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Alterntige Ware drückt den Preis

Bio-Kartoffeltag in der Südpfalz

Beim Bioland-Kartoffeltag in Knittelsheim Anfang Mai nahm Kartoffel-Spezialberater Christian Landzettel die Teilnehmer mit aufs Feld und diskutierte den aktuellen Stand der Kartoffeln. Sich über Anbaustrategie, Sorten, anstehende Pflegemaßnahmen und Marktentwicklungen auszutauschen – das ist das Ansinnen beim Bioland-Kartoffeltag.

Bioland-Fachberater Christian Landzettel (Mitte kniend) diskutierte auf dem Acker mit den Bioerzeugern den aktuellen Stand der Kartoffeln. Foto: htm

Zwei Betriebe, zwei unterschiedliche Anbaustrategien: der Bioland-Ökokartoffeltag fand in diesem Jahr Anfang Mai in Knittelsheim nahe Germersheim auf den Betrieben von Familie Lutz und Ispas sowie Helmut Werner in der Südpfalz statt. Rund 25 Teilnehmende waren der Einladung von Bioland gefolgt.

Betrieb Lutz pflanzt Laura, Otolia, Annabelle, Antonia und Corinna

Der Biobetrieb Lutz produziert auf 100 ha Betriebsfläche hauptsächlich Salat und Bundzwiebeln. Von Ende Februar an werden verschiedene Salatsorten und Lauchzwiebeln ausgepflanzt und ab Mai geerntet. Neben Romana- und Mini-Romana-Salaten werden auch bunte Salate angebaut. Fast alles wird an Edeka vermarktet, zuvor in drei Kühlhäusern gelagert. Auf 8 ha wachsen zudem verschiedene Kartoffelsorten: Annabelle, Antonia, Otolia, Corinna und Laura.

Tina Ispas, die Tochter von Dieter Lutz, stellte den Betrieb vor, danach ging es raus auf den Kartoffelacker. Schwiegersohn Ionut Ispas erklärte, was bisher an Maßnahmen erfolgte: nach dem Pflügen im Januar wurde vor dem Pflanzen flach gegrubbert, danach erfolgte ein Arbeitsgang mit der Kreiselegge. Gepflanzt wurde am 20. März im All-in-one-Verfahren. Der erste Striegeleinsatz zur Unkrautbekämpfung wurde Anfang Mai durchgeführt.

Praxisnahe Bestandskontrolle

Bei den Treffen auf den Betrieben steht immer die Praxis im Vordergrund. Bioland-Fachberater Christian Landzettel beurteilte den aktuellen Zustand von Boden und Pflanze sowie Pflanztiefe und Bodenstruktur. Diskutiert wurden verschiedene Möglichkeiten der Bodenbearbeitung, die je nach Bodenfeuchte ein ideales Saatbeet für die Kartoffeln hinterlassen.

Das Saatbeet sollte möglichst frei von Kluten sein. Ebenfalls erörtert wurden verschiedene Möglichkeiten des Dammaufbaus. Spätestens wenn die ersten Stauden auf dem Pflanzdamm auflaufen wollen, empfiehlt Landzettel den Dammaufbau auf „Enddammhöhe“. Sind alle Pflanzen auf diesem Damm aufgelaufen, können die noch kleinen Kartoffelstauden gestriegelt werden; und der Damm kann in Folge wieder auf dieselbe Höhe aufgebaut werden. Ispas legt großen Wert darauf, die Kartoffeln sauber zu halten, um den Unkrautdruck auf die Folgekulturen zu reduzieren.

Gemüsebetrieb mit 1,5 ha Kartoffeln

Helmut Werner aus Bellheim bewirtschaftet einen 23 ha großen Gemüsebetrieb. Auch bei ihm gehören die Kartoffeln auf 1,5 ha dazu, Otolia ist die Hauptsorte. Sie läuft häufig mir nur wenigen, dafür jedoch starken Trieben auf, so dass es zu Übergrößen kommt. Für Werner ist das kein Problem: „Mein Abnehmer fragt große Kartoffeln nach.“ Er vermarktet an einen Bio-Supermarkt in Karlsruhe.

