Die Winterbraugerste gewinnt im Klimawandel

Landessortenversuche Winterbraugerste 2025 -2026

Trotz vielfältiger Vorteile ist der Anteil der Winterbraugerste in der Mälzerei- und Brauwirtschaft derzeit noch begrenzt. In den vergangenen acht Jahren lag ihr Anteil am Braugerstenverbrauch in Deutschland laut Mälzerbund in der Regel unter 15 Prozent. Wie sich die Bedeutung der Winterbraugerste zukünftig entwickelt, bleibt abzuwarten. Zunehmende Herausforderungen durch den Klimawandel, Fortschritte in der Züchtung, Begrenzungen der Stickstoffdüngung sowie Veränderungen in der Bierbranche könnten jedoch neue Chancen für ihren weiteren Einsatz eröffnen.

Durch die Aussaat im Herbst kann Winterbraugerste die feuchten Wintermonate nutzen, um ein leistungsfähiges Wurzelsystem auszubilden, und ist so gut an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst.

Foto: Dr. Klauk, LLH

Winterbraugerste überzeugt durch eine Vielzahl agronomischer und technologischer Vorteile. Ein wesentlicher Vorteil liegt in ihrer frühen Entwicklung. Durch die Aussaat im Herbst kann sie die feuchten Monate der Winterperiode nutzen, um ein leistungsfähiges Wurzelsystem und dichte Bestände auszubilden. Dadurch verfügt sie über eine höhere Toleranz gegenüber Trockenphasen und ist besser an die zunehmenden Herausforderungen des Klimawandels angepasst als Sommerbraugerste. Durch ihre frühe Reife trägt Winterbraugerste zur Entzerrung der Erntespitzen bei und schafft dadurch zusätzliche Möglichkeiten in der Fruchtfolgegestaltung, beispielsweise durch den rechtzeitigen Anbau von Winterraps oder Zwischenfrüchten. Darüber hinaus zeichnen sich moderne Winterbraugerstensorten durch eine höhere Winterhärte aus als im Herbst ausgesäte Sommergerstensorten.

Auch im Brauprozess bietet die Winterbraugerste Vorteile: Sie weist niedrigere Verkleisterungstemperaturen auf als Sommergerste. Dadurch kann beim Maisch-Prozess Energie eingespart und gleichzeitig die Aktivität der für den Brauprozess wichtigen Enzyme besser erhalten werden.

Moderne Sorten im agronomischen Vergleich

Im Herbst 2025 wurden drei Landessortenversuche mit fünf Winterbraugerstensorten angelegt. Alle Prüfsorten wurden in zwei Intensitätsstufen geprüft: In der Intensitätsstufe 1 wird auf Fungizide vollständig verzichtet, um die Krankheitsanfälligkeit der Sorten zu prüfen. Diese Stufe gibt eine Einschätzung des Ertragspotenzials unter den vorherrschenden Umweltbedingungen (Krankheiten). Wachstumsregler wurden in der Intensitätsstufe 1 ebenso nicht eingesetzt.

Katja Lauer, Leiterin Fachgruppe Pflanzenbau, Abt. Agrarwirtschaft, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück – LW 33/2026