Am letzten Tag der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen drehte sich in der Reichelsheimer Reichenberghalle zunächt alles um die Leistungen und Aufgaben der Hessischen Tierseuchenkasse (HTSK). Deren Geschäftsführer erläuterte den Anwesenden genau, wie ihre Beiträge verwendet werden und was die HTSK alles leistet. Darauf folgte ein Vortrag zur Finanzierung und Investitionsplanung in der Landwirtschaft.
„Die Schweinepreise sind im Keller, die Milchpreise im Sinkflug“, leitete Hans Trumpfheller, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes (RBV) Starkenburg, die Vorträge ein. Einzig die Eierpreise seien dank vorübergehender Knappheit noch zufriedenstellend. Das Mercosur-Abkommen sei da ein schlechtes Signal für viele Landwirte, die ohnehin schon unzufrieden mit der Politik seien. Wenn regionale Produktionskapazitäten weiter abgebaut würden, sei die Versorgung in Deutschland gefährdet.
Tierzahlen befinden sich weiter im Sinkflug
Die sinkenden Tierzahlen untermauerte Dr. Frank Jäger, Geschäftsführer der HTSK, in seinem anschließeden Vortrag durch konkrete Zahlen zur Entwicklung der hessischen Tierbestände. Die bei der HTSK gemeldeten Tierzahlen schrumpften bei den Rindern von 2019 bis 2024 um ganze 9,6 Prozent; die Anzahl der gemeldeten Schweine hat sich im selben Zeitraum sogar um mehr als ein Viertel (26,9 Prozent) verringert. Beim Geflügel sehe es nicht ganz so schlecht aus, doch selbst hier sank trotz guter Marktlage die Tierzahl um 2,7 Prozent.
Dafür nahm die Zahl der gemeldeten Einhufer (beispielsweise Pferde oder Esel), Schafe und Ziegen zu. Bei den Schafen liegt das in erster Linie am Auftreten vom Serotyp 3 des Blauzungenvirus 2023. Im Zuge der Erkrankungswelle hätten viele Halter ihre Tiere nachgemeldet, um die Impfbeihilfe der HTSK in Anspruch zu nehmen. Bei den Bienenvölkern und damit den Imkern gab es sogar einen Zuwachs von 16,8 Prozent. Die Zahlen des bei der HTSK gemeldeten Gehegewildes stieg um ganze 17,3 Prozent an. Dennoch fallen in die letztgenannten Kategorien meist Hobbyhaltungen oder Nebenerwerbsbetriebe – nur selten Betriebe im Haupterwerb.
HTSK setzt auf Prophylaxe bei der Tiergesundheit
Aus den Beiträgen der Halter zur Tierseuchenkasse werden unter anderem Entschädigungen aber auch die Zuschüsse zu präventiven Impfmaßnahmen und zahlreiche weitere Leistungen der Tierseuchenkasse gestemmt. Der Kostenanteil der Tierhalter wird stets möglichst gering gehalten. Als Maxime gilt laut Jäger bei der Tierseuchenkasse: „Es werden nur dann Beihilfen gezahlt, wenn das Land ebenfalls mit einem Anteil unterstützt.“
Zu den von der HTSK bezuschussten Leistungen zählt beispielsweise die Ohrstanzprobe beim Rind zur Testung auf BVD und MD. Hier erzählte Jäger, dass die HTSK von September 2023 bis August 2025 an einem Programm des Landes zur serologischen Untersuchung von Milchproben auf BVD-Antikörper teilgenommen hat. Ziel des Projektes sei es, die teure Ohrstanzprobe möglichst zeitnah durch die serologische Überwachung der Milch sicherzustellen.
Hessen hatte bis 2024 eine eigene MKS-Impfdatenbank
Um auf eine Infektion mit der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Hessen schnellstmöglich mit Impfungen reagieren zu können unterhielt das Land Hessen bis 2024 eine eigene MKS-Impfstoffbank bei der Firma Boehringer im englischen Pirbright. Durch den Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union musste diese eigene Datenbank jedoch aufgegeben werden. Seit dem vergangenen Jahr ist Hessen an der MKS-Impfstoffdatenbank der Bundesländer beteiligt. Der Impfstoff wird vorgehalten, da das Eintragungsrisiko beispielsweise wegen dem Flughafen in Frankfurt am Main als hoch angesehen wird.
Liquidität geht immer vor Rentabilität
Nicht nur für die Tiergesunheit ist es wichtig, für den Seuchenfall vorzusorgen. Die Tierseuchenkasse zahlt an Halter zwar Entschädigungen an die Halter, ersetzt allerdings keine Ertragsschaden- oder Ertragsausfallversicherung. Diese kann dem Betrieb in schweren Zeiten helfen, die Liquidität zu erhalten. Das erklärte Bernhard Blackert vom Beratungsteam Ökonomie und Verfahrenstechnik des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) im Anschluss an den Vortrag zur HTSK.
Blackert gab zudem einen Überblick, welche Formen der Finanzierung möglich sind. Von Maschinendarlehen seitens der Hersteller riet er ab; diese seien analog zu kurzfristigen Darlehen meist mit hohen Zinszahlungen oder Schlussraten verbunden und könnten so die Liquidität gefährden, falls unvorhergesehene Ausgaben auf den Betrieb zukommen oder ein Preisverfall stattfindet. Seine „Goldene Regel“ für Finanzierungsvorhaben lautet: Investitionen sollten immer über ihre gesamte Lebensdauer finanziert werden.
Wichtige Aspekte für das Gespräch mit der Bank
Um überhaupt erst an das Darlehen zu gelangen, empfiehlt Blackert die Kontaktpflege zum Bankberater vor Ort. Das bedeute zwar nicht zwingend ein halbjährliches Gespräch, wohl aber das Einhalten von Terminen und Fristen sowie einen freundlichen Umgang. Wer hier einen guten Eindruck hinterlasse, trage zu einem positiven Rating bei. Das sei nicht alleine von den vorhandenen Sicherheiten abhängig, sondern auch von der wirtschaftlichen Lage des Betriebes und dem Auftreten der Betriebsleitung. Auch die Nachhaltigkeit des Betriebes spiele derzeit noch eine untergeordnete Rolle, erklärte Blackert. Komme man bei den regionalen Banken mit seinem Anliegen nicht weiter, könne auch eine Überregionale Bank ein guter Ansprechpartner sein. Hier ist die Beziehung zum Berater jedoch nicht so entscheidend, da man schlicht und einfach nicht immer die gleiche Person als Ansprechpartner hat und viel mehr Personen an der Kreditvergabe beteiligt werden.
AS – LW 6/2026