Die Frühjahrssitzung des Fachausschusses Pflanzenbau/Nachwachsende Rohstoffe der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz stand im Zeichen des Saisonstarts, den zunehmenden Herausforderungen in der Saatgutwirtschaft sowie den neuen Entwicklungen in der Düngeverordnung.
André Schenk von der RWZ Rhein-Main AG berichtete über die aktuelle Lage in der Saatgutwirtschaft und die zentralen Herausforderungen am Produktionsstandort Worms. Das derzeit gedämpfte Marktumfeld sowie hohe Importmengen aus Nachbarländern drücken auf die Erzeugerpreise, sodass viele Betriebe angesichts der Preissituation zurückhaltend agieren.
Trotz steigender Kosten und höherer Preise für Z-Saatgut bleibe dessen Nutzung ein wichtiger Baustein für stabile Erträge. Unter den zunehmend wechselhaften Witterungsbedingungen und einem wachsenden Krankheitsdruck sei gesundes, qualitativ hochwertiges Saatgut unverzichtbar. Die Mehrkosten stellten eine Investition in Ertragssicherheit und Zukunftsfähigkeit dar.
Anforderungen sind gestiegen
Die Saatgutqualität habe auch 2025 – trotz regionaler Unterschiede – insgesamt auf sehr gutem Niveau gelegen. Gleichzeitig seien die Anforderungen an Züchtung, Produktion und Aufbereitung gestiegen. Klimatische Veränderungen und die Ausbreitung wärmeliebender Schadinsekten erhöhen den Druck auf die Vermehrungsflächen. Zusätzlich erschwerten der Verlust zugelassener Wirkstoffe und lange Entwicklungszeiten neuer Mittel die Saatgutbeizung. Hohe Temperaturen sowie ein verstärktes Auftreten von Ungräsern wie Vulpia und Schädlingen führten insgesamt zu einem deutlich höheren Arbeitsaufwand.
Carolin Kunz von der Firma KWS Saat SE & Co. KGaA gab dem Ausschuss einen aktuellen Überblick zur Situation rund um die Schilfglasflügelzikade und den Stand der Forschung. In Zuckerrüben führe die Übertragung des Proteobakteriums und von Phytoplasmen zur sogenannten Gummiknolle (SBR RTD).
In den Feldkontrollen habe sich im vergangenen Jahr ein deutlich geringerer Nymphenbesatz gezeigt, auch die Symptomausprägung seien in der letzten Anbausaison verzögert aufgetreten. Diese Entwicklung könnte auf die Wirkung der erteilten Notfallzulassungen im Insektizidbereich sowie auf die intensiveren Niederschläge im Sommer 2025 zurückzuführen sein, so Kunz.
Sorten mit Merkmalskombinationen werden immer wichtiger. Jedoch sollten auf keinen Fall die klassischen Toleranzen außer Acht gelassen werden. Es gelte nach wie vor: Je stressfreier und gesünder die Zuckerrübe die Vegetationsperiode übersteht, desto stärker kann sie den Zikaden gegenüberstehen. Alles, was die Zuckerrübe zuvor vitalisiert, helfe ihr auch gegen SBR-RTD. Denn Pflanzen, die am stärksten gestresst sind, sind am stärksten anfällig. Zuletzt berichtete Dr. Friedhelm Fritsch vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz (MWVLW) über die aktuellen Entwicklungen im Dünge-Recht (rote Gebiete). Die Streichung der Ermächtigung zur Stoffstrombilanz stelle nach wie vor einen Streitpunkt dar.
Im Zuge einer Zusage an die EU-Kommission im Rahmen der Aufhebung des Vertragsverletzungsverfahrens sei die Ermächtigung zur Durchführung einer düngerechtlichen Monitoring-Verordnung sowie einer Düngemittelmonitoring-Verordnung erteilt worden. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom Oktober 2025 wurde die bayrische Landesdüngeverordnung für unwirksam erklärt. Dies habe sich ebenfalls auf die anderen Bundesländer ausgewirkt, denn formal bestünden die belasteten Gebiete weiter, allerdings seien die Auflagen nicht mehr durchsetzbar. Mögliche Weiterentwicklungen der Düngeverordnung bestehen in einer „kleinen“ Lösung im Laufe des Jahres 2026 in Form der Umsetzung der Bundesverwaltungsgerichts-Urteile durch das BMLEH, stellte der Düngeexperte Fritsch in Aussicht. Im Anschluss solle die Ausarbeitung und Umsetzung der „Großen Lösung“ in Form einer Neukonzeption der Düngeverordnung und Gebietsausweisung in Rheinland-Pfalz erfolgen.
Fest steht: Die bestehenden Herausforderungen werden die Branche auch in diesem Jahr begleiten. Umso wichtiger ist es, gemeinsam mit der gesamten Wertschöpfungskette, der Forschung sowie der Politik tragfähige Lösungen zu entwickeln, waren sich die Ausschussmitglieder einig.
Eva Berwanger, lwk rlp – LW /2026