Ist ein Maisbestand erst einmal etabliert, haut ihn so schnell nichts um. Doch bis es so weit ist, sind die Maispflanzen echte Mimosen. Sobald es bei Witterung, Düngung oder Pflanzenschutz irgendwo kneift, geht rasch Ertrag verloren. Ungünstige Bedingungen bei Bodenbearbeitung, Aussaat oder Pflanzenschutz sieht man häufig bis zur Ernte.
Hier gilt es, das volle Augenmerk auf gute Startbedingungen zu legen. Der Spruch „Saatbett vor Saatzeit“ zeigt jedes Jahr aufs Neue seine Relevanz im Maisanbau. Für eine sichere Bestandes Etablierung – auch unter schwierigen Bedingungen – ist außerdem eine vernünftige Unterfußdüngung entscheidend. Im Folgenden werden die Zutaten aufgelistet, die im Unterfußdünger nicht fehlen dürfen.
Stickstoff und Schwefel
Den Hauptbedarf an Stickstoff hat Mais während der Blüte. Zu diesem Zeitpunkt läuft die N-Mineralisierung meist recht zügig. Daher wird diese Bedarfsspitze häufig mit organischen Düngemitteln gedeckt. Auf dieser Phase liegt bei der Planung der Stickstoffdüngung oft der komplette Fokus.
Nicht vergessen werden sollte jedoch auch der Bedarf bis dahin: Man sagt, dass Mais bereits rund 30 Prozent seines Stickstoffbedarfs bis zum Schossbeginn aufnimmt. Auch diese Größenordnung sollte berücksichtigt werden. Denn auch der frühe N-Mangel kostet bereits Ertrag und Konkurrenzkraft.
Phosphat ist prädestiniert für die Unterfußdüngung
Dieser Nährstoff ist wohl der Ursprung der Unterfußdüngung: Phosphat. Und das zurecht. Mais besitzt zu Beginn ein grobes, wenig tiefreichendes Wurzelwerk. Dementsprechend kommt es häufig zu Engpässen bei der Phosphataufnahme. Oft besteht dann ein schlechtes Verhältnis von oberirdischer zu unterirdischer Biomasse.
Phosphat ist im Boden von Natur aus schlecht verfügbar und wenig mobil – es muss von den Wurzeln aktiv „erwachsen“ werden. Zudem wird in den letzten Jahren vermehrt an der Grunddüngung gespart, was Zahlen des Industrieverbandes Agrar zum Phosphatabsatz je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche belegen. All diese Faktoren führen zur altbekannten Anthozyanfärbung von jungem Mais. Den Satz „Das verwächst sich wieder“ hört man in diesem Zusammenhang häufig. Doch klar ist: Solche Nährstoffmängel kosten Konkurrenzkraft und wichtige Vegetationszeit – und damit indirekt Ertragspotenzial.
P-Mangel macht Bestände anfälliger für Trockenstress
Immer wieder zeigt sich zudem: Die P-Versorgung eines Bestandes und die Wurzelentwicklung hängen eng zusammen. Ein Phosphatmangel macht Maisbestände daher auch anfälliger für Trockenstress. Wachstumsstopps durch Trockenheit werden durch unzureichende P-Versorgung zusätzlich verschärft.
Frühzeitiger Phosphatmangel muss deshalb unbedingt über den Unterfußdünger ausgeschlossen werden. Das alte Standardrezept von 2 dt/ha DAP passt aufgrund der Düngeverordnung oft nicht mehr, da die ausgebrachten Phosphatmengen zu hoch sind – vor allem in Kombination mit organischen Düngemitteln. Außerdem fehlt bei einer ausschließlichen DAP-Düngung häufig das „Salz in der Suppe“:
Bor, Magnesium und Zink sind das Salz in der Suppe
Mais zählt – genau wie Raps – zu den borbedürftigen Kulturen. Der Mikronährstoff Bor unterliegt im Boden der Auswaschung. Die Zufuhr über Gülle und Gärreste wird dabei häufig überschätzt: Man spricht von etwa zwei Gramm Bor pro Kubikmeter Rinder- oder Schweinegülle. Je nach Witterung können rasch 10 bis 200 g/ha ausgewaschen werden. Ein Bormangel wirkt sich im Mais schnell negativ auf die Qualität aus: Ohne Bor kann Zucker weder transportiert noch im Kolben in Form von Stärke eingelagert werden.
Aus diesem Grund ist ein Bormangel in der Praxis auch schwer an verfärbten Blättern zu erkennen. Er zeigt sich vielmehr an einem schlechten Kolbenanteil. Die Kolben bleiben kleiner und sind oft schlechter oder ungleichmäßig eingekörnt.
Eine Bordüngung über den Unterfußdünger hat den Vorteil, dass die gesamte Pflanze über den Boden versorgt werden kann. Eine reine Blattdüngung erreicht nicht alle Pflanzenteile, da Bor xylemmobil ist – es wird also nur von unten nach oben verlagert.
Ein weiterer wichtiger Mikronährstoff ist Zink. Mais gilt als Indikatorpflanze für die Zinkversorgung der Flächen: Wird es mit Zink eng, sieht man es in der Fruchtfolge meist zuerst im Mais.
Im Gegensatz zum Bormangel erkennt man Zinkmangel eindeutig am Blatt (junge Blätter). Er zeigt sich in streifenförmigen Aufhellungen entlang der Mittelrippe, meist in der unteren Hälfte des Blattes. Zink ist unter anderem für das Längenwachstum wichtig. Daher tritt der Mangel vor allem in der wachstumsintensiven Phase bis zur Blüte auf. Später „verwachsen“ sich diese Streifen oft wieder – doch das verlorene Längenwachstum wird nicht mehr aufgeholt, und Ertrag sowie Konkurrenzkraft sind verloren.
Als massige Pflanze mit viel Chlorophyll benötigt Mais außerdem große Mengen Magnesium, dem Zentralatom des Chlorophylls. Besonders bei hohen organischen Düngergaben sollte darauf geachtet werden, da die Magnesiumaufnahme durch hohe Gehalte an Kalium oder Ammonium in der Bodenlösung gehemmt wird – ein Fall, der häufig nach organischer Düngung eintritt.
Bei einem Mangel finden sich auch hier streifenförmige Aufhellungen in den Blättern. Anders als Zink allerdings meist über das gesamte Blatt verteilt und parallel zu den Blattadern.
Fazit: Die alte Regel „Saatbett vor Saatzeit“ in Kombination mit einer durchdachten Düngestrategie sind das Rezept für ein guten Start ins Maisjahr. Ist ein Bestand durch gute Saatbedingungen und eine angepasste Unterfußdüngung erst einmal sicher etabliert, ist er deutlich resilienter gegenüber Trockenstress oder Konkurrenz durch Unkräuter und Insekten.
Felix Schopp, Yara, LAD Südwest – LW 13/2026