Der Anbau von Winterbraugerste rückt in Zeiten, in denen der Bedarf und damit einhergehend der Preis für Futtergerste sinkt, in den Fokus. Der Großteil des Malzbedarfs wird durch Sommerbraugerste, die in Hessen eine große Tradition hat, gedeckt. Durch eine qualitätsorientierte Züchtung von zweizeiliger Wintergerste sind Sorten entstanden, die durch eine längere Vegetationsperiode höhere Erträge versprechen im Vergleich zur Sommerungsform und die Kriterien des Handels erfüllen. Ähnlich wie bei Sommerbraugerste ist eine Vorgabe der Sorte beim Vertragsanbau üblich, sodass Landwirte nicht frei in ihrer Sortenwahl sind. Dennoch dienen die Landessortenversuche als wichtige Diskussionsgrundlage, welche agronomischen Potenziale in den einzelnen Sorten stecken.
Viele Medien berichten seit Jahren über einen kontinuierlichen Rückgang des Bierkonsums, der bereits Anfang der 1990er-Jahre eingesetzt hat. Während der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 1990 noch bei 142,2 Litern lag, betrug er im Jahr 2024 nur noch 81,8 Liter. Offensichtlich hat sich das Konsumverhalten der Verbraucher verändert: Genussorientierte Kaufentscheidungen weichen zunehmend einem stärker gesundheitsbewussten Konsum.
Sinkender Bierkonsum und Überangebot
Da Malz ein zentraler Rohstoff für die Bierproduktion ist, sinkt mit dem rückläufigen Konsum auch die Nachfrage nach Malz. Im europäischen Vergleich waren und sind die deutschen Mälzereien überwiegend klein strukturierte Familienbetriebe mit großer regionaler Bedeutung. In Frankreich hingegen wird der Malzmarkt von drei großen, stark exportorientierten Mälzereien dominiert. Diese unterscheiden sich deutlich von den vergleichsweise kleinen deutschen Betrieben.
Dr. Benjamin Klauk, Fachinformation Pflanzenbau, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen – LW 33/2026