Nach dem herausfordernden Krankheitsdruck von Pilzen im Jahr 2024 wurde erneut bei einigen Pilzkrankheiten, die übers Saatgut übertragen werden, damit gerechnet, dass auch im Jahr 2025 ein hoher Befallsdruck herrscht. Dies war durch die starke Trockenphase in den Monaten März und April nicht der Fall. Der aktuelle Winter war relativ trocken, ob sich das beim Befallsgeschehen widerspiegelt, bleibt abzuwarten.
Üblicherweise ist es so, dass mit Beginn der Vegetation im Frühjahr, wenn die Getreidebestände aus der Bestockung ins Schossen übergehen, auch Primärinfektionen durch pathogene Pilze beginnen. Die Primärinfektionen von Pilzen an Wirtspflanzen erfolgt hauptsächlich durch überdauernde Sporen, die den Sommer beziehungsweise den Winter an Pflanzenresten oder Saatgut überstanden haben.
Damit Pilze ihre Wirtspflanzen erfolgreich infizieren, muss vor allem ein feuchtes Klima herrschen. Durch die anhaltende Blattnässe kann der Pilz mit einem Keimschlauch in die Pflanze eindringen. Daraufhin wächst der Pilz in der Pflanze weiter und bildet neue Sporen, damit er sich schnell ausbreiten kann.
Im Jahr 2025 kam es oftmals nicht zur Primärinfektion aufgrund fehlender anhaltender Blattnässe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch eine Ausbreitung durch neu gebildete Sporen nicht begünstigt wurde und es nicht zu Epidemien kam.
Die trockenen Wintermonate dieses Jahrs sind für die Entwicklung von Pilzkrankheiten bisher auch nicht optimal. Allerdings bleibt je nach Witterung abzuwarten, ob der Krankheitsdruck 2026 genauso niedrig bleibt wie 2025. Eine regelmäßige Kontrolle der Bestände ab Schossbeginn bleibt weiterhin notwendig. Wenn die Zeit für diese regelmäßigen Kontrollen fehlt, kann auch eine Entscheidungshilfe zur Behandlung durch das ISIP-Modell SIG-Getreide helfen. Dieses berechnet täglich die Infektionsbedingungen für die wichtigsten Blattkrankheiten im Wintergetreide.
Julia Nick, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Diagnoselabor Bad Kreuznach – LW 14/2026