Die Kartoffeln wurden am 2. April gepflanzt, zuvor hat Werner im März gepflügt. Gedüngt hat er im Herbst mit Mist, Gärrest ist im Frühjahr vor dem Pflügen ausgebracht worden. Der Boden wurde vor dem Pflanzen gefräst. „Positiv ist der hohe Damm“, erklärte Landzettel. „Dadurch ergibt sich eine große Flexibilität beim Striegeln und Häufeln.“

Frühkartoffeln am Betrieb Werner gut entwickelt

Die Frühkartoffeln, die Helmut Werner auf einem Drittel der Fläche unter Vlies anbaut, präsentierten sich weit entwickelt. Werner setzt im frühen Segment auf die Sorten Avanti, Anuschka, Red Sonia, Sunita und Colomba. „Sunita ist sehr Krautfäule-anfällig, aber auch die derzeit einzige so frühe Sorte im mehligkochenden Bereich“, ordnete Landzettel ein.

Der Berater empfahl regelmäßig beregnete oder durch natürlichen Niederschlag durchfeuchtete Bestände ab 25/30 cm Wuchshöhe mit einem ersten Grundschutz von 250 bis 350 g/ha Kupfer vor Phytophthora zu schützen. „Hiermit nehmen wir ersten Sporen die Gelegenheit zur Infektion.“ Die für die Folgebehandlungen sinnvolle Kupfermenge sei dann an den Befallsdruck anzupassen. „Die rechtzeitig gesetzte, erste Behandlung mit einer geringen Kupfermenge ist oftmals die wichtigste, denn sie verzögert die Epidemie“, verdeutlichte Landzettel.

Versorgung mit Spurenelementen

Landzettel sprach auch die Themen Spurenelemente und Kalidüngung an. „Bor, Mangan und Zink sollten da sein, vor allem in Stressphasen“, erklärte der Bioland-Berater. Die Ergebnisse der Bodenuntersuchung oder einer Blattanalyse könnten in vielen Fällen Aufschluss über Mangelsituationen geben.

Kalium sei ein zentraler Nährstoff mit vielfältigen Funktionen in der Pflanze. Um Kosten zu sparen, könne ein Großteil der Kaligabe auch im Winter in Chloridform zu Kartoffeln ausgebracht werden. „Ein Vorteil im Bioanbau ist, dass die verbleibende Restmenge gut auch in den bereits wachsenden Bestand ausgebracht und beim Häufeln eingearbeitet werden kann“, ergänzte Landzettel.

Enger Kontakt zum Handel

Auch der Biokartoffelmarkt leidet unter Überkapazitäten. Zum Ende der Vermarktungssaison gibt es noch reichlich alterntige Kartoffeln. Josephine Hardt vom Bio Kartoffel Erzeuger e.V. (BKE) gab einen kurzen Überblick über die aktuelle Marktsituation. „Größere Mengen suchen noch ihren Weg in den Markt.“

Hardt berichtete vom guten Schulterschluss mit dem Handel: drei große LEH-Ketten hätten die Verpackungsmenge auf 2 kg erhöht, um die Absatzmenge der Biokartoffeln zu steigern. Ein Discounter hat nach ihren Ausführen Bio-Airfryer-Kartoffeln neu eingeführt und prominent platziert. Ein anderer Discounter habe vorwiegend festkochende Biokartoffeln neu ins Sortiment aufgenommen.

„Es hat eine enorm hohe Werbeintensität gegeben. Die Maßnahmen zusammen haben in der Saison viel Druck vom Markt genommen.“ Dennoch habe es spät in der Saison bei Langzeitlagerkartoffeln Preisabschläge gegeben, sodass der Erzeugerpreis für einen Großteil der Erzeuger nicht mehr kostendeckend sei.

Zu der anstehenden neuen Kartoffelsaison mochte sich Josephine Hardt noch nicht äußern. „Die Kommunikation mit dem LEH muss weiter intensiviert werden. Qualität, Lagerstabilität sowie Kühlung sind für den Markt entscheidend.“ Etwa 75 Prozent der Biokartoffeln werden nach ihren Worten über die Discounter vermarktet. Sie sind wichtige Handelspartner.

Htm – LW 22/2026