Dr. Sebastian Weinheimer hat schon an vielen Bewässerungsprojekten in den Gemüsebauregionen teilgenommen. Er gilt am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz als der Experte für Bewässerung. Im Rahmen des Pfälzer Gemüsebautages im November sagte er, dass die Landwirtschaft zukünftig mehr Wasser benötigt und dass die Grundwasserneubildung seit 2003 um 25 Prozent gesunken ist. Wo kann das Wasser herkommen?
LW: Was kostet es einen Landwirt in RLP, einen Hektar Karotten in einem Jahr wie 2018 zu bewässern? Wie viel Liter musste er zugeben? Was würde dies in Hessen und in Spanien kosten?
Dr. Sebastian Weinheimer: Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Die Kostenstruktur für die Bewässerung ist so vielfältig wie die Betriebsstruktur. Jeder Betrieb muss da für sich rechnen. Der Zusatzwasserbedarf hängt von vielen Faktoren ab wie dem Boden, der Lage, der Verdunstung sowie natürlich der Witterung. Eine Übersicht für Gemüse gibt eine Zusammenstellung und Berechnung der Hochschule Geisenheim, bei der verschiedene Kollegen mitgearbeitet haben. Einzusehen unter buel.bmel.de/index.php/buel.... Da wir ja mit den Fachschülern in der Region Almeria in Spanien waren, kann ich gleiches für die dortigen Verhältnisse sagen. Auch dort hat uns jeder Erzeuger andere Wasserkosten genannt.
LW: Welche Investitionen sind notwendig, damit die Bewässerung im Gemüsebau langfristig in der Region Vorderpfalz erhalten bleibt?
Weinheimer: Zunächst mal muss sich die Produktion bewässerungswürdiger Kulturen wieder lohnen. Sowohl bei Kartoffeln als auch im Gemüse sieht die betriebswirtschaftliche Realität derzeit nicht gut aus. Wenn sich dies wieder in den positiven Bereich dreht, muss zunächst die Infrastruktur erhalten bleiben. Ein Teil dieser stammt aus den 70er- und 80er-Jahren, da sind Ersatzmaßnahmen einzuplanen. Bei den Brunnenbetrieben müssen sicher auch Investitionen in hydrologische Gutachten getätigt werden, um die Wasserrechte langfristig zu sichern. Daneben sollten sich alle Regionen, in denen aus Einzelbrunnen bewässert wird, überlegen, ob sie sich nicht zu einem Bewässerungsverband zusammenschließen. Gerade die Abrechnung des Wassercents ist für Bewässerungsverbände deutlich einfacher.
LW: Welche Probleme sehen Sie langfristig für die Regionen Vorderpfalz, Südhessen und Südpfalz?
Weinheimer: Der Bewässerungsbedarf wird steigen das haben verschiedene Studien für den Oberrheingraben bereits prognostiziert. Über die Wasserentnahme aus dem Rhein mache ich mir mittelfristig wenig Gedanken. Langfristig könnte durch das Abschmelzen der Gletscher und dem damit sinkenden Pegelstand des Rheines auch da ein Problem auftreten. Aufgrund des Rückgangs der Grundwasserneubildungsrate seit 2003 sieht die Lage bei den Brunnenbetrieben anders aus. Da sehe ich in Zukunft größere Probleme, die entnehmbare Wassermenge zu erhalten, geschweige denn diese zu erhöhen, was eigentlich notwendig wäre. Hier sind kleinräumige Ideen gefragt wie zum Beispiel der Wasserrückhalt in der Fläche oder in Speicherbecken.
LW: Wird das Bevorraten an Wasser über Winter für die Bewässerung im Sommer zum neuen Modell?
Weinheimer: Niederschlag, der über den Vorfluter in den Rhein und dann in der Nordsee landet, steht dem Landschaftswasserhaushalt nicht mehr zur Verfügung. Weder für die Grundwasserneubildung noch für die Bewässerung. Überall dort, wo es Sinn macht, sollte Wasser zurückgehalten werden. Es gibt jedoch auch Probleme mit dem Wasserrückhalt. Beispielsweise sind Oberflächengewässer, wenn in ihnen eine Kläranlage ohne vierte Reinigungsstufe entwässert, auch mit Medikamentenrückständen behaftet. Oder nach Starkniederschlägen mit anderen problematischen Frachten beaufschlagt. Hier muss man genau schauen, ob dieses Wasser wirklich für die Bewässerung geeignet ist oder ob andere Rückhaltemöglichkeiten wie die Waldbewässerung genutzt werden können. Der Niederschlag muss in der Region bleiben und nicht in die Nordsee exportiert werden, vor allem in den trockenen Regionen des Oberrheingrabens.
LW: Wie kann das vorhandene Wasser sinnvoll an die Pflanzen gebracht werden? Wohin geht der Trend?
Weinheimer: Je genauer das Wasser auf der Fläche verteilt wird und je geringer die Verluste bei der Bewässerung sind, desto besser ist die Effektivität. Mit klugen Systemen kann man hier noch einige Prozentpunkte herausholen. Beim Trend kann man keinen eindeutigen Sieger ausmachen. Was jedoch positiv auffällt, ist, dass die Fläche die mit Tropfbewässerung versorgt wird, in den letzten Jahren zugenommen hat.
LW: Bedarf es des Umdenkens, dass Kulturen angebaut werden, die weniger Wasser benötigen?
Weinheimer: Ob eine Kultur angebaut wird, hängt in erster Linie nicht von ihrem Wasserbedarf ab. Einzig und alleine entscheidend, ist der Gewinn, der mit einer Kultur erzielt werden kann. Alle Pflanzen benötigen Wasser zum wachsen. Auch Sojabohnen und Mandeln. Ob es sinnvoll ist, eine Kultur zu bewässern, hängt von der Beregnungskosten-Freien-Leistung ab. Bei Gemüse ist das relativ einfach, da es bei fehlender Bewässerung zu Null Ertrag kommt, da die Ware dann nicht mehr den Anforderungen des Handels entspricht. Wenn man darüber nachdenkt, andere Kulturen anzubauen, kommen häufig die oben genannten Kulturen in die Diskussion. Aber diese sind zwar den höheren Temperaturen angepasst, aber nicht unbedingt wassersparender. Dies muss man sauber auseinanderhalten. Wenn eine Kultur in Südeuropa angebaut wird, heißt das nicht unbedingt, dass die Kultur bei uns ohne Zusatzwasser wächst.
LW: Welche Technik passt für welche Gegebenheit?
Weinheimer: Das kommt auf den Einzelfall an. Jede Bewässerungstechnik hat ihre Berechtigung. Es kommt darauf an, die Technik sinnvoll und effizient einzusetzen. Die Regenkanone hat genau so Vor- und Nachteile wie die Tropfbewässerung. Damit muss man sich auseinandersetzten und die für sich und seine Kultur und seine Gegebenheiten passende Technik auswählen. Deswegen finde ich das Motto des Wasser- und Bodenverbandes zur Beregnung der Vorderpfalz ganz gut: „Regen nach Maß“.
Mit Dr. Sebastian Weinheimer sprach Elke Setzepfand – LW 13/2026