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Gemeinsame Anstrengungen für gemeinsamen Erfolg

Winterbezirksversammlungen der Zuckerrübenanbauer

Der EU-Zuckermarkt ist aktuell von hohen Überschüssen geprägt und die Preise stehen massiv unter Druck. Gleichzeitig breitet sich die Schilf-Glasflügelzikade als gefährliche Krankheitsüberträgerin weiter aus. Bei den gemeinsamen Winterbezirksversammlungen des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer und der Südzucker AG wurde aber auch deutlich: Es gibt hoffnungsvolle Ansätze für eine erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen.

Walter Manz beleuchtete in seinem Vortrag die allgemein schwierige Situation der Landwirtschaft. Foto: Wendel

Besonders gut besucht war die Versammlung in Gernsheim, die am 27. Januar im Rahmen der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen stattfand. Dr. Mike Eberle, neuer CEO der Südzucker Zucker Division, erläuterte gemeinsam mit dem Verbandsvorsitzenden Walter Manz die Hintergründe für die schwierige Marktlage, auf welche die Anbauer und das Unternehmen aktuell mit einer freiwilligen Mengenreduzierung reagieren. Beide betonten ausdrücklich, dass es sich lediglich um eine auf 2026 beschränkte Maßnahme handelt. „Wir leben davon, Zucker zu produzieren und zu verkaufen“, stellte Eberle klar. „Wir müssen jetzt kurzfristig Übermengen abbauen, aber wir geben keinen Millimeter Marktanteil her!“

Landwirtschaftliche Betriebe unter Druck

Walter Manz beleuchtete die allgemein schwierige Situation, der sich die Betriebe aktuell gegenübersehen: Nachdem Preise wie auch Kosten mit Ausbruch des Ukraine-Krieges stark gestiegen waren, sind die Preise inzwischen in nahezu allen Bereichen wieder ebenso stark gefallen und haben sich auf einem unbefriedigenden Niveau eingependelt. Die Kosten bewegen sich allerdings weiterhin auf hohem Niveau.

Manz sieht Landwirte und Winzer daher aktuell in einer „wirtschaftlichen Falle“, und dies umso mehr, da sie sich international in einem „katastrophal unfairen Wettbewerb“ befinden. Der Verbandsvorsitzende kritisierte insbesondere das jüngst unterzeichnete Mercosur-Abkommen, wobei er klarstellte: „Wir leugnen nicht die Vorteile von Freihandelsabkommen. Wir verweigern uns nicht dem Wettbewerb. Aber der Wettbewerb muss fair sein, mit gleichen Spielregeln für alle!“

Forderung nach fairem Wettbewerb

Gleichzeitig betonte er aber auch: „Mercosur ist nicht unser Hauptproblem. Viel schlimmer ist, dass wir in Deutschland gegenüber unseren EU-Nachbarn wie Polen oder Frankreich insbesondere durch Maut, CO2-Besteuerung und extrem hohe Energiekosten massiv an Wettbewerbsfähigkeit verlieren!“ Noch viel größer sei das Wettbewerbsgefälle gegenüber der Ukraine, die ab 2026 jährlich eine auf 100 000 t erhöhte Zuckermenge auf den EU-Zuckermarkt liefern darf. Manz erklärte: „Wir fordern immer, dass andere Länder ihre Standards auf unser Niveau anheben. Aber vielleicht sind wir mittlerweile an einem Punkt, an dem es richtiger wäre, zu überprüfen, ob unsere Reglementierungen noch zielführend sind, und sollten selbst Anpassungen vornehmen!“ Immerhin konnte jüngst erreicht werden, dass der aktive Veredelungsverkehr für Rohzucker ausgesetzt wird, der zunehmend als Schlupfloch genutzt wurde, um große Mengen zollfreien Zuckers in die EU zu importieren.

Herausforderungen gemeinsam bewältigen

Die schwierige Marktsituation spiegelt sich derzeit auch in den Unternehmenszahlen wider, die Dr. Eberle und seine Kollegen von der Division Zucker, Dr. Georg Vierling und Dr. Gerald Corell, auf den Bezirksversammlungen vorstellten. Vor diesem Hintergrund schwor Eberle die Anbauer auf die gemeinsame Umsetzung notwendiger Schritte ein, um das Segment Zucker zurück in die Erfolgsspur zu führen. „Ich werde meinen Mitarbeitern, aber auch Ihnen als Anbauern viel zumuten müssen“, erklärte er.

