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Wie läuft die Landwirtschaft in der Metropolregion Rhein-Main?

Der Ballungsraum rückt weiter zusammen

Die Verbandstagung des Bundesverbandes landwirtschaftlicher Fachbildung (VLF) in Deutschland fand dieses Jahr in Friedrichsdorf statt und wurde vom VLF Hessen durchgeführt. Neben Wahlen zum Vorstand (siehe S. 45) stand eine Vortragsveranstaltung im Programm. Thema war die Landwirtschaft in der Metropolregion Rhein-Main und ihre Besonderheiten.

Der neu gewählte VLF-Bundesverbandspräsident Jürgen Dexheimer (2. v. r.) dankte Julia Kraushaar (links), Geschäftsführerin der MGH Gutes aus Hessen, Birte Biemann, Dezernat Planen und Bauen der Stadt Frankfurt, und Jirko Stiller (rechts), Geschäftsführer der KlosterGut-Gruppe, für ihre Ausführungen zu ihren Projekten und der Entwicklung der Landwirtschaft in der Metropolregion Rhein-Main. Foto: Schön

Julia Kraushaar, Geschäftsführerin der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen, lieferte einen Überblick über Produktionsstrukturen und Warenströme im Rhein-Main-Gebiet. Der größte Teil der Metropolregion liegt in Hessen, insgesamt erstreckt er sich jedoch bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Kraushaar erklärt: „Das Gebiet ist ein riesiger Verbrauchsraum. Gleichzeitig wird nur wenig vor Ort produziert.“ Dementsprechend seien umfangreiche Warenströme zu bewältigen. „Hessen ist im Vergleich mit anderen Bundesländern kein Agrarschwergewicht, der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln deckt nicht annähernd den Bedarf ab. Das gilt besonders für den Ballungsraum Frankfurt.“ Die Landwirtschaft vor Ort habe eine stabilisierende Funktion, sei aber nicht in der Lage, die Stadt und die Metropolregion vollständig zu versorgen.

Im urbanen Raum entstünden zudem Ernährungstrends, die über die Sozialen Median verbreitung finden. Immer mehr exotische Produkte würden importiert und auch die Saisonalität von Beerenobst, Spargel und anderen Gütern sei in diesen Räumen weniger relevant. Dementsprechend nehme der Druck auf die Landwirtschaft durch die steigenden Importquoten weiter zu. „Wir müssen Regionalität an diese Ernährungstrends knüpfen. Darin sehe ich eine Chance, die regionale Erzeugung und Vermarktung zu stärken.“ Die Landnutzung in der Metropolregion müsse mit den landwirtschaftlichen Betrieben gemeinsam gestaltet und die urbane Nachfrage mit der Produktion vor Ort in Einklang gebracht werden – auch über Verbraucheraufklärung.

Stadtentwicklung in Frankfurt am Main

Daran schloss Birte Biemann vom Dezernat Planen und Bauen der Stadt Frankfurt am Main ihren Vortrag an. Von der Stadt Frankfurt gingen enorme Flächenverluste durch deren Wachstum aus. „Und auch die Städte und Gemeinden rund um Frankfurt wollen und müssen wachsen“, erklärt die Referentin des Dezernats. Begründet sei das vor allem im Wohnungsbau. Dieser sei für die Stadt verpflichtend, stelle sie jedoch vor eine enorme Herausforderung. „Wir müssen derzeit gut 100 000 neue Wohnungen schaffen. Etwa die Hälfte davon muss auf der grünen Wiese gebaut werden. Im Bestand können wir nach unseren bisherigen Analysen deutlich weniger Einheiten realisieren.“

Wie die Stadt das Bauen auf der grünen Wiese angeht, erklärt Biermann anhand der Entwicklung eines neuen Stadtteils im frankfurter Nordwesten. Hier sollen neue Wohnquartiere entstehen. Weichen müssen dafür einige landwirtschaftliche Flächen, die hauptsächlich Pachtflächen sind. Betroffen sind in etwa 170 ha, sagt Biermann.

