Noch ist es zu früh, um den Vegetationsverlauf im Frühjahr 2026 einschätzen zu können. Gleichwohl haben die diesjährigen Schneefälle und das extrem trockene Frühjahr 2025 gezeigt, dass Grünlandmaßnahmen nicht kalendarisch geplant werden können, sondern sich an der aktuellen Witterung orientieren müssen.
So ist die frühe Güllegabe zwar in der Regel ratsam, damit die Nährstoffe zeitig zum Vegetationsbeginn zur Verfügung stehen, führte 2025 aber, ohne nennenswerte Niederschläge im Februar und März, zu einem bisher neuen Phänomen: eingetrocknete Güllereste im ersten Aufwuchs. Dieses Jahr verhinderte auf einigen Flächen wiederum die lange Schneeauflage beziehungsweise mangelnde Befahrbarkeit eine zeitige Gülleausbringung. Zunehmende Wetterextreme erfordern mehr Flexibilität in der Bewirtschaftung.
Klimaanpassung heißt die Vegetation im Blick behalten
Witterungsabhängige Güllegaben bei guter Befahrbarkeit und gleichzeitig ausreichender Feuchtigkeit sind im Vegetationsverlauf selbstverständlich. Aufgrund zunehmenden Extremwetterlagen gilt dies nun also auch für das zeitige Frühjahr.
Ähnlich verhielt es sich 2025 mit dem Nachsaatzeitpunkt, für den allgemeinhin der Zeitraum von Ende August bis Mitte Oktober empfohlen wird. Während auf einigen Standorten über Sommer verehrende Trockenschäden entstanden und massive Ertragsausfälle verzeichnet wurden, zeigten sich in anderen Regionen dichte Narben und frohwüchsig Bestände. Der Einsatz von Grünlandstriegeln, die unterwünschte Arten aus dem Bestand kämmen, um im Anschluss die Nachsaat auf den offenen Bodenstellen zu etablieren, konnten also je nach Region sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Nicht zuletzt mit Blick auf den optimalen Erntezeitpunkt, der die Futterqualität und so auch die Grundfutterleistung maßgeblich bestimmt, sollten zuverlässige Datenquellen, Monitoring- und Prognosetools genutzt werden, um den optimalen Termin abzupassen.
Monitoring und Prognosen, Tools und Adressen
Je mehr Informationen abgewägt werden, umso eher kann im richtigen Moment die richtige Entscheidung getroffen werden. Einige öffentliche online Plattformen können dabei helfen.
Bekannt ist mittlerweile der tagesaktuelle UFZ Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (abrufbar unter www.ufz.de). Er eignet sich zum Beispiel, um im späteren Vegetationsverlauf den Erntezeitpunkt abzuschätzen. Vor allem in Trockenperioden ist dann anhand der Bodenfechte absehbar, ob noch mit Ertragszuwachs zu rechnen ist, oder ob der 2. beziehungsweise 3. Schnitt nicht lieber vorzeitig eingefahren wird, bevor er am Halm vertrocknet.
Der Deutsche Wetterdienst unterhält auf seiner Internetseite www.dwd.de eine eigene Rubrik „Land- und Forstwirtschaft“. Hunderte von Wetterstationen liefern zum Teil halbstündlich Daten und sorgen dafür, dass Regenradar, Bodenfeuchte und -temperatur kleinräumig ablesbar sind.
Den kostenlosen Zugang zur Plattform ISABEL erhält man über die zuständige Landesstelle (kurzlinks.de/1p9l). Das Bodenfeuchteprofil zeigt beispielsweise die nutzbare Feldkapazität bis 60 cm Tiefe. Auch hier können bei beginnender Trockenheit potenzielle Ertragszuwächse abgeschätzt werden.
Im zeitigen Frühjahr kann anhand der Bodentemperatur-Stationsgrafik beispielsweise abgeschätzt werden, ob und wie tief der Boden gefroren ist und wann die Gülleausbringung möglich ist. Auch lassen sich die Erfolgsaussichten für Spätnachsaaten abschätzen. Wiesenlieschgras keimt beispielsweise bereits bei Bodentemperaturen von 5 °C Grad und eignet sich auch für Winternachsaaten, die nach der Maisernte durchgeführt werden. Leguminosennachsaaten hingegen erfordern (Ober-)Bodentemperaturen von mindestens 15 °C Grad.
Prognosen zu Hitzestress und Vegetationsbeginn
Im Sommer können Prognosen zum Hitzestress (Temperatur-Humidity-Index) bei Rindern genutzt werden, um die Leistung stabil zu halten. Neben Kühlmaßnahmen im Stall, kann die Auswahl der Weidefläche je nach Vorhandensein von Schattenplätzen, Wind oder Fliegendruck getroffen werden.
Die Plattform www.isip.de liefert Empfehlungen, Versuchsergebnisse und Monitoringdaten der Pflanzenschutzdienste und Beratungsträger für Pflanzenproduktion in den Ländern. Anhand der Grünlandtemperatursumme (GTS), die aus den Stationsdaten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt wird, können standortspezifisch der Vegetationsbeginn prognostiziert und Empfehlungen für die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern gegeben werden (kurzlinks.de/kwq5). Die Landesstellen der Offizialberatung führen außerdem Reifeprüfungen auf Praxisflächen in verschiedenen Landesteilen durch. Neben Dauergrünland wird oft auch Ackerfutter beprobt. Anhand von Grünschnittproben werden wesentliche Qualitätsparameter wie Rohfaser-, Protein- und Energiegehalte ermittelt und wöchentlich auf den Homepages veröffentlicht. Um Rückschlüsse auf die eigenen Futterbestände ziehen zu können, sollten vor allem Standort-/ Flächendaten wie Höhenlage, Bestandszusammensetzung, Bodenauflage, Nährstoff- oder Wasserversorgung mit den eigenen Schnittflächen abgeglichen werden.
Fazit: Aktuelle Messdaten als Entscheidungsgrundlage nutzen
Die aufgeführten Portale sind allesamt kostenfrei. Sie basieren auf einem umfassenden Netz aus Messtellen und einem enormen Pool langjähriger Datenerhebungen. Sicherlich gibt es in der Praxis betriebliche Zwänge, sodass nicht zu jederzeit die pflanzenbaulich sinnvollste Entscheidung getroffen werden kann. Im Frühjahr sind das nicht selten die beschränkten Güllelagerkapazitäten.
Dennoch konnten einige praktischer Anwendungsfälle aufgezeigt werden, um Pflegemaßnahmen möglichst effektiv durchzuführen und nicht zuletzt die Erntequalität von Grünlandaufwüchsen deutlich zu verbessern. Denn gutes Grundfutter ist und bleibt die wichtigste Grundlage für eine wirtschaftliche Tierhaltung.
Katharina Weihrauch, Bioland e.V., Rinder- und Grünlandberatung, Hessen – LW 12/2026