„Wir werden Dinge anders machen als bisher. Es wird kein einfacher Weg werden, aber es wird sich lohnen!“ Innovative Konzepte sollen die verschiedenen Geschäftsbereiche im diversifizierten Unternehmen insgesamt stärken. Dazu gehört unter anderem die erfolgreiche Markteinführung von BeetKraft, einem Papier- und Verpackungsmaterial aus Zuckerrüben.

Rüben wieder süßer, aber noch nicht süß genug

Die 2025 wieder verbesserten Zuckergehalte wertete Eberle als ersten wichtigen Erfolg der integrierten Bekämpfungsstrategie gegen die Schilf-Glasflügelzikade und die durch sie verursachte SBR-Krankheit: „Das ist ein Trendbruch und hoffentlich auch eine Trendwende!“ Dennoch bestehe dringend weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um die Zuckergehalte wieder auf das Niveau vor SBR und auch darüber hinaus zu steigern. „Wir brauchen süßere Rüben!“, appellierte Eberle auch an die Vertreter der Saatzuchtunternehmen – nicht zuletzt, um teure Transportfahrten einsparen und so einen großen Wirtschaftlichkeitshebel bedienen zu können.

Erfolgreiche Kampagne in Offstein

Auch Michael Adams und René Renneißen von der Rübenabteilung Hessen-Pfalz stellten die durch SBR verminderten Zuckergehalte als großes Problem heraus, das den Rübenpreis stark vermindere. Umso mehr freuten sie sich über die „deutliche Trendumkehr bei der Rübenqualität“ 2025. Nach den sehr schwierigen Bedingungen 2024 habe die gute Verarbeitbarkeit der gesünderen Rüben 2025 die Basis für eine nahezu störungsfreie Kampagne gelegt. Adams betonte aber auch: „Der frühe Kampagnebeginn hat sich bewährt und war notwendig!“ Denn: In den letzten beiden Kampagnewochen war eine deutliche Verschlechterung des Rübenmaterials erkennbar, da die Bestände eben doch nicht komplett gesund erhalten werden konnten, sondern lediglich die Infektion durch die ergriffenen Maßnahmen abgemildert und nach hinten verschoben wurde.

Früher Kampagnebeginn vermeidet Verluste

„Mit dem frühen Kampagnebeginn haben wir Verluste vermieden“, stellte auch Verbandsgeschäftsführer Dr. Christian Lang klar. „SBR-erkrankte Rüben sterben unweigerlich, und das umso schneller, wenn sie auf einer Miete liegen.“ Wenn die Fabrik aufgrund der schlechten Rübenqualität nur noch mit halber Leistung verarbeiten könne, verschiebe sich das Kampagneende umso stärker nach hinten, wobei die Rübenqualität sich noch weiter verschlechtere – ein Teufelskreis. „Sie würden uns die Hölle heiß machen, wenn Sie jetzt noch Rüben zu solchen Bedingungen liefern müssten“, entgegnete Lang auf den Hinweis, dass ein früher Kampagnebeginn insbesondere in Trockenregionen eher kritisch gesehen werde.

Kleines Tier, aber große Bedrohung

Wegen dieser nach wie vor unbefriedigenden Situation laufen die Forschungsarbeiten rund um die Schilf-Glasflügelzikade beim Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer weiter auf Hochtouren. „Wir diskutieren bei unseren landwirtschaftlichen Märkten gerade eher das Thema Überproduktion als Problem. Daher ist leider in vielen Bereichen immer noch nicht angekommen, welch große Bedrohung dieses kleine Tier für uns und ganz Europa bedeutet“, warnte Lang. „Aber gerade hier in Hessen und der Pfalz haben wir in den letzten Jahren schmerzhaft erfahren, wie unfassbar schnell die Zikade neue Regionen und auch Kulturen erobert – und wie unmittelbar daraufhin Erträge und Qualitäten wegbrechen!“

