Einmal im Jahr treffen sich die Vorsitzenden und Geschäftsführungen der milchwirtschaftlichen Landesorganisationen Deutschlands jeweils in einem anderen Bundesland, um die aktuelle Lage der Milchwirtschaft zu besprechen, sich über Erfolge und auftauchende Probleme der jeweiligen Arbeit auszutauschen und gemeinsam Projekte über die Grenzen der Bundesländer hinweg anzugehen. Dies teilte die Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesorganisationen in einer Pressemeldung mit.
In diesem Jahr fand die Sitzung Anfang Oktober in Rheinland-Pfalz statt. Vor der offiziellen Versammlung hatte die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz-Saar e.V. (Milag) als einladende Organisation die Möglichkeit, ihre Arbeit sowie die landwirtschaftlichen Strukturen in Rheinland-Pfalz vorzustellen. Dazu lud die Milag zu einer kleinen kulinarischen Reise in den Hunsrück ein.
Den Gästen die Vielfalt der Produktion gezeigt
Rheinland-Pfalz ist ein Bundesland der Vielfalt – das spiegelt sich auch in der Landwirtschaft wieder: Milcherzeugung in den Mittelgebirgslagen, Weinproduktion an den Flüssen, Gemüse und Obst im milden Klima der Pfalz und daneben ganz viel Wald, Bienen und Sonderkulturen. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung bot die Milag zentral Kurzreferate an, um Reisezeiten zu verkürzen. Kern der Milag-Arbeit ist es, das Hintergrundwissen kulinarisch erlebbar zu machen. Deshalb gab es zu den Themen Milch, Gemüse und Obst, Honig und Wein jeweils passende Kostproben.
Nach einem kurzen Empfang in Rheinböllen ging die Fahrt mit dem Oldtimerbus nach Seibersbach. Der Milchhof Soonwald von Familie Bange ist weit über die Grenzen des Hunsrücks bekannt. Rund 150 Milchkühe produzieren hier Milch, die zum Teil in die Direktvermarktung fließt. Frischmilch, Joghurt, Quark, Dickmilch, Molke und Vla werden über feste Touren und Belieferungen seit 2007 direkt zu den Verbrauchern und in Hofläden gefahren.
Anschließend stellten am Simmersee Andrea Schneider vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Bettina und Johannes Pellio von Pellio's Imkerei und Anna Zenz, die 77. Deutsche Weinkönigin, ihr jeweiliges landwirtschaftliches Produkt vor:
Der Obstbau findet sich an mehreren Standorten in Rheinland-Pfalz, die Vorderpfalz ist bekannt als Deutschlands Gemüsegarten: „Die Vorderpfalz ist besonders für Radieschen bekannt. 2023 wurden 2 125 ha Radies angebaut – und das bei einer Gesamtfläche von 16 876 ha“, so Schneider. Das Thema Honig griff anschließend Bettina Pellio auf, Imkerin aus der Vulkaneifel. Das Besondere an rheinland-pfälzischen Honigen ist ihre extreme regionale Vielfalt, die durch die unterschiedlichen Naturräume begünstigt wird. „In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt etwa 8 000 Imker – rund 99 Prozent betreiben die Imkerei als Hobby.“, so Bettina Pellio. Fachliche Unterstützung erhalten die Imker vom staatlichen Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen.
Das bedeutendste Weinbauland in Deutschland
Anna Zenz führte durch eine kleine Weinprobe und erläuterte dabei die Bedeutung von Rheinland-Pfalz für den Weinbau: „Rheinland-Pfalz ist das bedeutendste Weinbauland Deutschlands – rund zwei Drittel der deutschen Rebfläche liegen hier sowie 6 der 13 deutschen Qualitätsweinanbaugebiete.“
Alle Referate thematisierten auch die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft insgesamt steht: Wettbewerbsfähigkeit und Konkurrenzdruck weltweit, Kostenfragen, invasive Arten und neuartige Krankheiten sowie veränderte Klimabedingungen.
Zum Glück gibt es in der deutschen Landwirtschaft viele engagierte Menschen, die sich diesen Herausforderungen stellen. Zugleich bringt sich eine junge Generation vermehrt ein, die sich stärker vernetzt und sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft einsetzt.
Der Tag endete mit vielen neuen Eindrücken und Begegnungen und zeigte dabei, wie vielfältig Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz ist – und wie viel Zukunft in ihr steckt.
milag – LW 42/2026