Triticale verbindet Eigenschaften von Weizen und Roggen und wurde ursprünglich mit dem Ziel gezüchtet, die hohe Ertragsleistung und Kornqualität des Weizens mit der Robustheit und den geringeren Standortansprüchen des Roggens zu kombinieren. Die Kultur eignet sich daher insbesondere für mittlere bis schwächere Standorte, auf denen Winterweizen nicht immer sein volles Ertragspotenzial ausschöpfen kann. Das Futtergetreide ist gerade für viehhaltende Betriebe von großer Bedeutung und liefert neben dem Korn- auch hohe Stroherträge. Im Folgenden werden die Ergebnisse der diesjährigen Landessortenversuche Wintertriticale in Hessen vorgestellt.
Wegfallende Möglichkeiten des Einsatzes von Pflanzenschutzmittel, eine rasante Entwicklung von resistenten Krankheiterregen und zunehmende Wetterextremen lassen die Sortenwahl als wichtige Komponente eines erfolgreichen Ackerbaus in den Fokus rücken. Triticale gilt schon lange als vergleichsweise robuste und pflanzenschutzextensive Kultur, jedoch haben sich in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere Gelbrost, aber auch Braunrost, Rhynchosporium und Ährenfusarium zu relevanten Krankheiten entwickelt. Dabei bestehen deutliche Sortenunterschiede, sodass eine gute Toleranz gegenüber diesen Krankheiten zunehmend zur Grundlage für einen wirtschaftlichen Anbau mit reduziertem Fungizideinsatz wird. Besonderes Augenmerk sollte auf die Wechselwirkung zwischen Sortenleistung und Pflanzenschutzintensität gelegt werden.
Triticale, ein Getreide mit Low-Input-Charakter?
Eine pauschale Einordnung der Kultur als Low-Input-Getreide ist daher nicht uneingeschränkt zutreffend. Vielmehr können gesunde Sorten unter reduziertem Pflanzenschutz einen wichtigen Beitrag zur Ertragssicherheit leisten. Gleichzeitig ermöglichen leistungsfähige und standfeste Sorten eine sichere Ausschöpfung des Ertragspotenzials auch bei intensiverer Bestandesführung.
Dr. Benjamin Klauk, Fachinformation Pflanzenbau, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen – LW 34/2026