Der aktuelle Ausflug der Schilf-Glasflügelzikade markiert auch 2026 den Beginn einer entscheidenden Phase für den Zuckerrüben-, Kartoffel- und Gemüseanbau in Deutschland. Nachdem an den ersten Maitagen auf mehreren Versuchsflächen der Forschungsgruppen KUMBIT und KARTOZIK bei Eich und in Südhessen am Rhein die ersten geflügelten Tiere nachgewiesen wurden, laufen derzeit zahlreiche Monitoring-, Schutz- und Bekämpfungsversuche unter Praxisbedingungen an.
Die Bedeutung der Problematik nimmt dabei deutschlandweit weiter zu. Längst ist die Schilf-Glasflügelzikade kein regionales Phänomen mehr. Inzwischen werden Schäden und Befall aus zahlreichen Regionen Deutschlands sowie aus mehreren europäischen Ländern gemeldet. Besonders betroffen sind Zuckerrüben und Kartoffeln, zunehmend aber auch weitere Kulturen wie Rote Bete oder Rhabarber.
Zikade überträgt gefährliche Krankheiten
Die Zikade überträgt zwei bakterielle Erreger, die bei Zuckerrüben das sogenannte „Syndrom niedriger Zuckergehalte“ (SBR) und bei Kartoffeln die „Bakterielle Kartoffelknollenwelke“ (BKW) verursachen. Die Folgen reichen von erheblichen Ertragsverlusten bis hin zur vollständigen Unverwertbarkeit der Ernte. Gerade bei Kartoffeln entstehen gravierende Qualitätsprobleme, die Lagerfähigkeit und Verarbeitung massiv beeinträchtigen. Betroffen sind damit nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern ganze Wertschöpfungsketten der Ernährungswirtschaft.
Die Forschungsgruppen in Worms beschäftigen sich inzwischen seit sieben Jahren mit der Entwicklung praktikabler Lösungen unter realen Befallsbedingungen. Dabei zeigt sich zunehmend, dass die Bekämpfung nur kulturübergreifend und mit einer Kombination verschiedener Maßnahmen möglich sein wird.
Dr. Christian Lang, Geschäftsführer Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer – LW 20/2026