Der Biologe Peter Keller vom Landschaftspflegeverband (LPV) Südpfalz berichtet von einem zweijährigen Projekt, bei dem exemplarisch landwirtschaftliches Wissen aus der traditionellen Wiesenbewässerung auf eine künftige Waldnutzung übertragen wurde. Diese Methode hat es inzwischen sogar zum Weltkulturerbe geschafft.
In den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim wird seit über 600 Jahren die traditionelle Wiesenbewässerung durch die Landwirtschaft kultiviert. An mehreren Stellen werde an der Queich zu bestimmten Tagen das Wasser angestaut und über Bewässerungsgräben in die Wiesen geleitet. Qualität und Quantität des Wiesenheus werde dadurch gesichert und gesteigert, weiß Peter Keller vom LPV Südpfalz. Zudem könne dieses Verfahren die Düngung reduzieren. Inzwischen sei auch nachgewiesen, dass es sich bei den Wässerwiesen um artenreiche und schützenswerte Lebensräume handele.
Bei einer geführten Exkursion im August 2021 im Offenbacher Wald wurde unter anderem auf die Trockenschäden an den alten Bäumen hingewiesen und auf den sinkenden Grundwasserspiegel aufmerksam gemacht. Bei der Gelegenheit habe Keller auf die nur wenige 100 m entfernte Wiesenbewässerung in den Offenbacher Breitwiesen hingewiesen und die Frage gestellt, ob man nicht die vorhandene Art der traditionellen Wiesenbewässerung mit einer Waldbewässerung verknüpfen könne.
Stetes Wasser höhlt den Stein
Einige Jahre und viele Gespräche später sei dann tatsächlich Wasser über die Wiesen in den Wald geleitet worden. Aber der Reihe nach: Bürgermeister Axel Wassyl aus Offenbach/Queich und Pirmin Hilsendegen von der IG Queichwiesen hätten bei der damaligen Forstamtsleiterin in Landau die Überlegungen vorgetragen, seien aber abgewiesen worden.
Nachdem die Forstamtsleitung gewechselt und ein neuer Revierförster seinen Dienst in den Queichwaldungen angetreten habe, hätte sich erneut die Gelegenheit ergeben, das Thema vorzutragen. Parallel dazu sei Kontakt zur zuständigen Oberen Wasserbehörde bei der SGD Süd aufgenommen worden.
Nach mehreren Terminen sei die Finanzierung einer Machbarkeitsstudie bewilligt worden. Ein Planungsbüro erarbeitete die grundsätzliche Machbarkeit und in einem zweiten Schritt eine mögliche Umsetzung im Offenbacher Wald.
Wichtig sei allen Beteiligten gewesen, dass eine eventuelle Waldbewässerung nicht mit den traditionellen Wiesenbewässerungen im Frühjahr und Spätsommer kollidieren dürfe.
Das Fazit der LPV Südpfalz
Altes, tradiertes landwirtschaftliches Wissen aus der Wiesenbewässerung habe für aktuelle Fragestellungen genutzt werden können. Da die Wälder rings um Offenbach/Queich und Hochstadt (Pfalz) von umfangreichen Wiesen umgeben seien, müsse die vorhandene Infrastruktur in Form von Bewässerungsgräben und Wiesenschließen nur geringförmig erweitert und angepasst werden. Hier sei die Kooperation von Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitik, die seit 30 Jahren im LPV Südpfalz gepflegt werde, beispielgebend.
Peter Keller, LPV Südpfalz – LW 17/2026