Sie gehört zur Pfalz wie der Wein: die Edelkastanie, auch „Keschde“ genannt. Rund die Hälfte der deutschen Bestände wächst in der Südpfalz, wo sie seit Jahrhunderten die Landschaft prägt. Weil sie Hitze besser verträgt als viele andere Baumarten, könnte sie angesichts des Klimawandels einen wichtigen Beitrag zur Klimaresilienz der Wälder leisten. Welche Rolle sie künftig beim Waldumbau spielen kann und wie ihre Vermehrung durch hochwertiges Saatgut unterstützt wird, zeigt ihre besondere Bedeutung für die Forstwirtschaft.
Rheinland-Pfalz zählt mit einem Waldanteil von rund 43 Prozent zu den waldreichsten Bundesländern Deutschlands. Etwa 853 000 ha sind bewaldet, insgesamt kommen 50 heimische Baumarten vor. Eine besondere Stellung nimmt dabei die Edelkastanie (Castanea sativa) ein, die auch unter den Namen Esskastanie und Keschde bekannt ist. 2018 wurde sie zum Baum des Jahres gewählt.
Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt am Ostabfall des Pfälzerwaldes, der Haardt. Dort gedeiht sie oberhalb der Weinberge in Höhenlagen zwischen 200 und 400 m über Normalnull. Die Nähe zu den Weinbaugebieten ist kein Zufall. Die Edelkastanie bevorzugt Regionen mit vergleichsweise mildem Klima.
In den Forstämtern Annweiler und Haardt umfasst ihre Fläche rund 3 000 ha. Im Bereich des Forstamtes Annweiler bildet sie auf mehr als 700 ha die vorherrschende Baumart. Das dortige Ernteaufkommen lag im vergangenen Jahr bei knapp 27 000 kg. Innerhalb von fünf Jahren ist die Erntemenge um rund 19 500 kg gestiegen. Damit kommt der Südpfalz nicht nur für den Erhalt der Edelkastanie, sondern auch für die Versorgung mit ihrem Saatgut eine besondere Bedeutung zu.
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