Einblicke in die Forschung des Verbandes

Wie Lang aufzeigte, ist die Zikade mittlerweile in den deutschen Hauptanbaugebieten für Zuckerrüben und Kartoffeln angekommen und drängt zunehmend über die Landesgrenzen hinaus. Entsprechend hat sich auch der Verband in seiner Forschungsarbeit inzwischen kulturarten- und grenzübergreifend aufgestellt, flankiert von intensiver politischer Arbeit. Insbesondere beim Runden Tisch „Schilf-Glasflügelzikade“, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer am 16. Dezember nach Berlin eingeladen hatte, habe man wichtige Inhalte vermitteln können. Jetzt brauche es dringend die Freigabe von Forschungsgeldern. „Der Taktgeber darf nicht länger die Zikade sein“, warnte Lang. „Wir müssen alles dafür tun, hier wieder das Heft in die Hand zu bekommen!“

Notfallzulassungen bleiben dafür zunächst ein wichtiger Baustein. Mittelfristig werden aber reguläre Mittelzulassungen sowie ein wirksamer Beizschutz benötigt, und auch hier engagieren sich Verband und Südzucker. So wurde zum Beispiel in der ARGE Zuckerrübe Südwest die technische Möglichkeit für Exaktversuche geschaffen, in denen Insektizide bis hin zum Zulassungsversuch geprüft werden können; Dr. Georg Vierling kündigte für 2026 Beizversuche an.

Praxisempfehlungen aus dem KumbIT-Projekt

Das Projekt „KumbIT“ führt aktuell von Worms aus ein kulturübergreifendes Monitoring durch und erarbeitet Bekämpfungsstrategien gegen die Schilf-Glasflügelzikade. Hannah Adam-Schilling, Jana Stohl und Eric Schall vom Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrüben-anbauer e. V. stellten Versuchs-ergebnisse vor und leiteten daraus Empfehlungen für die Praxis ab: Eine angepasste Sortenwahl ist eine einfache und gleichzeitig sehr effiziente Maßnahme gegen SBR. Auch in (Noch-)Nicht-Hot-Spot-Regionen sollte eine SBR-Sorte angebaut werden, da anfällige Sorten sehr schnell sehr stark zusammenbrechen, sobald Zikaden ins Spiel kommen. Auch der Anbau einer späten Sommerung nach Zuckerrüben ist eine hochwirksame Methode zur Reduzierung der Zikaden-Nymphen im Boden – vor allem wenn im Betrieb ohnehin schon Mais vorhanden ist.

Erste Versuchsergebnisse deuten darauf hin, dass Zikaden-Nymphen durch Senf, Ölrettich und Rübsen nicht vermehrt werden. Wo Brache keine Option ist, könnten daher diese Zwischenfrüchte zum Einsatz kommen. Hier ist aber noch weitere Forschung nötig und vorgesehen.

Über die Wirksamkeit einer intensiven Bodenbearbeitung kann bisher noch keine eindeutige Aussage getroffen werden. Am ehesten empfiehlt sich eine solche direkt nach der Rübenernte, wenn sich die Nymphen noch in der oberen Bodenschicht befinden.

Insektizide als tragende Säule der Bekämpfung 2025

Sebastian Adam und Axel Siekmann von der ARGE Zuckerrübe Südwest konnten bei ihren Versuchen zeigen, dass Insektizide 2025 die tragende Säule der Zikadenbekämpfung waren, auch wenn optisch meist kaum Unterschiede zwischen den Varianten erkennbar gewesen seien. Dabei sei die Beratungsvariante auch die wirtschaftlichste Variante für die Praxis gewesen. Durch den Einsatz von in dem Fall zu teuren Biostimulanzien habe der bereinigte Zuckerertrag (BZE) da­gegen praktisch nicht verändert werden können.

Als weitere wichtige Botschaften gaben Adam und Siekmann den Anbauern mit: Die Erstbehandlung muss rechtzeitig und bei passendenden Spritzbedingungen erfolgen, und der Abstand der Folgebehandlungen sollte maximal zehn Tage betragen. Eine höhere Aufwandmenge kann eine zu späte Behandlung nicht ausgleichen und rechnet sich auch wirtschaftlich nicht.

Christine Wendel – LW 7/2026
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