalz einen wichtigen Baustein: „Der Tourismus-Aspekt ist wichtig und kann uns zum Teil aus der Krise helfen.“

Ball liegt bei der Bundesregierung in Berlin

„Die Ansätze, die wir abgestimmt haben, gehen in die richtige Richtung, aber wirken zu langsam“, klagte Schneider. Der EU-Agrarausschuss habe dem Weinpaket mittlerweile zugestimmt. Dieses enthalte einige Änderungen, für die sich der DWV eingesetzt hatte, wie die Verlängerung der Wiederbepflanzungsrechte auf acht Jahre, die Option eines Anbaustopps, die Aufnahme der Rodung in Förderprogramme oder Änderungen beim E-Label. Brüssel stelle damit einen „ganzen Katalog mit praxistauglichen Möglichkeiten“, in Berlin habe sich darauf aber noch niemand vorbereitet, kritisierte Schneider.

Der Präsident machte sich für die Idee eines Branchenverbands – ähnlich wie in Österreich – stark: „Damit könnte die deutsche Weinbranche laut Schneider mit eigenen Geldern ganz anders arbeiten und Maßnahmen schneller umsetzen.“

Winzer, Politiker und Verbraucher zusammen

„In Brüssel ist die besondere Lage im Weinbau angekommen“, sagte die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt im Hinblick auf das Weinpaket. Der Ball liege nun beim Bund. Auf Landesebene habe man mit dem Weinbaupaket 2025+ die Winzer ebenfalls unterstützt und bekenne sich klar zur Branche. Schmitt betonte das wichtige Zusammenspiel zwischen Winzern, Politik und Verbrauchern, was zur Neuausrichtung der Branche wichtig sei. „Der Wandel ist im vollen Gang, gestalten wir ihn doch“, ermutigte Schmitt, die dafür weiterhin verlässliche politische Rahmenbedingungen setzen möchte.

Schmitt verwies auf einen möglichen Systemwechsel bei der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die die EU ab 2028 neu aufstellt. Rheinland-Pfalz werde sich dafür einsetzen, dass der Weinbau 0sichtbarer und eigenständig berücksichtigt werde.

DWI-Kampagne richtet sich an Verbraucher

Mit einer neuen, an Endverbraucher orientierten Kampag­ne will das Deutsche Weininstitut (DWI) kurzfristig die Marktanteile von deutschem Wein im eigenen Land erhöhen, wie DWI-Geschäftsführerin Melanie Broyé-Engelkes bekannt gab. Die außerhalb der Weinbaugebiete – in München, Berlin, Hannover, Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet – gespielte Kampagne zur Thematik „Wertschätzung“ fokussiere sich nicht auf Rebsorten, sondern auf Konsummomente, so die Geschäftsführerin. Auch die dortige Gastronomie, der Tourismus, Social Media und lokale Handel seien involviert.

Die Finanzierung laufe über die von Bundeslandwirtschafts­minister Alois Rainer angekündigte Unterstützung von 1 Mio. Euro. Das DWI möchte seine neue Kampagne im März bei der ProWein in Düsseldorf vorstellen, ehe sie im Anschluss an den Start gehe, kündigte Broyé-Engelkes an. Die neue Exportstrategie des DWI, mit der es das Cool-Climate-Profil im Ausland stärken möchte, ist für 2027 geplant.

Der zweite Teil der Jahreshauptversammlung drehte sich um moderaten Weinkonsum – die bessere Präventionsstrategie? „Es gab in der Suchtprävention noch kein Programm, das mit Totalabstinenz erfolgreich war“, so Prof. Dr. Michael Klein, Professor für Klinische-Psycho­logie und Suchtforschung. Er stellte sich an die Seite der Weinbranche und zeigte klare Kante zum moderaten Weinkonsum.

Die Aussage „Jeder Tropfen Alkohol ist schädlich“ hält Klein für eine „Quatschbotschaft“, denn es gebe dafür keine validen Daten. Seiner Meinung nach spielen ein moderater Konsum und Wein generell, da er ein Genussgut, Natur- und Kulturprodukt sei, eine große Rolle in der Suchtprävention.

Suchtforscher steht der Weinbranche zur Seite

Kurärztin Dr. med. Liane Weber pflichtete Klein bei, dass die derzeitige Diskussion rund um Alkohol viel Angstmacherei sei. Sie empfiehlt, Verbrauchern zu signalisieren, dass guter Wein zu gutem Essen positive Auswirkungen habe.

Melanie Broyé-Engelkes rät Winzern, in ihrer Kommunikation positive Stories einzubauen und sachlich über moderaten Weinkonsum aufzuklären. Das DWI habe mit der Deutschen Weinakademie (DWA) einen Flyer mit Fakten zum moderaten Alkoholkonsum entworfen.

bla – LW 4/2026