Landwirte werden auf sehr unterschiedlichen Ebenen von den strukturellen Veränderungen gefordert. Während die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe sehr prekär bleibt, steigen die Anforderungen durch wechselnde politische Vorgaben, klimatische Veränderungen und gesellschaftliche Ansprüche. Bei der Jahreshauptversammlung des Maschinenring (MR) Wetterau standen daher die aktuellen Projekte, die in der Wölfersheimer Geschäftsstelle koordiniert werden, im Mittelpunkt.
Über das große Interesse der Landwirte zeigte sich der erste Vorsitzende, Andreas Damm, bei der Begrüßung der Mitglieder und der Ehrengäste am 4. März in Ilbenstadt sehr erfreut. Nach der Abhandlung der Formalia durch den Geschäftsführer des MR Wetterau, Eckhard Baumgarten, und den Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Wetterauer Agrar Service GmbH, Georg Dierschke, informierte Frank Lotz über die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Wetteraukreis und die Beratung in den Wasserschutzgebieten. Er verwies auf die erfolgreiche Beratungsinfrastruktur sowie die Sammlung und Auswertung von Daten des Sachgebietes Grundwasserschutz zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe.
Qualität von Backweizen abhängig von Proteingehalt?
In den Fokus rückte er ein besonderes Projekt, das in Kooperation mit der Abteilung Getreidevermarktung der Wetterauer Agrar Service GmbH unter der Leitung von Dr. Ludger Linnemann die Korrelation der Backqualität des Weizens mit dem Rohproteingehalt untersucht. Georg Dörrschuck vom Sachgebiet Grundwasserschutz des MR Wetterau erläuterte die Details: Anhand zahlreicher Weizenproben, die unter Laborbedingungen analysiert und verbacken wurden, kann als vorläufiges Ergebnis festgehalten werden, dass die Backqualität und das Backvolumen nur unzureichend von dem Rohproteingehalt abgeleitet werden können. Vor dem Hintergrund des Konfliktes der Wirtschaftlichkeit eines Betriebes und den Anforderungen des Wasserschutzes könnte auf der Grundlage dieser Versuchsreihe die Vermarktungsstrategie für Weizen unter alternativen Parametern angepasst werden, zugunsten einer gesicherten Vermarktung auch bei geringem Protein.
Mögliche Lösungsansätze in der Vermarktung stellte Pascal Schramm von der WAS GmbH dem Plenum vor, dazu erläuterte er zwei Modelle, eines aufbauend auf einer Basisprämie mit der Möglichkeit die Proteingrenzen flexibel zu handhaben, das andere mit einer reduzierten Basisprämie und der Vorgabe sortenreiner Lieferungen an die Mühle, entsprechend einer vorgegebenen Sortenliste sowie der Möglichkeit Nachhaltigkeitsleistungen zu generieren. Die praktizierte, bewährte Vermarktungsstrategie der Wetterauer Agrar Service GmbH für Getreide stellte Pascal Schramm anhand einiger Grafiken dar, die das stetige Wachstum der erfolgreich vermarkteten Poolmengen eindrücklich veranschaulichten.
Das erfolgreiche Poolgeschäft der Hessischen Erzeugergemeinschaft für Raps (HERA) war der Schwerpunkt des Vortrages von Ulrich Wenderoth, Geschäftsführer der Wetterauer Agrar Service GmbH und der HERA. In einem Kurzsteckbrief für den Anbau stellte er außerdem ein neues Produkt vor, die High-Oleic-Sonnenblumen, und erläuterte die Einkaufsbedingungen sowie die Rentabilität.
Förderanträge für Maßnahmen zur Digitalisierung im Betrieb wieder möglichDas hessische Landwirtschaftsministerium (HMLU) weist zusammen mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) darauf hin, dass seit dem 10. März die Antragstellung im Förderprogramm zur Digitalisierung der Landwirtschaft möglich ist. Der Antrag kann über das agrarportal Hessen gestellt werden. Da ein genehmigter Haushalt seitens des Landes für eine Bewilligung notwendig ist, kann diese bis Ende des zweiten Quartals oder Anfang des dritten Quartals dauern. Bereits gestellte – aber noch nicht bewilligte – Anträge verfallen nicht und werden nach Antragseingang geprüft und nach der Mittelzuweisung bewilligt.
Unter www.llh.hessen.de/unternehm... informiert der LLH zur Antragsstellung. Unter www.rp-giessen.hessen.de/na... finden Interessierte eine Liste der förderfähigen Anschaffungen sowie eine Liste der Beratungsstellen und Ansprechpartner.
LWÜberblick im Dschungel der Anträge und Pflichten
Yannick Nagel führte eindrücklich die Vorteile des beim Maschinenring Wetterau praktizierten Auftragsmanagements vor, das mithilfe modernster Technik den Landwirten eine entscheidende Effizienzsteigerung ermöglicht. Die digitale Vernetzung zwischen Maschinenring und Landwirt ist ein entscheidender Faktor, um die Auftragsabwicklung in unterschiedlichen Bereich mit einem Minimum an Aufwand für den Landwirt zu bewältigen. Über die mögliche Unterstützung bei Kontrollen und Zertifizierungen referierte Johanna Wien. Sie verwies auf die Zusammenarbeit mit dem MR Montabaur, über die den Landwirten auf Wunsch eine Fachkraft an die Seite gestellt wird, die sämtliche notwendige Anforderungen in diesem Bereich für den Betrieb übernimmt. Auch die Suche nach Grenzsteinen ist eine Dienstleistung, die über den Maschinenring Wetterau beauftragt werden kann.
Die Möglichkeiten und Vorteile, die sich Landwirten mit dem vom MR Wetterau entwickelten MR Agrarbüro bieten, veranschaulichten Katharina Hahn und Tobias Reitschmidt. Die Ackerschlagkartei erlaubt die Dokumentation im Büro oder direkt unterwegs per App. Zahlreiche Funktionen, wie Düngeplanung, Stoffstrombilanz, Cross-Compliance-Dokumentation, Gewässerschutz, Auftragsmanagement oder Applikationskarten decken die Erfordernisse eines modernen Betriebes ab. Einen entscheidenden Vorteil bietet die stetige praxisorientierte Weiterentwicklung.
Winterdienst zählt zum Geschäft
Auch im Dienstleistungssektor Winterdienst der WAS GmbH erfolgt die Objektverwaltung „wila“ inzwischen mit einer verknüpften App zur digitalen Leistungserfassung. Ralf Eberle gab einen Überblick der Entwicklung dieses Sektors seit 2003. Die Einsätze der Landwirte und Lohnunternehmen, die von der Wetterauer Zentrale aus koordiniert werden, umfasst inzwischen zirka 500 Objekte in einem Radius von gut 100 km rund um Frankfurt am Main.
Die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, landwirtschaftliche Strukturen zu schaffen, die in die Zukunft weisen, die Bündelung von Ressourcen, Kompetenzen oder Infrastrukturen, um Effizienz, Qualität und Reichweite zu steigern, sind die fundamentalen Grundsätze für die Konzeption der Projekte in der Geschäftsstelle. Dass der Maschinenring Wetterau an der Seite seiner Mitglieder steht, wurde in den Vorträgen den Landwirten eindrücklich vermittelt.
MR Wetterau – LW 12/2026