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Maßnahmen bei resistentem Ackerfuchsschwanz in der Praxis

„Ich setze den ganzen Werkzeugkasten ein“

Felix von Rieß führt im nordhessischen Neuental einen Forst- und Ackerbaubetrieb, auf dem resistenter Ackerfuchsschwanz festgestellt wurde. Er nutzt eine breite Palette an Gegenmaßnahmen, um diesem Problem Herr zu werden.

Felix von Rieß hat seine Ungräser auf Resistenzen hin testen lassen. Foto: Becker

Der Nebel will sich – trotz gegenteiliger Vorhersage – an diesem Februartag einfach nicht lichten, an dem Felix von Rieß seinen Winterweizenschlag „vor dem Bucheberg“ in Augenschein nimmt. Das Interesse gilt vor allem dem Ackerfuchsschwanz, der auf den Flächen des Betriebes immer wieder für Probleme sorgt.

Die Herbizidstrategie nach Resistenzanalyse ausgerichtet

„Weil auffällig viele Pflanzen auch nach intensiveren Bekämpfungsmaßnahmen übriggeblieben sind, habe ich 2024 einige davon in ein Analysela-

bor geschickt und auf Resistenzen testen lassen. Wie sich herausstellte, zeigten die Produkte Broadway, Atlantis Flex, Maister Power und Nicogan fast keine Wirkung mehr auf den Ackerfuchsschwanz“, erläutert von Rieß, während er in den Bestand hineingeht. Der hier vorzufindende Restbesatz muss gut im Auge behalten und im Frühjahr gezielt nachbehandelt werden, so seine Einschätzung.

Da nach der Analyse klar gewesen sei, dass Sulfonylharnstoffe keine ausreichende Wirkung mehr erzielen, hat der Betriebsleiter zusammen mit seinem Ackerbauberater Markus Rininsland eine entsprechende Herbizidstrategie ausgearbeitet. „Wenn ich weiß, was auf meiner Fläche funktioniert und was nicht, kann ich zielgerichtet vorgehen und ineffektive Maßnahmen vermeiden. Die Kosten für die Resistenztests von etwa 170 bis 260 Euro sind da gut angelegt“, rechnet von Rieß vor.

Der Weizen beziehungsweise der Ungrasbesatz wurde an drei Herbstterminen behandelt: Am 22. Oktober 2025 kamen Herold SC (Flufenacet + Diflufenican, 0,6 l/ha) und Boxer (Prosulfocarb, 3 l/ha) zum Einsatz. Ende Oktober wurde auf einer Hotspot-Teilfläche des Schlages Trinity (CTU+ DFF+PDM) appliziert. Und am 4. Dezember erfolgte noch eine „Nikolaus Spritzung“ mit 0,9 l/ha Axial 50 (Pinoxaden + Cloquintocet). Für das Frühjahr ist, wie schon angedeutet, noch der Einsatz von Traxos (Pinoxaden, Cloquintocet) geplant – falls nötig.

Herbizide sind nur ein Teilaspekt der Strategie

Aber die Strategie gegen resistenten Ackerfuchsschwanz umfasst deutlich mehr als den angepassten Einsatz von wirksamen Herbiziden, führt von Rieß aus. „Nach der Ernte der Vorfrucht Winterraps wurde die Fläche zunächst Mitte August gemulcht und Anfang September mit der Scheibenegge bearbeitet. Am 17. September wurde die Grundbodenbearbeitung mittels Grubber gefahren und zwei Tage später gewalzt. Das so hergerichtete Scheinsaatbett brachte den Ackerfuchsschwanz zum Auflaufen, so dass die Herbstbehandlungen ihre volle Wirkung entfalten konnten.“

Und am Betrieb werden noch weitere Maßnahmen durchgeführt, um den Ackerfuchsschwanzbesatz zurückzudrängen. Beispielsweise wurde die Reihenweite bei der Aussaat reduziert, um schneller die Reihen zu schließen und Ungräser zu unterdrücken. Auch der Hochdrusch mit anschließendem Einsatz eines Mulchers wurde schon angewendet. Das verbessert nicht nur den Durchsatz im Mähdrescher, sondern schafft anschließend durch das intensive Zerkleinern eine gute Grundlage für eine flache Bodenbearbeitung und damit eine weitere Möglichkeit zur Gräserbekämpfung.

Fruchtfolge und Bodenbearbeitung

Neben Winterweizen und -gerste werden Raps und als Sommerungen Zuckerrüben, Silomais und Ackerbohnen angebaut. „Uns fehlt da noch eine weitere Kultur in der Fruchtfolge, und wir haben versuchsweise mit dem Anbau von Körnermais begonnen“, so von Rieß.

Was die Bodenbearbeitung betrifft, so setzt der Betriebsleiter je nach Anforderungen alles ein, was der landwirtschaftliche Werkzeugkasten zu bieten hat – von der Direktsaat bis zum Pflugeinsatz. „Wichtig ist, dass die Maßnahmen zum passenden Zeitpunkt gesetzt werden, weil sonst die Wirkung unzureichend ist. Dazu ist die regelmäßige Erfolgskontrolle unerlässlich.“

KB – LW 11/2026
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