In der sensiblen Jugendentwicklung muss für den Mais alles passen, andernfalls wird bereits in den ersten Wochen Ertragspotenzial verschenkt. Neben einer guten Bodenstruktur und optimalen Bedingungen für die Nährstoffaufnahme sollte die Blattdüngung als fester Baustein zur Optimierung des Maisanbaus etabliert werden.
Die Ausdifferenzierung der Ertragsanlagen im Mais beginnt sehr früh, deutlich früher, als häufig angenommen wird. Bereits zwischen dem 6-Blattstadium und dem Beginn des Längenwachstums wird das maximale Potenzial wichtiger Ertragsparameter festgelegt. Dazu zählen:
Stress in dieser Phase geht unweigerlich zulasten dieser Ertragskomponenten. Diesbezüglich sollte eine Blattdüngung nicht mehr als reine „Feuerwehrmaßnahme“, sondern als Instrument der Ertragsoptimierung und Vitalitätssicherung gesehen werden. Doch was zeichnet die zielgerichtete Blattdüngung aus?
Phosphat und Jugendentwicklung
Ein bekanntes Thema: Wenn Maisbestände aufgrund von Stress – etwa durch Herbizide, Kälte oder Trockenheit – ins Stocken geraten, kommen häufig phosphathaltige Blattdünger in die Spritze. Und das aus gutem Grund. Phosphat spielt eine zentrale Rolle im Energietransport und ist damit entscheidend für die Vitalität der Pflanzen.
Allerdings wird eine Phosphat-Blattdüngung in der Praxis oft erst bei auftretenden Problemen eingesetzt. Hier ist ein Umdenken sinnvoll. Denn die Jugendentwicklung des Maises stellt grundsätzlich eine Stressphase dar: Das Verhältnis von oberirdischer Blattmasse zu unterirdischer Wurzelmasse ist ungünstig – viel Blatt, wenig Wurzel. Dadurch sind Nährstoffe wie Phosphat, die aktiv aus dem Boden aufgenommen werden müssen, nur eingeschränkt verfügbar – unabhängig von Witterung oder Pflanzenschutzmaßnahmen.
Eine optimale Phosphatversorgung führt zu vitaleren Pflanzen mit stärkerem oberirdischem Wachstum und einer besser entwickelten Wurzeloberfläche. Da in dieser Phase bereits die Ertragsanlagen festgelegt werden, leistet eine frühzeitige, standardmäßige Phosphat-Blattdüngung einen wichtigen Beitrag zur Ertragsbildung.
Mikronährstoffmangel: teuer und vermeidbar
Im Beitrag zur Unterfußdüngung (LW 13, S. 16) wurden die Mikronährstoffe Bor, Magnesium und Zink als besonders relevant für den Mais hervorgehoben. Eine sinnvolle Ergänzung zur bodenseitigen Versorgung ist die Blattdüngung mit Mikronährstoffen. Sie stellt insbesondere unter trockenen Bedingungen die Nährstoffverfügbarkeit sicher.
Diese Maßnahme sollte gezielt genutzt werden, um latentem oder akutem Mängeln frühzeitig vorzubeugen. Denn Mangel an Mikronährstoffen kann im Mais schnell zu wirtschaftlich relevanten Ertrags- und Qualitätseinbußen führen. Einmal verlorenes Ertragspotenzial lässt sich später nicht mehr vollständig kompensieren.
Gerade Bor kann kostengünstig über das Blatt appliziert werden – eine Praxis, die im Raps- und Zuckerrübenanbau längst etabliert ist. Eine gezielte Borversorgung über Boden und Blatt unterstützt eine gleichmäßige Einkörnung. Da Bor auswaschungsgefährdet ist, sollte seine Düngung, ähnlich wie bei Raps und Rüben, auch im Mais zum Standard gehören.
Mais reagiert zudem besonders empfindlich auf Zinkmangel. Vor allem kalte Böden und hohe pH-Werte schränken die Verfügbarkeit ein. Zink ist essenziell für das Längenwachstum und zählt in der Praxis zu den am häufigsten limitierenden Mikronährstoffen. Auch hier bietet die Blattdüngung eine effektive Möglichkeit zur Vorbeugung.
Fazit: Die entscheidenden Ertragskomponenten im Mais werden früher angelegt als vielfach angenommen. Bereits mit Beginn des Längenwachstums ist ein Großteil des Ertragspotenzials festgelegt. Umso wichtiger ist es, in der Jugendentwicklung Stress konsequent zu vermeiden.
Neben einer ausgewogenen Nährstoffversorgung über den Boden kann eine gezielte Blattdüngung mit Phosphat, Bor und Zink wesentlich dazu beitragen, die Bestände vital zu halten und das Ertragspotenzial auszuschöpfen. In diesem Zusammenhang sollte die Blattdüngung nicht länger nur als „Feuerwehrmaßnahme“ verstanden werden, sondern fester Bestandteil der Anbaustrategie sein.
Felix Schopp, Yara, LAD Südwest – LW 15/2026