Stellschrauben für eine erfolgreiche Mutterkuhhaltung

Management und Zucht

Die diesjährige Fachfahrt der IG Odenwälder Fleischrinderhalter im September führte ins benachbarte Rheinland-Pfalz auf das Hofgut Neumühle. Am Vormittag standen interessante Vorträge zu den Themen Management und Zucht auf dem Programm. Nachmittags folgte die Besichtigung der Eigenleistungsprüfstation für Intensivrassen, bei der die Teilnehmer spannende Einblicke in die praktische Arbeit und Leistungsprüfung gewinnen konnten.

Die IG Odenwälder Fleischrinderhalter auf dem Hofgut Neumühle.

Foto: Angela Mögel

Nach Begrüßung der Gruppe durch Dr. Theresa Scheu, Tierärztin der Lehr- und Versuchsanstalt, ging es im ersten Fachvortrag der Firma Smaxtec um Einsatz und Nutzen einer digitalisierte Herdenüberwachung bei Mutterkühen. Anhand von Einzeltierdaten der Glanviehherde des Hofgutes Neumühle wurde die grafische Darstellung vom Verlauf der Körperinnentemperatur sowie die Wiederkau- und Bewegungsaktivität deutlich gemacht. Diese drei Werte können sowohl auf Einzeltier- als auch auf Herdenebene am Smartphone oder PC dargestellt werden. Auf Basis des Verlaufs und entsprechender Abweichungen werden Push -Nachrichten auf das Smartphone des Nutzers gesendet.

Digitale Unterstützung für Mutterkuhherden

Das System hat bei milchviehhaltenden Betrieben schon länger Einzug gehalten, verspricht aber auch in der Fleischrinderhaltung einen Mehrwert für das Management. Bei Besamungsbetrieben ist insbesondere die Technik interessant, weil beispielsweise tierindividuelle Zeitfenster für den optimalen Besamungszeitpunkt ausgewiesen werden. Empfehlungen gibt es bei dem Einsatz von gesextem Sperma, da dieses eine kürzere Lebensdauer haben. Aus der Bewegungsaktivität kann zudem auf ein Abortgeschehen geschlossen werden. Über den Zusammenhang von Körpertemperatur und Bewegungsintensität hat der Hersteller zudem einen Abkalbeindex zur Vorhersage des Abkalbezeitpunktes entwickelt. Bei Erkrankungen, wie Metritis, Mastitis, Lungenentzündung, E-Coli-Infektionen und Ketose, sowie Fremdkörper unterstützen die Daten und Meldungen bei der Früherkennung.

Die Technik kann auch bei Weidehaltung eingesetzt werden. Hierfür gibt es eine solarbetriebene Antenne, die mittels SIM-Karte unabhängig vom Telefonnetz fungiert und im Umkreis von 150 m Signale aufnimmt. Bewegen sich die Tiere außerhalb des Antennenradius, speichert der Messbolus die Daten für sechs Tage. Allerdings bedarf es bei mehreren Herden in unterschiedlichen Gemarkungen mehrerer Antennen. Alternativ setzt die Übermittlung der Daten in der entsprechenden Zeit aus.

Die Daten werden in einer Cloud gespeichert und über eine App abgerufen, nach Angaben von Smaxtec nutzerspezifisch aufgearbeitet. Der Messbolus, welcher in den Netzmagen eingegeben wird, hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 4 bis 5 Jahren. Werden Mutterkühe älter, ist die Eingabe eines weiteren Bolus nötig.

Welche Rasse passt zu welchem Standort?

Der Geschäftsführer des Fleischrinder-Herdbuch Bonn, Maximilian Schäfer, zeigte in seinem Vortrag das genetische Potential der Tageszunahmen für verschiedene Rassen auf. „Die Unterschiede zwischen den Tieren einer Rasse sind höher als die Unterschiede zwischen den Rassen“, so die Erkenntnis aus den Eigenleistungsprüfungen.

Bereits seit 2020 werden die Prüfbullen der Extensiv- und seit 2023 der Intensivrassen auf dem Hofgut Neumühle unter neutralen und standardisierten Haltungs- und Fütterungsbedingungen geprüft. Schäfer betonte, dass es wichtig sei, die Rasse entsprechend der betrieblichen Gegebenheiten auszuwählen. So eignen sich Extensivrassen als hervorragende Grobfutterverwerter mit ihrem großen Pansenvolumen im Verhältnis zur Körpermasse ausgezeichnet für extensiviertes Grünland und die Direktvermarktung. Eine Absetzerproduktion zur Bullenmast ist aufgrund der schnelleren Verfettung nicht sinnvoll.

Dagegen lässt sich die Haltung von Intensivrassen in Verbindung mit extensiviertem Grünland schlecht vereinbaren. Hier wird höchste Mastleistung für die Absetzerproduktion angestrebt. „Die Fütterung mit Aufwüchsen von extensiviertem Grünland mit Schnittzeitpunktvorgabe ist bei diesen Rassen kontraproduktiv“, erläutert Schäfer.

Darüber hinaus gibt es Rassen, die eine Mittelstellung zwischen Intensiv und Extensiv einnehmen (Angus, Hereford), bei denen steige die Nachfrage. Derzeit sind Angus die in Deutschland am stärksten vertretene Rassen.

Eigenleistungsprüfung bei Zuchtbullen

Unter strengen Hygienevorgaben werden die Prüfbullen der Intensiv- und Extensivrassen getrennt auf zwei Standorten auf dem Hofgut gehalten. Während der 120 Tage dauernden Prüfung erhalten die Bullen eine Standardration in Wiegetröge. So kann die Trockenmassen- und Energieaufnahme in ein Verhältnis zur Tageszunahme gesetzt werden. Für die Auswahl der Prüfkandidaten empfiehlt der Zuchtleiter den Mitgliedsbetrieben des Zuchtvereins, welche Absetzer das Potential für eine erfolgreiche Eigenleistungsprüfung haben. Die Tageszunahmen der Intensivrassen lagen 2025 bei durchschnittlich 1 700 Gramm. Aktuell sind in der Eigenleistungsprüfung der Intensivrassen Angus, Blonde d“ Aquitaine, Charolais, Fleckvieh-Simmental und Limousin vertreten.

Zum Abschluss des Prüfzeitraumes werden die Tiere im Sechs-Augen-Prinzip beurteilt und gekört. Der Aufwand ist groß, berichten Schäfer und Dr. Scheu: „Die Tiere bekommen eine Klauenpflege, werden gewaschen und fotografiert.“ Für die Körung überprüft die Kommission unter anderem das Rückenmuskelfleisch mittels Ultraschall, die gewichtskorrigierte Abweichung, die Energieverwertung in MJ ME pro kg Zuwachs sowie die Prüftags- und Lebentagszunahme der Bullen. Auf der Auktion, die in Präsenz und online stattfindet, werden die gekörten Bullen dann meistbietend verkauft. Die Eigenleistungsprüfung der Zuchtbullen verdeutlichte den Teilnehmenden eindrucksvoll den großen Einfluss der Wahl des Vatertieres auf die täglichen Zunahmen der Nachzucht.

Angela Mögel, LLH Darmstadt – LW 39/2026