Frauen in der Landwirtschaft mehr Sichtbarkeit zu verschaffen ist das Ziel der Wanderausstellung „Frauen.Leben.Landwirtschaft“. Die Austellung macht nun erstmals in Rheinland-Pfalz Station. Die Initiative dazu kam von den Landfrauen in Rheinland-Pfalz.
Die Wanderausstellung „Frauen.Leben.Landwirtschaft“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) widmet sich der Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum. Sie wird nun im Landwirtschafts- und Umweltministerium in Rheinland-Pfalz gezeigt.
Gemeinsam mit Ökonomierat Eberhard Hartelt, Vize-Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP) und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) und Gudrun Breuer, Präsidentin des Landfrauenverbands Rheinland-Nassau, eröffnete Landwirtschafts- und Umweltministerin Christine Schneider die Ausstellung.
„Die Ausstellung zeigt die Bedeutung und Vielfalt der Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft, macht diese sichtbar und setzt auf den Ergebnissen der bundesweiten Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf. Gerne machen wir diese Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit in Rheinland-Pfalz zugänglich. Auf diese Weise wollen wir für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft sensibilisieren“, sagte Ministerin Schneider.
Ein gutes Beispiel ist Julia Oswald aus Guntersblum. Die Winzerin steht bei ihrem Familienbetrieb in Verantwortung und ist mit zwei Fotos in der Ausstellung vertreten. Sie wünscht sich von der Politik „vor allem mehr Unterstützung im Rahmen der Familienplanung. Aber auch bei der Pflege von Angehörigen haben Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben eine sehr hohe Belastung.“ Im Alltag ist sie in ihrer Rolle in verantwortlicher Position angekommen.
„Es wird nicht mehr so häufig direkt nach dem Vater gefragt, wenn jemand auf den Hof kommt. Und wer genau hinschaut, weiß sofort, dass ich ebenfalls Betriebsleiterin bin“, wies die Winzerin mit einem Augenzwinkern auf den Betriebsnamen GbR Julia und Fred Oswald hin.
Mehr als 7 000 Frauen für Studie befragt
Aufbauend auf einer 2023 veröffentlichten Studie werden mit der Ausstellung Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in die Fläche getragen. Die Ausstellung zeigt unter anderem Porträtaufnahmen von Frauen in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Arbeitssituationen, die stellvertretend für die Lebens- und Arbeitsrealität der im Rahmen der Studie befragten mehr als 7 000 Frauen stehen.
Die mobile Ausstellung besteht aus 18 großformatigen Fotografien, die auf Staffeleien präsentiert werden sowie zwei Info-Tafeln zur Studie.
Ausbildung ein Schlüssel zu mehr Sichtbarkeit
Vize-Präsident Hartelt stellte die Ausbildung von Frauen in den Grünen Berufen in den Mittelpunkt: „Bei dieser bemerkenswerten Wanderausstellung geht es um die Sichtbarkeit der Frauen in der Landwirtschaft. Denn soziale Absicherung und Altersversorgung stehen nicht im Verhältnis zur tatsächlichen Lebensleistung zahlreicher Frauen in der Landwirtschaft. Es ist also noch viel zu tun. Ein Schlüssel für mehr Sichtbarkeit und Wirksamkeit liegt in der beruflichen Bildung junger Frauen. Und da sind wir auf einem guten Weg, den wir als LWK nach Kräften unterstützen“, sagte Hartelt.
So befänden sich aktuell 328 junge Frauen in Ausbildung in den Grünen Berufen. Das seien rund 22 Prozent am Gesamtanteil. Hartelt: „In den einzelnen Berufen nimmt die Anzahl der Frauen stetig zu. Ein Viertel aller Absolventen im Weinbau beispielsweise sind junge Frauen, Tendenz steigend. Das gilt auch für den Beruf Landwirtin.
Die Präsidentin des Landfrauenverbandes Rheinland-Nassau, Breuer, verwies auf die konkreten Zahlen der Studie. „Obwohl 72 Prozent der Frauen an großen unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sind, leiten nur elf Prozent den Betrieb offiziell.
Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich ein Schlusslicht bei der Geschlechtergerechtigkeit in der Betriebsleitung.“
Dabei sei es für die Zukunft der Landwirtschaft unerlässlich, das gesamte Potenzial der Frauen auf den Betrieben anzuerkennen. Daneben, so Breuer, müssen Frauen auch in entsprechenden Gremien, Räten und Institutionen mehr vertreten sein. Frauen würden oft andere Sichtweisen in Diskussionen und Entscheidungen einbringen.
Breuer überreichte Ministerin Schneider als sichtbares Zeichen die Schleife zum Internationalen Jahr der Frau in der Landwirtschaft.
LWK RLP – LW 35/2026