Der Löwe und die Maus
Ein kleines Wesen wird zum Lebensretter

Während der König der Tier – ja, richtig geraten! Ich meine den Löwen – so vor sich hin döste, bemerkte er plötzlich ein leichtes Kribbeln zwischen den Pfoten. Als er müde nachsah, was ihn da so kitzelte, entdeckte er, dass es eine kleine Maus war, die recht übermütig und leichtsinnig zwischen seinen Pfoten herumkrabbelte. Da er aber nun satt und in großmütiger Stimmung war, zeigte er sich der Maus gegenüber wahrhaft königlich, fraß sie nicht, sondern ließ sie laufen.

Wenige Wochen später hatte der König der Tiere einen denkbar schlechten Tag, er geriet in das Netz eines Jägers, und es gelang ihm nicht, sich aus eigener Kraft daraus zu befreien. Er brüllte schrecklich vor Zorn und Angst und versuchte mit den Krallen, das Netz zu zerreißen, doch das Netz hielt dem starken Tier stand. Da sank der Löwe hilflos zu Boden und hörte schon von Ferne den Jäger pfeifen.
Plötzlich raschelte es neben ihm im Gebüsch. Und als er näher hinsah, entdeckte er die kleine Maus, der er einst das Leben geschenkt hatte. Das kleine Wesen sah das hilflos im Netz sitzende Tier, kam rasch herbeigelaufen, nagte mit seinen scharfen Zähnchen das Netz entzwei und befreite so den Löwen. Dieser konnte sein Glück kaum fassen und staunte über das winzige Wesen, dem es ohne Mühe gelang, den König der Löwen aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er dankte seinem kleinen Lebensretter und lief dann eilig davon, um nicht doch noch vor die Flinte des Jägers zu geraten.

Nach einer Fabel von Jean de La Fontaine