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Lese 2026 in Rheinhessen – früh und kurz, schnell und gut

Herbstvesper der Schutzgemeinschaft Rheinhessen

Die Schutzgemeinschaft Rheinhessen und ihre Vertreter von Weinbauverband, Weinkellereien und Winzergenossenschaften sowie das Dienstleistungszentrum und die Gebietsweinwerbung Rheinhessenwein e.V. informierten bei ihrer traditionellen Herbstvesper in die Staatlichen Weinbaudomäne Oppenheim über den Weinjahrgang 2026. Die Lese startete so früh wie noch nie zuvor. Die Winzer in Rheinhessen brachten eine kleine, aber qualitativ gute Ernte ein. Wegen der hohen Tagestemperaturen wurde überwiegend nachts und in den frühen Morgenstunden gelesen, um Kühlkosten zu sparen und die Aromen in Wein zu retten. Auch der Weinmarkt und die Weinbaupolitik waren Gesprächsstoff.

Wolfgang Trautwein (Vertreter der Weinkellereien), Friedrich Ellerbrock (Vertreter Rheinhessenwein e.V.) und Jens Göhring (Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen) informierten über die abgeschlossene Lese, den Weinmarkt und die aktuellen Exportzahlen. Foto: Bettina Siée

Die Lese in Rheinhessen startete um den 23. August und war bereits in der vorletzten Septemberwoche (Kalenderwoche 39) bis auf vereinzelte Spezialitäten abgeschlossen. Der heiße Sommer hatte den Reifeverlauf stark beschleunigt. Wie Jens Göhring, Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen, erklärte, war die Pflanzenschutzsaison entspannt. Die Trauben waren kerngesund. Die Winzer ernteten in den sehr frühen Morgenstunden, um die Trauben möglichst kühl auf die Kelter zu bekommen. So erhielten sie aromatische, harmonische Moste beziehungsweise Weine, die sich in der Gärung sowie im Jungweinstadium bereits mit einer tollen Qualität präsentieren.

26er Jahrgang – kleine Menge, gute Qualität

Die Winzer in Rheinhessen sind mit der Qualität des 2026er Jahrgangs sehr zufrieden. Es sind sensationelle Rotweine zu erwarten, freut sich auch Wolfgang Trautwein, der die Weinkellereien vertrat. Die Mengenprognosen für Rheinhessen dürften fünf bis zehn Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegen, der etwa 2,5 Mio. hl beträgt.

Gemischte Signale kommen vom Export

Je nach Standort sind die Erträge stark unterschiedlich: auf sandigen Böden hatten die Reben zu leiden, auf tiefgründigen Böden gab es gute Ernten. Die Freude über Top-Qualitäten wird jedoch getrübt durch Absatzprobleme. Die gesamtwirtschaftlich angespannte Lage dämpft leider die Kauflaune der Verbraucher. Die Erzeugungskosten sind stark gestiegen und die Fassweinpreise sind nicht kostendeckend. Die sich daraus ergebende große Herausforderung für die gesamte Weinbranche lässt sich nur gemeinsam bewältigen.

Bernd Wechsler, Kompetenzzentrum Weinmarkt und Weinmarketing, blickte auf die ersten acht Monate des Jahres 2026 der Qualitätsweinprüfung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Im Vergleich zum Vor-jahreszeitraum zeigt sich bei Weißwein aus Rheinhessen eine leichte Erholung, während es bei Rotwein einen spürbaren Dämpfer gibt.

Im Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 gab es im Vergleich zum Vorjahr ein Wertplus von 1,7 Prozent bei einer Mengenreduzierung von 3,2 Prozent. Der Durchschnittserlös lag mit 310 Euro/hl leicht über dem Vergleichswert. Maßgeblich für den Export aus Rheinhessen sind USA, Skandinavien (besonders Norwegen), Polen, Niederlande und Großbritannien, die einen Mengenanteil am Gesamtexport von über 50 Prozent haben. Ein Großteil der aus Deutschland exportierten Weine kommen aus Rheinhessen.

Weinbranche bewältigt die Situation nur gemeinsam

Die gesamte Weinbranche, aber auch alle Politiker auf EU-, Bundes- und Landesebene sind gefordert, die bereits eingeleiteten Absatzförderungs- und Informationsmaßnahmen zu unterstützen.

bs – LW 42/2026