Bioland-Landwirt Rico Platzdasch hat seinen kompletten Ackerbau auf Dammkultur umgestellt. Welche Vorteile er darin sieht, Getreide, Raps, Leguminosen und auch Zwischenfrüchte auf Dämmen anzubauen, hat er dem LW erläutert.
Der Quellwiesenhof liegt in Wildeck-Raßdorf, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Hier werden von Familie Platzdasch in einer kleinstrukturierten Region 130 ha Ackerland, 2 ha Grünland und weitere 20 ha im Lohn bewirtschaftet. Der Betrieb arbeitet seit 2002 pfluglos und seit 2017 ökologisch nach Bioland-Richtlinien. Die Buntsandsteinverwitterungsböden sind hauptsächlich lehmige Sande mit 20 bis 55 Bodenpunkten.
Neben dem Betriebsleiter arbeitet ein Festangestellter mit Beeinträchtigung auf dem Betrieb, außerdem helfen fünf Saisonarbeitskräfte und vier geringfügig Beschäftige im Hofladen auf dem Betrieb mit.
Es wird eine umfangreiche Fruchtfolge angebaut
Der Betrieb setzt auf eine umfangreiche Fruchtfolge: „Den Anfang machen zwei Jahre Kleegras, auf schwachen Standorten auch drei Jahre. Darauf folgen Raps, Weizen und Sommerhafer. Nun folgt ein Leguminosenblock aus Ackerbohne, Lupine, seit neuestem Soja und Wintererbsen im Gemenge mit Triticale. Dann wird Roggen gedrillt oder es folgt ein von Platzdasch „Exotenblock“ genannter Anbau von Emmer, Dinkel, Kartoffeln oder Winterhafer. Abtragende Früchte sind zum Schluss Triticale oder Hirse, Buchweizen beziehungsweise Öllein. Bis auf das obligatorische Kleegras werden alle Kulturen auf Dämmen angelegt.
Vor den Sommerungen werden verschiedene Zwischenfruchtmischung etabliert, so dass der Boden dauerhaft bedeckt ist, Wasser gespeichert und die Biodiversität erhöht wird.
Mit zwei benachbarten Bioland-Betrieben, die Färsen beziehungsweise Milchvieh halten, wird in Sachen Düngung kooperiert; sie bekommen Stroh und Kleegras und liefern Mist und auch Gülle an den Quellwiesenhof zurück.
„Wir können hier am Hof alles selbst aufbereiten und lagern und kompostieren Pflegeschnittgut oder Spelzen. Ein Teil der Spelzen wird auch als Einstreu für unser Hühnermobil mit etwa 50 Tieren genutzt“, erläutert Rico Platzdasch bei einem Betriebsrundgang.
„Unser Augenmerk liegt auf der Erzeugung von Speiseware. Etwa 10 bis 15 Prozent unserer Erntegüter werden über den Hofladen vermarktet, der durch Zukauf alles außer Frischfleisch im Angebot hat.“
Warum Ackerbau auf dem Damm?
„Wir haben unter dem Eindruck des Trockenjahres 2018 nach Alternativen gesucht, um unseren Ackerbau besser an die Klimaveränderungen anzupassen und resilienter zu machen. Dabei sind wir auf den in Südeuropa etablierten Dammanbau gestoßen. Die Dammkultursysteme sollen unter anderem dafür sorgen, dass der Boden vor Austrocknung geschützt ist.“
Diese Erfahrung hat auch der nordhessische Betriebsleiter gemacht: „Dass die Bestände auf den Dämmen bei Trockenheit länger grün bleiben, ist sofort ins Auge gefallen“, berichtet er von den Anfängen vor fünf Jahren. Das liege unter anderem daran, dass die Dämme durch eine gute Kapillarität das Wasser aus dem Boden hochziehen und andererseits die Kulturen die Dämme komplett durchwurzeln. „So kommt beispielsweise das Getreide gut bestockt in den Winter. Im Frühjahr bildet sich auf den Schattenseiten der Dämme Tau, der zur Wasserversorgung im Damm beiträgt.“
Deutlich verbessertes Bodenleben
Ein weiterer, wichtiger Aspekt sei der gesteigerte Gasaustausch im Damm. Dieser fördere das Bodenleben und mache Nährstoffe besser verfügbar. „Wir düngen nicht direkt zur Kultur, sondern zu den Zwischenfrüchten vor Sommerungen; die Gülle, etwa 400 m3 pro Jahr, geht ins Kleegras. Die Nährstoffe kommen dann aus der Bodennachlieferung.“ Ein aktives Bodenleben stärke wiederum die Infiltrationsleistung bei hohen Niederschlagsmengen durch die biologische Verbauung, aber auch die Kapillarität des Bodens in Trockenphasen werde deutlich verbessert.
