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Die Zeichen stehen auf Ertrag

Rapsblüte entscheidend für den Schotenansatz

In der allgemeinen Krisenstimmung verbreitet der Rapsanbau ein wenig Hoffnung – nicht nur auf gute Erträge, sondern auch auf gute Erlöse. Die Bestände präsentieren sich nach dem Winter überwiegend in guter Verfassung und stehen in Rheinhessen, der Wetterau und in der Pfalz in Vollblüte. Dennoch machen sich auch hier die hohen Produktionskosten bemerkbar. Dies war Thema beim Rapsblütenpressegespräch des Hessischen Bauernverbandes (HBV) in Büdingen, ist jedoch auch auf die linksrheinischen Bestände zu übertragen.

Derzeit ist der Raps eine Freude in unserer Landschaft. Und hoffentlich auch darüber hinaus mit einer guten Ernte und guten Erlösen. Foto: Knipsfan/pixelio

Unter dem Motto „Gelbes Leuchten, starke Leistung“ fand das diesjährige Rapsblütenpressegespräch des HBV statt. Auf dem Lindenhof der Familie Mäser betonte der Präsident des HBV Karsten Schmal: „Raps bedeutet weit mehr als ein schönes Landschaftsbild. Gerade in Zeiten globaler Krisen zeigt sich seine besondere Bedeutung für Ernährung, Energie und regionale Wertschöpfung.“ Schmal berichtete, dass der Winterraps im letzten Spätsommer unter guten Bedingungen gesät werden und gut entwickelt in den Winter gehen konnte. „Der Winter war zwar relativ kalt, stellte aber kein Problem für die Bestände dar. Aktuell präsentieren sich die Rapsschläge in der Wetterau in Vollblüte und lassen auf eine gute Ernte hoffen. Immer vorausgesetzt, dass uns die Witterung keinen Strich durch die Rechnung macht, etwa durch Unwetter, Dürren oder zu hohe Niederschlagsmengen“, so der HBV-Präsident.

Preisaussichten beim Raps gegen den Trend positiv

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, bemerkte, dass sich der Raps in der Westpfalz auf Standorten mit schweren Böden schwer getan hat mit dem Auflaufen. War Staunässe im Spiel, sind ganze Teilbereiche der Bestände kaputt gegangen. Doch auf Böden mit besserer Wasserabfuhr stehe auch in Rheinland-Pfalz der Raps aktuell in Vollblüte. „Wir brauchen nun Regen, damit sich die gute Blüte weiterentwickeln kann in der Kornfüllphase.“ Hartelt hat sich gegen eine Sclerotinia-Spritzung auf seinen Schlägen entschieden, da die aktuelle Trockenheit keine Pilze aufkommen lasse. Doch das müsse jeder für seine Standorte selbst entscheiden, gab er zu bedenken.

In Sachen Pflanzenschutz müssten die Betriebsleiter immer im Auge behalten, dass neben den bekannten Schädlingen auch zahlreiche andere Insekten wie etwa Honigbienen den Raps höchst attraktiv finden. „Durch das Aufstellen von Gelbschalen können wir den Befall recht gut einschätzen und notwendige Insektizidmaßnahmen so ausführen, dass Nützlinge nicht gefährdet werden. Beispielsweise haben etliche Kollegen diese Maßnahmen in die Nachtstunden verlegt, wenn keine Bienen mehr im Bestand sind“, sagte Schmal. Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von Dropleg-Düsen, die Fungizide unten in den Bestand applizieren und die Insekten oben im Blütenbereich unbehelligt lassen.

Die Rapsanbaufläche sei in den letzten Jahren wieder angestiegen, nach einem Zwischentief im Jahr 2021, als in Rheinland-Pfalz nur etwa 35 000 ha auf den Äckern standen. „2026 werden rund 47 300 ha zur Ernte anstehen, was auch auf den hohen Vorfruchtwert der Blattfrucht Raps zurückzufüh­ren ist. Und natürlich sind die guten Erzeugerpreise, die aktuell fest bei rund 450 Euro/Tonne notieren, ein Grund. An der Börse wird heute (am 28. April, Anm. der Redaktion) schon ein Wert von 550 Euro angegeben“, sagte Hartelt.

Andererseits stünden die Betriebe unter massivem Druck, nicht zuletzt durch die stark gestiegenen Energie- und Produktionskosten. Diesel und Dünger sind teuer, aber die Erzeugerpreise, abgesehen vom Raps, sind bei weitem nicht zufriedenstellend, beziehungsweise nicht kostendeckend, gaben die Präsidenten zu bedenken.

Heimische Energie statt neuer Abhängigkeiten

„Die aktuellen Krisen zeigen deutlich, wie verletzlich internationale Energieabhängigkeiten sind“, stellte Schmal fest. Jeder Liter Biodiesel aus heimischem Raps reduziere die deutsche Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern und stärke die Versorgungssicherheit. Und er warnte: „Wenn Lieferketten reißen, kann eventuell auch noch so viel Geld nicht mehr ausreichen, uns mit notwendigen Gütern zu versorgen.“

Biodiesel könne sofort eingesetzt werden und wirke direkt im bestehenden Fahrzeugbestand. Gerade im Verkehr, wo eine vollständige Elektrifizierung auf absehbare Zeit nicht möglich ist, leistet er einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Emissionen. „Biodiesel aus Raps verbindet Klimaschutz mit Versorgungssicherheit, und das ohne neue Infrastruktur“, so Schmal.

Sowohl der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd als auch der Hessische Bauernverband begrüßen die zeitweise Senkung der Energiesteuer, fordern aber weitergehende Entlastungen. Dazu zählen Erleichterungen bei Düngemitteln sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen für den Einsatz heimischer Biokraftstoffe. „Eine restriktive Biokraftstoffpolitik passt nicht mehr in diese Zeit.“

„120 bis 150 Millionen gelbe Blüten pro Hektar machen den Raps zur auffälligsten Kultur in unserer Landschaft“, sagte Thomas Eller, Vorsitzender der Hessischen Erzeugergemeinschaft für Raps (HERA). „Sie bieten unzähligen Insekten eine wertvolle Lebensgrundlage und fördern die Biodiversität.“ Pflanzenbauliche Vorteile des Rapsanbaus seien neben dem schon genannten Vorfruchtwert die Humusmehrung in den Böden und die Senkung des Infektionspotenzials vieler Getreidekrankheiten. „Außerdem kann Raps beides: Teller und Tank. Die Beimischung zum Dieselkraftstoff bedeutet sofort wirksamen Klimaschutz in einem bestehenden, etablierten System“, betonte Eller. Die HERA vermarktet rund 60 000 t Raps von etwa 1 200 Mitgliedsbetrieben aus Hessen und angrenzenden Regionen. Daraus entstehen unter anderem Rapsschrot als Eiweißfutter, hochwertiges Speiseöl und Biodiesel. „Der regionale Kreislauf vom Rapsacker über die Ölmühle bis in den Tank oder auf den Teller zeigt gerade jetzt seine Vorteile“, so Eller.

KB – LW 18/2026
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