Die Urnenmacherin

Künstlerin Rita Capitain gestaltet individuelle Bio-Urnen

Rita Capitain ist Urnenmacherin aus Passion. 2004 erfand sie die biologisch abbaubare Bestattungsurne „das frEI“. LW-Autorin Silke Bromm-Krieger hat die Künstlerin besucht.

„Der Gedanke, dass eine herkömmliche Aschenkapsel kaum vollständig vergeht, mag einigen Menschen unwichtig erscheinen, doch den meisten sicherlich nicht. Sich mit der Erde zu verbinden, getreu dem Motto Asche zu Asche, ist doch der eigentliche Sinn einer Urnenbeisetzung“, sagt Rita Capitain und ergänzt: „Die wenigsten Menschen wissen, dass die herkömmlichen Aschenkapseln aus Weißblech sind. Sie werden gewöhnlich in eine Überurne gesteckt und dann beigesetzt. Ist die Nutzungsdauer der Grabstelle abgelaufen, hat sich die Kapsel meist noch nicht vollständig zersetzt. Sie wird deshalb samt der Asche wieder entnommen und in ein anonymes Sammelgrab gebracht.“

Im Rhythmus der Natur

Man spürt ihre tiefe Empörung, wenn sie über diesen Vorgang spricht. „Ich mache das frEI für Menschen, die es anders haben wollen“, so die 57-Jährige. Bei ihrem „frEI“ verzichtet sie bewusst auf Materialien wie Holz, Ton oder Keramik. Sie formt ihre eiförmigen Urnen aus einem biologisch abbaubaren Stärkematerial. Der in sich geschlossene Urnenkörper kann dabei dank einer speziellen Kons­truktion auf die Aschenkapsel verzichten. Die Asche wird vom Bestatter direkt eingefüllt. Das frEI vergeht nach und nach vollständig in der Erde, ganz im Rhythmus der Natur.

Warum die Künstlerin ihre Bestattungsurne das frEI genannt hat? „Dieses Wortspiel ist kein Zufall. Frei, weil die Asche frei im Bauch der Urne liegen kann, und E und I für die Form des Eis – die Form aus der wir alle kommen. Hier schließt sich für mich der Lebenskreis von der Geburt bis zum Tod“.

Beisetzung: An einem Seidenschal gleitet das frEI würdevoll in die Erde.
Foto: Rita Capitain

Für das frEI, an dessen Entwicklung sie über zwei Jahre lang tüftelte, hat die gelernte Medienkauffrau ihren Beruf vor sechs Jahren an den Nagel gehängt. „Ich habe die Urne nicht aus Profit gemacht, sondern weil es mir ein persönliches Anliegen ist, dem letzten Tag ein würdevolles Gesicht zu geben. Ich will dazu beitragen, dass wir eine individuelle letzte Umhüllung wählen können. Wir alle haben schließlich ein eigenes Gesicht und dies sollte an unserem Abschiedstag sichtbar sein“, ist Rita Capitain überzeugt.

Urne spiegelt Leben des Verstorbenen wider

In ihrem Atelier entstehen deshalb biologisch abbaubare Bestattungsurnen, die zunächst in der neutralen Farbe weiß gestaltet sind. Erst nach ausführlichen Gesprächen mit den Hinterbliebenen oder mit dem Kunden, für den das frEI später bestimmt sein wird, bekommt es sein unverwechselbares Gesicht. „So kann die Urne das Leben des Verstorbenen eindrucksvoll widerspiegeln. Ich kann seine Lieblingsfarbe aufnehmen und Fotos oder kleine Erinnerungsstücke einarbeiten“, erläutert die Urnenmacherin. Für die Gestaltung der Urne verwendet sie ausschließlich natürliche Farben. Etwa zehn Tage Handarbeit sind nötig, bis ein frEI fertig ist. Um es sanft in die Grabstelle hinab gleiten zu lassen, gehört ein drei Meter langer pflanzengefärbter Seidenschal dazu. Er kann entweder im Grab verbleiben oder als Erinnerung mit nach Hause genommen werden.

„Und wenn es in Deutschland – so wie bereits in den Niederlanden und anderen Ländern –einmal möglich sein sollte, auch die Urne zu Hause aufzubewahren, ist das frEI mit seiner kunstvollen Ausstrahlung die ideale Umhüllung“, blickt die Künstlerin in die Zukunft.

Friedhofsbestimmungen berücksichtigen

Eine Bestattung in der Bio-Urne ist leider noch nicht überall ohne Probleme möglich. Rita Capitain räumt ein, dass die Bestimmungen auf den Friedhöfen und in den Krematorien bundesweit recht unterschiedlich sind: „Eine Anfrage beim zuständigen Friedhofsamt schafft Klarheit, welche örtlichen Richtlinien zu beachten sind“.

Überregional

Die Urnenmacherin bietet das frEI im gesamten Bundesgebiet an. Es kostet 590 Euro. Weitere Infos unter www.rita-capitain.de. sbk