„Insgesamt haben wir durch den Anbau auf Dämmen bei Getreide etwa 10 Prozent höhere Erträge und bessere Qualitäten, zum Beispiel 1,5 Prozent höhere Proteingehalte bei Weizen. Auch Leguminosen profitieren sehr vom Dammanbau. Die Dämme werden erst zum Kleegrasanbau eingeebnet beziehungsweise nach einer Zwischenfrucht etwa zur Halbzeit der Fruchtfolge um 30° gedreht neu angelegt.
Viel Einsparpotenzial bei der Technik
Durch seine Recherche im Jahr 2018 wurde Platzdasch auf die Firma Turiel aufmerksam, die in Paderborn Geräte für die Anlage und Pflege von Dammkulturen herstellt. Nach dem Besuch von Feldtagen und ersten Versuchen auf eigenen Flächen hat er sich 2021 zum Kauf eines Turiel-Dammgerätes entschieden, mit dem von der Bodenbearbeitung über die Aussaat bis zur Unkrautbekämpfung fast alle Arbeiten durch den Anbau verschiedener Werkzeuge erledigt werden können.
Zum technischen Ablauf des Anbaus in der Dammkultur erklärt der Betriebsleiter: „Nach dem Kleegras wird der Boden im Juli mit einer Cross-Cutter-Scheibenegge vom Bodenverband 3 cm tief bearbeitet. Dann kommt der Turiel-Universal-Rahmen zum Einsatz, mit dem zunächst eine tiefe Lockerung im 30-Grad-Winkel zur Saatrichtung erfolgt und die Grasnarbe mit einem Hackdraht im selben Arbeitsgang abgetrennt wird. Danach bleibt der Boden zum Ausdörren der Pflanzen und Absetzen fünf Tage bis eine Woche liegen.“
„90er Damm mit Doppelreihe“
Im Anschluss erfolgt die Anlage der 90 cm breiten Dämme in Saatrichtung. Dazu werden an den Rahmen Häufler angebaut und mit einer Arbeitsbreite von 3,60 aus Boden-, abgestorbenem und grünem Pflanzenmaterial die Dämme auf 12 bis 15 cm Höhe aufgebaut. In den Dämmen wird das organische Material verstoffwechselt und nach frühestens zwei Wochen erfolgt die Raps-Aussaat.
Ausgesät wird mit einem auf den Rahmen aufgebauten Sätank in zwei Reihen auf die Dammkrone. Zusätzlich zu den angebauten Zinkenscharen wird ein Kronenräumer eingesetzt, um den Bodenschluss der Saat zu verbessern. Die Saatstärke wird wie empfohlen eingestellt. Nachteilig ist hier die Befahrung der Vorgewende beim Hacken. „Hier erhöhen wir die Aussaatstärke um 30 Prozent. Weizen wird Ende September gesät, das übrige Getreide Anfang des Monats; Ende September sollte alles im Boden sein. Wir säen so früh, damit die Bestände den Damm vor Winter gut durchwurzeln können.“
Hacken und Häufeln halten Unkräuter in Schach
Der erste Hackgang, vor allem gegen Ackerfuchsschwanz, erfolgt dann im Oktober und sollte sitzen. Weitere Hackgänge gegebenenfalls mit Anhäufeln erfolgen im Frühjahr situativ, einmal hacken im Herbst und einmal im Frühjahr sollten bestenfalls reichen.
„Ich bin da relativ Unkraut-tolerant – und im Übrigen haben wir eine gut funktionierende Reinigung auf dem Hof. Ein großer Vorteil dieses Systems ist, dass noch relativ große Ungräser und Unkräuter mechanisch bekämpft werden können. Wenn doch mal der Besatz beispielsweise mit Disteln zu groß wird, lege ich ein oder zwei Jahre Kleegras ein und bekomme das so wieder in den Griff.“
Mittlerweile sind am Betrieb zwei dieser Universal-Geräte mit 4,50 Breite im Einsatz. „Die restliche Technik habe ich verkauft. Das ist ein weiterer Vorteil des Systems: Die Maschinen- und Dieselkosten sinken deutlich. Weil die Dämme über die Fruchtfolge hinweg großenteils bestehen bleiben, ergeben sich weniger Überfahrten und auch der Zugkraftbedarf ist gesunken. Im pfluglosen Anbau haben wir etwa 140 Liter Diesel pro Hektar und Jahr verbraucht, heute mit der Dammkultur sind es nur noch 68 l.
Die Ernte kann mit normaler Technik durchgeführt werden, wichtig ist jedoch die Verwendung von angepassten Ährenhebern. Ausfallgetreide wird auf dem Damm beseitigt.
Ein Video zum Anbausystem wurde – durch die Teilnahme am Projekt 100 nachhaltige Bauernhöfe – produziert, und ist auf dem YouTube-Kanal des LLH zu finden (kurzlinks.de/5q1m).
Das Fazit von Rico Platzdasch fällt eindeutig aus: Ertrag und Qualität steigen, die Kosten sinken, es stellt sich eine gute Bodenstruktur mit vorteilhafter Wasserführung ein und das alles mit relativ einfacher und flexibler technischer Ausstattung. „Das ist keine Raketentechnik“, bringt er es auf den Punkt.
KB – LW 27/2026