Chemischer Pflanzenschutz kann nur so weit zum Erfolg führen, wie im Vorfeld die notwendigen pflanzenbaulichen Maßnahmen gegriffen haben. Pflanzenschutz ist „die Spitze des Eisbergs“, der eine Basis braucht und gleichzeitig unverzichtbarer Bestandteil der Bekämpfungsstrategie ist.
Die Ursachen und Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von Ungräsern liegen zum einen in jahrelangen einseitigen Fruchtfolgen mit wenig Sommerungen und zum anderen an einem dauerhaft sehr einseitigen Pflanzenschutz. Wenn über lange Zeiträume immer wieder dieselben Wirkstoffe eingesetzt werden, kommt es irgendwann zwangsläufig zu einem Selektionsprozess der Ungräser und folglich zu einer Resistenzentwicklung.
Die Wirkstoffpalette wird immer kleiner
Einen Anteil an der schwierigen Situation hat sicherlich auch die Agrarpolitik. Während in der EU in den letzten Jahren 83 Wirkstoffe vom Markt genommen wurden, wurde andererseits kein einziger zugelassen. Ein aktuelles Beispiel ist Flufenacet: Der wichtigste Herbizid-Baustein bei der Ackerfuchsschwanzkontrolle darf in diesem Jahr letztmalig angewendet werden. Einige Betriebe konnten sich noch mit entsprechenden Mitteln für den kommenden Herbst eindecken, andere sind leer ausgegangen.
Als Alternativen bleiben blattaktive Wirkstoffklassen wie die ALS-Hemmer (Sulfonylharnstoffe) oder die ACCase-Hemmer (FOBs, DIMs, DENs), die aber wegen einer verschärften Resistenzsituation nicht mehr überall eine verlässliche Wirkung zeigen. Eine weitere Option, die Landwirten noch bleibt, ist es, eine rund 30 Jahre alte Herbizidstrategie zu verfolgen. In dem Fall wären Wirkstoffe wie Pendimethalin, Prosulfocarb, Diflufenican, CTU und weitere, die ausschließlich Nebenwirkungen auf Ackerfuchsschwanz zeigen, dann wieder das Rückgrat bei der Ungraskontrolle. Auch bei Versuchen der Offizialberatung oder der Pflanzenschutzindustrie spielen diese Wirkstoffe wieder eine gewisse Rolle.
Wirkstoffe müssen aufwändig formuliert werden
Die forschenden Hersteller investieren durchschnittlich mehrere Hundert Millionen Euro in Forschung, Entwicklung und Zulassung neuer Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel. Und dabei geht es nicht nur darum, einen passenden Wirkstoff zu finden. Er muss auch optimal formuliert werden, damit er schnell und zuverlässig an die richtige Stelle in der Pflanze gelangt und beispielsweise nicht vorher vom Regen abgewaschen oder durch UV-Strahlung zerstört wird. Außerdem sorgt die richtige Formulierung dafür, dass das Produkt für den Landwirt gut zu handhaben ist und ohne Probleme appliziert werden kann. Zur Ungrasbekämpfung hat beispielsweise BASF einen neuen Wirkstoff in der Pipeline. Luximo befindet sich seit 2019 im Zulassungsprozess in Europa. In Deutschland wird eine Notfallzulassung für 2026 und eine reguläre Produktzulassung im Jahr 2027 angestrebt. In England wurden bereits positive Erfahrungen gemacht.
Der Wirkstoff in Luximo, Cinmethylin, ist ein sogenannter neuer „mode of action“. Ein solcher wirkt in den Schadpflanzen an einem Wirkort, an dem die bisherigen Herbizidwirkstoffe nicht angesetzt haben. Damit liegt hier ein echter bodenwirksamer Resistenzbrecher vor, der alle Stämme von Ackerfuchsschwanz, auch Weidelgras, Windhalm und Rispe sicher erfasst und wie flufenacethaltige Mittel eingesetzt werden kann.
Markus Rininsland, Fachberatung BASF – LW 11/2026