Quinoa, Chia, Amaranth und Hanf

Regionale Proteinpflanzen neu denken

Regionale Proteinpflanzen gewinnen für Landwirtschaft und Ernährung zunehmend an Bedeutung. Das Projekt Plantein untersucht, wie Kulturen wie Quinoa, Chia, Amaranth oder Hanf erfolgreich angebaut, verarbeitet und vermarktet werden können. Ziel ist es, neue Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen und gleichzeitig die regionale Versorgung mit pflanzlichen Proteinen zu stärken.

Chia gehört zu den Versuchssorten im Projekt Plantein.

Foto: LWK NRW

Regionale Proteinquellen auf dem Teller und neue Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe werden immer wichtiger. Genau hier setzt das Projekt Plantein an. Wie kann ein Betrieb mit dem Anbau von Nischenkulturen Einkommen generieren und damit zur regionalen Versorgung mit Proteinen beitragen?

Diese Frage bearbeitet die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP) gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW), die das Projekt koordiniert, und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe im Rahmen des Plantein-Projekts.

In den Fokus werden sieben Ölsaaten und Pseudogetreide gestellt: Sonnenblume, Öllein, Raps, Hanf, Chia, Quinoa und Amaranth. Die verschiedenen Kulturen werden auf den Flächen des Bildungs- und Versuchszentrums Haus Düsse der LWK NRW angebaut und können dort besichtigt werden. Besonders die exotischen Kulturen sind als blühender Bestand interessant. Außerdem sind zehn Demobetriebe im Projekt aktiv, die die Kulturen auf ihren Flächen erproben. Besonders der Anbau von Quinoa, Chia und Amaranth steht in hiesigen Breitengraden noch in den Kinderschuhen. Hier gilt es, Erfahrungen zu Sorten, Aussaat, Unkrautregulierung und Drusch zu sammeln und zu teilen.

Potenzial für die Nahrungsmittelerzeugung

Neben dem Anbau wird sich intensiv mit der Weiterverarbeitung der Kulturen befasst. Diese kann auch auf dem eigenen Betrieb stattfinden. Im Rahmen des Projekts wird eine mobile „Verarbeitungsstraße“, beginnend mit einer Reinigung über Schälmaschinen und eine Ölpresse bis hin zu einer Mühle getestet. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Öl, sondern auf dem anfallenden Presskuchen, der einen hohen Anteil wertvoller Proteine enthält. Vermahlen zu Proteinmehl hat er das Potenzial, als Nahrungsmittel vermarktet oder in der Lebensmittelbranche weiterverarbeitet zu werden. Die eingesetzten Maschinen sind praxistauglich und kommen sowohl für einzelne Betriebe als auch für Erzeugergemeinschaften infrage.

Ob und wie sich mit dem Anbau und der Verarbeitung langfristig positive Erlöse erzielen lassen und welche Chancen und Hindernisse es bei der Vermarktung von Nischenkulturen und pflanzlichen Proteinen gibt, damit beschäftigt sich die LWK RLP. Ziel ist es, die Landwirtschaft mit der regionalen Lebensmittelbranche zusammenzubringen und die Wertschöpfung nah am Betrieb zu halten. Dabei wird auch die Klimabilanz des Ernteguts betrachtet und mit der Bilanz von Importware verglichen.

Vermarktung in Sack und Tüte ist entscheidend

Die Unterstützung der Infrastruktur rund um die Nischenkulturen ist von besonderer Bedeutung für eine erfolgreiche regionale Wertschöpfungskette. Alle Glieder der Kette müssen zusammengebracht und vernetzt werden, um die regionale Produktion zu fördern. Denn besonders in der Nische gilt: Ist die Vermarktung in Sack und Tüten gesichert, kann der Anbau sorgloser starten. Dabei spielen sowohl der Vertragsanbau als auch die Direktvermarktung eine Rolle, aber auch der Abverkauf über Zwischenhändler kann eine Option darstellen. Es zeigen sich nicht nur in Nordrhein-Westfalen erste Flächen mit diesen besonderen Kulturen, sondern auch in Rheinland-Pfalz sind erste Flächen mit den ausgewählten Pflanzen zu finden.

Plantein auf den DLG-Feldtagen in Bernburg

Das Projekt ist zu Gast auf den DLG-Feldtagen vom 16. bis 18. Juni in Bernburg in Sachsen-Anhalt am Stand VE31. Chia und Co. warten dort in Parzellen auf die Gäste, die Verpressung des Ernteguts mit der Ölpresse wird live demonstriert, und ein Pop-up Talk gibt weitere Einblicke in das Thema.

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Chancenprogramms Höfe, Förderkennzeichen 2824CPH022.

Ansprechpartnerin für das Projekt Plantein bei der LWK RLP ist Sophia Balzar, 0671 793-130, E-Mail sophia.balzar@lwk-rlp.de.

LWK RLP – LW 25/2026