Die Bauern im Landkreis Limburg-Weilburg haben in diesem Jahr im Schnitt eine sehr gute Getreideernte eingebracht. Dies hat der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Marco Hepp, vor zahlreichen Vertretern der Politik, der Verwaltung, des Landhandels und der Presse vergangenen Freitag in Limburg-Ahlbach mitgeteilt. Gleichwohl bewegten sich die Erträge zum Teil in großen Spannen, vor allem aufgrund der lokal sehr unterschiedlichen Niederschläge, aber auch der Bodengüte. Hepp wies außerdem auf die sehr schlechte Preissituation auf dem Getreidemarkt hin. Auf dem Betrieb der Familie Weißer präsentierte er Ertragszahlen und sprach die spezifischen Probleme der Landwirtschaft im Kreisgebiet an.
Hepp erläuterte detailliert das Anbaujahr mit dem sehr trockenen Frühjahr, der frühen Hitzewelle im Juni und dem wechselhaften Juli mit vielen, aber sehr unterschiedlichen, zum Teil extremen Regenfällen und schließlich mit dem beständigen Erntewetter seit Mitte August. Bis vergangene Woche ist die Getreideernte im Landkreis eingebracht worden. Bei insgesamt 31 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in Landkreis, davon rund 10 000 Grünland, wird im Kreis als wichtigste Frucht Winterweizen auf 7 500 Hektar angebaut. Es folgen Winterraps mit 2 700 Hektar, Mais mit 1 900 Hektar, Sommergerste mit 1 600 Hektar und Wintergerste mit 1 500 Hektar, wie Hepp weiter berichtete. Mit dieser Verteilung werde eine fachgerechte Fruchtfolge gewährleistet.
Besonders gute Wintergerstenernte
Besonders gut waren die Erträge bei der Wintergerste. Sie wurde vor der Regenperiode geerntet. Hepp ermittelte aus einer eigenen Umfrage unter Berufskollegen einen Mittelwert von 91 Dezitonnen je Hektar, wobei die Spanne von 65 bis 107 Dezitonnen reichte. Die Ernte sei „so gut wie nie zuvor in meiner Amtszeit“, so Hepp. In den letzten zehn Jahren lag der Schnitt bei 64 Dezitonnen, Sommergerste lieferte in diesem Jahr im Schnitt 71 Dezitonnen/Hektar. Bei der wichtigsten Frucht Winterweizen lag der Ertrag laut Hepps Umfrage bei 92 Dezitonnen, bei einer Spanne von 50 bis 120 Dezitonnen. Vor dem Regen geernteter Weizen habe sehr gute Qualitäten, die bei den stehenden Weizenbeständen während der Regenperiode abfielen. Spitzenerträge würden im Goldenen Grund bei Limburg geerntet, wie Hepp erläuterte. Bei Raps ermittelte Hepp einen Mittelwert im Kreisgebiet von 43 dt/Hektar.
Vermarktung wirklich traurig
Was die Mengen angeht, könnten, auch im Ökolandbau, alle zufrieden sein, so Hepps Fazit. Dagegen sei die Vermarktung „wirklich traurig“. Das niedrige Niveau vom vergangenen Jahr sei nochmals um 10 Prozent zurückgegangen. Ein kostendeckender Anbau sei kaum möglich. Hintergrund seien weltweit hohe Erntemengen und Lagerbestände. In den USA werde zudem mit einer starken Maisernte gerechnet. Das drücke auf die Preise. Ob sich daran in der nächsten Zeit etwas ändert, konnte auch Gerald Roth, Vertriebsmitarbeiter der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ) nicht sagen. Nach einer kurzen und geringfügigen Preiserholung zu Jahresbeginn, gehe es seit Mitte Februar mit den Getreidepreisen nur nach unten, berichtete er. Es sei viel Menge da. Dazu trage auch bei, dass die Wasserwege wie der Rhein noch gut befahrbar seien, und die Mühlen Getreide somit auch von weiter weg beziehen können. Die Frage stelle sich jetzt, was man nun anbaut. Eine lukrative Nische sei der Dinkel, allerdings sei die Erfassung nicht flächendeckend gewährleistet. Roth geht davon aus, dass in der nächsten Saison mehr Winterraps angebaut wird, Weizen sieht er im gleichen Umfang wie bislang.
Ein Thema in der Diskussion waren Freiflächen-PV-Anlagen. Nach Marco Hepp gehören PV-Anlagen mit Blick auf den Flächenverbrauch auf die Dächer. Zudem brächten die hohen Preise, die die Projektierer für die Fläche böten, den Pachtmarkt durcheinander. Weitere Themen waren die weiter zunehmenden Wildschäden und mit ihnen auch die Konflikte mit der Jägerschaft. Hepp wandte sich gegen eine Deckelung der Wildschadenregulierung in den Jagdpachtverträgen und eine korrekte Ermittlung des Schadens, inklusive zusätzlicher Aufräumkosten. Ein Dauerthema ist die B49 und die Ausweisung als Kraftfahrstraße. Die Zustimmung des KBV hierzu habe es nur unter den Bedingungen gegeben, dass es einen Parallelweg für Traktoren von Merenberg bis Löhnberg gebe und weitere Mängel behoben werden, stellte Hepp klar. Unter der Forderungen nach Bürokratieabbau nannte der Vorsitzende insbesondere die Hürden bei Baugenehmigungen im Außenbereich.
CM – LW 35/2025