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Wettlauf gegen die Zeit nicht nur beim Klimawandel

Waldumbau, Wildverbiss und digitale Lösungen im Fokus

Vierzig Waldbauern, Behördenvertreter und Ehrenamtsträger befreundeter Verbände waren zur Neujahrsveranstaltung des Hessischen Waldbesitzerverbandes auf der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal gekommen. Philipp Victor Russell begrüßte die Gäste und stimmte sie in seiner kurzen Ansprache auf ein forst- und naturschutzpolitisch spannendes Jahr ein. Die Waldbesitzerverbände und die Familienbetriebe Land- und Forst seien gut aufgestellt und verträten die Interessen der Waldeigentümer wirksam.

Philipp Victor Russell begrüßte die Gäste des Hessischen Walbesitzerverbandes. Foto: Raupach

„Wie schaffen wir es, rechtzeitig klimaangepasste Wälder aufzubauen?“

Dieser Frage widmete sich Christian Raupach, Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes, in seinem Vortrag. Acht Jahre nach dem Beginn der Dürre- und Borkenkäferkalamität sei ein großer Teil der 60 000 ha Kahlflächen im Kommunal- und Privatwald wieder aufgeforstet oder durch Naturverjüngung bestockt. Je nach Betriebsgröße und Betroffenheit seien die Investitionen in die Wiederaufforstung und den Waldumbau eine erhebliche finanzielle Belastung.

Vor allem dort, wo Kulturen misslingen oder die Naturverjüngung ausbleibt, wird es teuer. Allein das Mulchen der stark verkrauteten Flächen koste so viel Geld, dass es vor allem im Kleinprivatwald durch Betriebserträge nicht erwirtschaftet werden könne. Förderprogramme helfen zwar, doch sie bleiben kompliziert, bürokratisch und fordern hohe Eigenanteile – bei gleichzeitigem Risiko der Rückforderung bei misslingender Wiederaufforstung.

Eine bezahlbare und qualifizierte forstfachliche Beratung müsse für jeden Waldeigentümer auch in Zukunft verfügbar sein. Ein in Hessen häufig auftretendes Problem sei zu hoher Verbiss durch wiederkäuende Schalenwildarten. Waldbesitzer müssten sich stark engagieren, um gegenüber Jagdpächtern und Jagdgenossenschaften ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen.

Generationenwechsel im Kleinprivatwald gestalten

Diese und viele andere Hürden müssten von Waldeigentümern überwunden werden, um den eigenen Wald wieder zum Wachsen zu bekommen. Vor allem im Kleinprivatwald seien Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe unverzichtbar. Der Wettlauf gegen die Zeit werde nicht nur durch den Klimawandel und die Ungewissheiten, wann die nächste Extremwetterlage neue Schäden am Wald beschere, angetrieben, sondern auch durch den häufig anstehenden Generationenwechsel und die Übergabe der Betriebe. Die junge Generation müsse einen Forstbetrieb übertragen bekommen, der wirtschaftlich tragfähig ist, personell zu bewältigen ist und darüber hinaus noch Freude bereitet, das Familienerbe fortzuführen.

Gefordert seien daher Rahmenbedingungen, die das ermöglichen. Hilfe von außen dürfe nicht nur durch Förderprogramme kommen. Die Politik müsse Freiräume schaffen, um Leistungen der Forstwirtschaft für Umwelt und Gesellschaft marktfähig zu machen und honorieren zu können. Vorschriften müssten auf das Wesentliche reduziert und weitere bürokratietreibende Regelwerke unter allen Umständen verhindert werden. Raupach machte den Waldbauern Mut: Die Arbeit im Wald mit der Familie und Freunden mache auch Spaß und bringe den Vermögenswert des familieneigenen Waldes wieder ins Bewusstsein.

Drohnen im Forst einsetzen für das Monitoring

Dr. Michael Wehnert-Kohlenbrenner, Geschäftsführer der OGF GmbH, zeigte anhand des Leistungsangebotes seines Unternehmens den Fortschritt der Digitalisierung im Forstbetrieb. Inventurdaten als Grundlage der Forsteinrichtung können heute mithilfe von Drohnen und hochauflösenden Scannern erhoben werden. Klassische Parameter wie Baumhöhen, Bestandsgrenzen und Kronendurchmesser können zuverlässiger als aus LIDAR-Daten (digital) errechnet werden.

Die Auflösung der Scanner ermöglicht inzwischen, jeden einzelnen stehenden Stamm abzubilden und Baumschichten zu differenzieren. Der Wald kann mit diesen Messwerten als digitaler Zwilling in der Software nachgebildet werden. Diese Technik führt zu ganz anderen Methoden der Bestandesinventur, der Ermittlung von Vorrat und Zuwachs und einer darauf aufsetzenden forstbetrieblichen Planung. Gegenüber der klassischen terrestrischen Forsteinrichtung auf der Grundlage qualifizierter okularer Schätzungen und Ertragstafelberechnungen oder der permanenten Kontrollstichprobe ist die Messung mit Drohnenbefliegung deutlich schneller.

Auch die Wildzählung mit Drohnen und Wärmebildgerät ist möglich. In kurzer Zeit können so große Revierflächen abgeflogen und Anzahl und Art der entdeckten Tiere ermittelt werden. Für die Diskussion über Wildbestände und Wilddichten liefert diese Technik endlich eine empirisch ermittelte Basis für die Abschussplanung. Wehnert-Kohlenbrenner gab zu bedenken, dass mit der Wärmebildtechnik je nach Belaubungszustand und Nadelholzanteil nicht alle Tiere entdeckt werden. Die Zählergebnisse versteht er daher als Mindestergebnis.

Gekonnt Kommunizieren in Verband und Verein

Sonja Dimter, Trainerin der Andreas Hermes Akademie, nahm die Teilnehmer am Ende der Veranstaltung mit in Gruppenübungen über die Wirkung von Kommunikation. Wer im Ehrenamt Gremien führt und Versammlungen leitet, Interessen gegenüber Behörden, Politikern und Verbänden vertritt, sollte kommunikative Fähigkeiten als Handwerkszeug erlernen und üben. Der Hessische Waldbesitzerverband bietet Fortbildungsseminare für Waldeigentümer in ehrenamtlichen Führungspositionen sowie Vertreter von kommunalen Gremien und Verwaltungen an.

Hessischer Waldbesitzerverband – LW 4/2026
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