Wie gelingt der Generationswechsel in der Landwirtschaft? Der Landjugendverband Schleswig-Holstein und der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) haben dazu im Bundestag klare Forderungen formuliert. Bei der Übergabe der Erntekrone an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat standen die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die Bedeutung von Minijobs und die Infrastruktur im ländlichen Raum im Mittelpunkt.
Der Generationswechsel in der Landwirtschaft lässt sich nicht mit schönen Worten lösen. Junge Menschen brauchen eine realistische Chance, Betriebe zu übernehmen.
Dafür brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen in der GAP und politische Entscheidungen, die das Leben auf dem Land im Blick haben. Diese Botschaft brachte der Landjugendverband Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem BDL in den Bundestag.
Verbunden mit dem klaren Appell „Kümmern wir uns heute um die Landwirtschaft von morgen“ übergaben sie dem Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat ihre im hohen Norden gebundene Erntekrone aus Gerste, Roggen und Weizen. Doch ging es im Sitzungssaal um weit mehr als um das Korn in dem Kunstwerk und den Dank für die Ernte. Die Landjugendlichen tauschten sich vor Sitzungsbeginn mit den Abgeordneten über den Generationswechsel, die Bedeutung von Minijobs und die Infrastruktur in ländlichen Räumen aus.
„Wer einen Hof übernehmen soll, muss nicht nur Landwirtin oder Landwirt werden wollen, sondern braucht vor allem eine Perspektive, die wirtschaftlich trägt. Die GAP muss den Generationswechsel deshalb gezielt unterstützen“, sagt Tessa Nafziger, Agrarausschuss-Sprecherin des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein. Genau hier sieht die Landjugend politischen Handlungsbedarf. Wer einen Hof übernimmt, übernimmt Gebäude, Technik, Tiere, Flächen, Kredite und Verantwortung für Jahrzehnte. Die GAP muss junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter gezielt stärken. Dazu gehören verlässliche Förderung, weniger Bürokratie und eine bessere Absicherung gegen Risiken.
Zur Zukunft eines Hofes gehören auch Menschen, die im Alltag mit anpacken. Minijobs helfen landwirtschaftlichen Betrieben, Arbeitsspitzen bei Ernte, Direktvermarktung oder Tierhaltung abzudecken. Für junge Menschen sind sie zugleich ein einfacher Einstieg in die Arbeitswelt und ein wichtiger Nebenverdienst während Ausbildung oder Studium. Die Landjugend Schleswig-Holstein setzt sich deshalb für den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form ein.
Infrastruktur entscheidet über Zukunft auf dem Land
Für alle im Bundestagssitzungssaal war klar, dass Heimat mehr braucht als ein Ortsschild. Gute Verkehrswege, erreichbare Angebote und eine leistungsfähige Infrastruktur entscheiden mit darüber, ob junge Menschen auf dem Land leben können. Die Landjugend machte es ganz konkret und nahm die Ausschussmitglieder quasi mit nach Schleswig-Holstein, wo der Weg zur Ausbildung zum Abenteuer wird – Perspektivwechsel landgemacht.
„Die Abgeordneten kennen die Zahlen und politischen Rahmenbedingungen. Die Landjugend kennt die Auswirkungen vor Ort. Diese Erfahrung ist für die politische Arbeit genauso wichtig wie die Erntekrone selbst“, sagt BDL-Bundesvorsitzender Lars Ruschmeyer.
Ausschussvorsitzender Hermann Färber würdigte die Erntekrone und den Austausch mit der Landjugend. Die Erntekrone sei ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit Landwirtschaft und ländlichen Räumen. Genauso wichtig seien aber die Erfahrungen und Anliegen, die mit ihr in den Ausschuss kommen. „Daraus müssen wir Perspektiven für junge Menschen in der Landwirtschaft formen“, sagte der Abgeordnete.
Die Krone bleibt nun als sichtbares Zeichen im Bundestag. Ihre Botschaft ist mit der Landjugend verknüpft: Die junge Generation ist bereit anzupacken, zu investieren und Verantwortung zu übernehmen. Aber Zukunft wächst wie Korn nicht allein auf dem Acker. Sie wächst dort, wo junge Menschen und Politik gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen.
BDL – LW 42/2026