Um die Auswirkungen abzumildern, hat die Stadt Frankfurt beim Tausch von Flächen unterstützt und ihre gesamte Planung so ausgestaltet, dass im Endergebnis nur noch wenige Betriebe existenzbedrohend betroffend sind. Mit diesen soll laut Biermann eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden, die allen zuträglich ist. Unter dem Konzept der „koproduktiven Landwirtschaft“ soll auf den Flächen eine Bewirtschaftung ermöglicht werden, bei der auch innovative Ansätze wie Agroforst, Agri-Photovoltaik und andere Produktionskonzepte bedacht werden. Die Stadt stellt dafür Mittel in ihrem Planungskonzept bereit und möchte gemeinsam mit den Betrieben die Flächennutzung entwickeln.

Zukunftsorientierter Gemüse- und Obstbau

Jirko Stiller, Geschäftsführer der KlosterGut Holding, hat mit dem Unternehmen einen großen Obst- und Gemüsebaubetrieb im südhessischen Gernsheim aufgebaut. Die produzierten Güter werden für den regionalen Markt produziert und im Rhein-Main-Gebiet vertrieben. Die KlosterGut Holding umfasst neben der landwirtschaftlichen Produktion eigene Vertriebs- Logistikstrukturen. „In den vergangenen Jahren haben wir viel Fläche dazubekommen und unsere Produktion stark gesteigert. Nicht nur durch Zukauf und Pacht, sondern auch durch Mehrfachbelegung der Schläge“, erklärt Stiller. Für den Agraringenieur ist der Flächenfraß durch Baumaßnahmen ein bekanntes Thema.

Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und auch weil es „die Zukunft des Gemüsebaus“ ist, plant Stiller bereits seit mehreren Jahren den Bau einer großen Gewächshausanlage in Klein Rohrheim. „Der Flächenverbrauch ist hier viel geringer als beim Anbau in Tunneln. Aber ich bekomme einfach keine Ausnahmegenehmigung“, erzählt Stiller. Mit einer Erdwärmeanlage und einer effizienten Bewässerung sei das Projekt zudem sehr nachhaltig.

Im Weg steht ihm der Regionalplan Südhessen. Es frustriere ihn, dass in Gesprächen mit verschiedenen Politikern immer wieder Unterstützung zugesagt werde, schlussendlich aber nichts passiere. Bereits 2023 hatte das LW hierzu berichtet (LW 49/2023). „Planung und Finanzierung sind gesichert, bisher habe ich schon gut 2 Mio. Euro investiert“, erzählt Stiller. Was aus dem Projekt wird, ist weiterhin ungewiss.

Bauchschmerzen bereiten dem Unternehmer außerdem der hohe Mindestlohn und die Mitarbeiterfindung. Die Mehrkosten für den Lohn der Saisonarbeiter belaufen sich in der Holding 2026 auf etwa 2 Mio. Euro. „Saisonkräfte finde ich wenigstens noch, mir mangelt es an geeigneten Fachkräften“, klagt er und erzählt: „Wir verlagern unsere Geschäfte dank der Probleme in der Region zunehmend ins Ausland.“ In Polen oder Spanien habe er mit dem Mindestlohn nicht so hohe Mehrkosten. Zudem sei dort der Obst- und Gemüseanbau ohnehin schon verankert. Mit den Beteiligungen an den dort agierenden Unternehmen könnte er sein Wintergeschäft absichern. Investitionen in Hessen oder ganz Deutschland plant der Unternehmer dank seiner Erfahrungen mit dem Bau des Gewächshauses erst einmal nicht mehr ein. „Das ist für mich einfach nicht mehr attraktiv.“ Für ihn braucht es den politischen Willen, Bürokratie abzubauen und Unternehmertum in der Metropolregion attraktiv zu gestalten.

AS – LW 25/2026
Verluste von Ackerflächen müssen gestoppt werden Flächenverbrauch gefährdet Umwelt und Landwirtschaft