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Schutz für Nutzpflanzen und Saatgut der Zukunft

Syngenta-Pressekonferenz an neuem Standort

Anlässlich seiner Frühjahrspressekonferenz am 24. März hat Syngenta im neuen Seedcare & Biologicals Institute in Frankfurt/Höchst innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen im Ackerbau vorgestellt. Den alten Standort Maintal hat das Unternehmen aufgegeben, dort entsteht ein Rechenzentrum. Neben der Präsentation neuer Pflanzenschutzmöglichkeiten wurde auch für 2029 die Markteinführung eines Hybridweizens angekündigt.

Ralf Brune demonstriert am neuen Seedcare & Biologicals Institute von Syngenta in Frankfurt/Höchst das Spritzbild verschiedener Pflanzenschutzdüsen. Foto: Becker

Seit 2019 sind in der EU 84 chemisch-synthetische Wirkstoffe weggefallen – Landwirten fehlen zunehmend bewährte Werkzeuge zur Schädlings- und Krankheitskontrolle, hieß es in Höchst.

Trotz der zunehmenden regulatorischen Einschränkungen in Europa bleibe Syngenta seinem Innovationsanspruch treu: Mit einem integrierten Ansatz aus Pflanzenschutz, moderner Pflanzenzüchtung, Biologicals, Seedcare und Präzisionslandwirtschaft entwickle das Unternehmen weiterhin praxisnahe Lösungen, die Landwirten Ertragssicherheit und Zukunftsperspektiven bieten.

Der Züchtung kommt immer größere Bedeutung zu

Dr. Heike Köhler, Geschäftsführerin der Syngenta Seeds GmbH, verdeutlichte, welche wachsende Verantwortung die Züchtung angesichts schwindender Pflanzenschutzmittel trägt: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt, an dem Sorten nicht nur hohe Erträge liefern müssen, sondern auch Krankheiten, Trockenheit und den Wegfall von Pflanzenschutzmitteln kompensieren sollen. Genau dafür investieren wir in die Züchtung der Zukunft.“ Der Wegfall von Flufenacet beispielsweise werte die schnelle Entwicklung von Hybridgersten auf, wie etwa der Sorte SY Loona, die effektiv Ackerfuchsschwanz unterdrücken könne. Im Schnitt sorge die Züchtungsarbeit für 1 Prozent Ertragsplus pro Jahr.

Beim Hybridweizen mache Syngenta ebenfalls Fortschritte: Erste Sorten sind in Frankreich zugelassen und in Deutschland zur Zulassung angemeldet. Die Markteinführung in Deutschland ist für 2029 geplant.

Ungrasbekämpfung ohne Flufenacet

„Als direkte Antwort auf den Wegfall von Flufenacet präsentieren wir bei Syngenta ein flexibles Portfolio zur Ungrasbekämpfung im Getreideanbau“, sagte Dr. Marina Mellenthin. Prosulfocarb bilde dabei den Flufenacet-freien Basisbaustein; in Kombination mit DFF, Aclonifen oder blattaktiven Komponenten entstünden vollständige, widerstandsfähige Lösungen.

Für den Mais stehen mit „Zintal“ und „Zintal Forte“ zwei bereits zugelassene Produkte bereit, die flexibel von Vor- bis Nachauflauf wirken und breit gegen Hirsen, Ungräser und Unkräuter eingesetzt werden können. Mit „Callisto Fit“ wird zudem eine verbesserte Formulierung mit einem optimierten Additiv-System erwartet. Vorteil: bessere Wirkung ohne mehr Wirkstoff.

Neuer Resistenzbaustein gegen Rapserdfloh

Im Raps bietet laut Dr. Mellenthin Cyantraniliprole (Minecto Gold) einen neuen insektiziden Resistenzbaustein gegen den Rapserdfloh. „Der Diamid-Wirkstoff wirkt ohne Kreuzresistenz zu Pyrethroiden und trifft adulte Käfer und Larven gleichermaßen“, hieß es. Eine Notfallzulassung nach Artikel 53 sei für Herbst 2026 geplant, die reguläre Zulassung wird derzeit für die Saison 2027 erwartet.

Mit „Aquicine Duo“ stellte Syngenta außerdem eine triazolfreie Lösung gegen Septoria tritici vor. Die Kombination aus mikrobiellem Schwefel und Kaliumphosphonat biete zwei unabhängige Wirkmechanismen mit geringem Resistenzrisiko und aktiviere zusätzlich die pflanzliche Abwehr. Die Zulassung wird erwartet.

Das Biostimulanzien-Portfolio wird 2026 ausgebaut. Nutribio N, bislang im Ackerbau eingesetzt, ist nun auch im Grünland verfügbar: In Versuchen seien beständig bis zu 20 Prozent Mehrertrag bei gleicher Futterqualität erzielt worden.

Schutz beginnt am Saatkorn

Dr. Christodulos Pringas, Seed Treatment Lead DACH, stellte die wachsende Bedeutung von Biologicals und Seedcare für die moderne Landwirtschaft heraus. „Die Saatgutbehandlung ist und bleibt die Voraussetzung für einen guten Wachstumsstart. Doch die Zahl der verfügbaren Beizwirkstoffe nimmt weiter ab. Deshalb entwickeln wir bei Syngenta neben chemischen auch biologische Beizen, um ein breites Spektrum an Lösungen für den Markt zu haben.“

Dr. Pringas: „Der drohende Verlust des Schlüsselwirkstoffs Fludioxonil, der in nahezu allen fungiziden Universalbeizen enthalten ist, stellt die Getreidebeizung vor eine Zäsur. Von derzeit zwölf verfügbaren fungiziden Getreidebeizen in Deutschland könnten ohne Fludioxonil nur noch fünf verbleiben – mit erheblichen Lücken beim Schutz vor Flugbrand, Typhula und Rhizoctonia.“ Syngenta bereite sich auf dieses Szenario vor und bietet mit „Celest Next“ eine neue Prothioconazol-basierte Beize an, die bereits zugelassen ist.

Parallel dazu treibt Syngenta die Entwicklung biologischer Saatgutbehandlungen voran. Mit „Rizoderma“ steht ein Biocontrol-Wirkstoff in der Pipeline, der in Laborversuchen eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent gegen Fusarium sowie von 80 Prozent gegen Rhizoctonia und Bipolaris gezeigt habe. Die Kombination aus chemischen und biologischen Beizen soll künftig ein breiteres Wirkspektrum bei gleichzeitig besserem Umweltprofil ermöglichen.

Daten statt Bauchgefühl

Digitale Technologien vervollständigen den integrierten Ansatz von Syngenta. Mit der Cropwise-Plattform bietet das Unternehmen datengestützte Entscheidungshilfen für den gesamten Anbauzyklus – von der satelliten- und drohnengestützten Feldüberwachung über KI-gestützte Prognosemodelle bis hin zur variablen Applikationstechnik. In der Praxis ermögliche dies bis zu 20 Prozent Einsparung bei Pflanzenschutzmitteln durch teilflächenspezifische Ausbringung. Gleichzeitig verbesserten digitale Werkzeuge die Dokumentation und unterstützten Landwirte bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

pm, LW – LW 14/2026
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