Anlässlich der offiziellen Eröffnung der Frühkartoffelsaison am Montag vergangener Woche hat die Pfälzische Früh-, Speise und Veredlungskartoffel-Erzeugergemeinschaft zu einer Informationsveranstaltung zum Erntestart nach Großkarlbach eingeladen. Der Marktanalyst für Pflanzenbau Christoph Hambloch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) gab einen Rückblick auf die Marktlage im vergangenen Jahr und einen Ausblick auf die kommende Saison.
Die Perspektiven für die laufende Saison sind gut. Jedenfalls sind sie besser als in den vergangenen Jahren. „Für die Frühkartoffelsaison sind die Verhältnisse deutlich angenehmer als wir das im letzten Jahr und in den Jahren davor gesehen haben“, sagte Christoph Hambloch von der AMI.
In den vergangenen Jahren wurden die Kartoffelanbauflächen in vielen westeuropäischen Ländern kontinuierlich ausgeweitet. Die Folge war eine Ernte von rund 57 Mio. t Kartoffeln. Vor allem bei Verarbeitungskartoffeln überstiegen die erzeugten Mengen den Bedarf deutlich.
Für dieses Jahr rechnet Hambloch mit einem Rückgang der Anbaufläche in Deutschland um rund 20 000 ha. Nach dem Flächenanstieg auf 302 000 ha im Jahr 2025 würde die Anbaufläche damit wieder auf etwa 280 000 ha sinken. Dennoch sei das Angebot weiterhin zu hoch. Die gute Nachricht: „Der Anbau von Kartoffeln schrumpft dieses Jahr, das ist eigentlich überall sichtbar. Egal wo man hinguckt“, so Hambloch. In Rheinland-Pfalz dürfte die Anbaufläche mit rund 5 700 ha aber weitgehend unverändert bleiben.
Im Jahr 2025 wurden in der Europäischen Union auf knapp 1,5 Mio. ha Kartoffeln angebaut. Die Erntemenge lag bei 56,9 Mio. t, davon entfielen 13,9 Mio. t auf Deutschland. Entsprechend hoch sind die Lagerbestände. Anfang 2026 wurden in Deutschland 5,23 Mio. t Kartoffeln gelagert, in Frankreich waren es Ende Februar 3,3 Mio. t.
Nach Einschätzung des Marktexperten gibt es in Europa weiterhin zu viele Verarbeitungskartoffeln. Auch die Vorräte an Speisekartoffeln seien insbesondere in Deutschland und Frankreich sehr hoch. Die Ernte 2025 werde den Markt deshalb noch weit in das Wirtschaftsjahr 2026/27 hinein prägen.
Ägypten und Israel wichtigste Lieferländer
Die wichtigsten Lieferländer für Frühkartoffeln blieben Ägypten und Israel. Aus Ägypten erreichten die Europäische Union 2025 rund 378 000 t Kartoffeln. Größter Abnehmer ägyptischer Kartoffeln war allerdings Russland mit 467 000 t. Innerhalb der EU importierte Griechenland mit 145 000 t die größten Mengen, gefolgt von Italien, den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Die Preise für ägyptische Frühkartoffeln starteten frachtfrei bei rund 70 Euro/dt und lagen im Hauptgeschäft im April bei etwa 66 Euro/dt.
Aus Israel wurden 2025 rund 161 000 t Kartoffeln in die Europäische Union geliefert, davon 36 000 t nach Deutschland. Weitere wichtige Absatzmärkte waren die Niederlande und Spanien. Die israelischen Anbieter starteten mit Preisvorstellungen von etwa 75 Euro/dt und blieb en dann wie üblich leicht über dem Preisniveau der Ägypter. In der spanischen Region Andalusien ist seit 2024 ein Rückgang der Erntemengen zu beobachten. Als Ursache gelten unter anderem ungünstige Witterungsbedingungen mit Trockenheit und später dann zu hoher Nässe.
Die wichtigsten Exportziele Spaniens waren 2025 Frankreich mit 53 000 t und Portugal mit 55 000 t. Nach Deutschland wurden lediglich 23 000 t geliefert.
Vieles wird auch davon abhängen, wie sich die Situation in China und Indien entwickelt. In den beiden Ländern lebt ein Drittel der Weltbevölkerung „und die essen noch gar keine Pommes frites,“ so Hambloch. Hier liege ein gewaltiges Potential an möglichen Konsumenten.
Im Anschluss an Hamblochs Ausführungen informierte der EZG-Vorsitzende Hartmut Magin über den Stand des EZG-Datenportals. Das System befindet sich derzeit in einer Testphase. „Spätestens im Winter stellen wir dann die Ergebnisse vor“, kündigte Magin an. Für das kommende Kartoffeljahr zeigte er sich optimistisch und wünschte den Erzeugern eine erfolgreiche Saison.
ik – LW 25/2026