Vierte Ernteschätzung des DRV

„Resilienz im Ernährungs- und Energiebereich stärken“

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) sieht die Erschließung neuer Marktchancen als wichtigen Baustein für die nachhaltige Stärkung des deutschen Ackerbaus an. „Die Nachfrage nach Getreide in Deutschland stagniert, während weltweit der Bedarf steigt“, erklärt DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler und verweist auf das globale Bevölkerungswachstum.

Der DRV begrüßt die Bemühungen um neue Absatzmärkte.

Foto: landpixel

„Deutschland ist ein Gunststand­ort für den Getreide- und Rapsanbau mit stabilen Erträgen in Mengen und Qualität.“ Diese Stärke sei mit einer Ver­antwortung verbunden und müsse erhalten bleiben, erklärt Seedler. Mit Sorge sehe er daher, dass die heimischen Betriebe zunehmend unter Druck geraten: „Die Produktions­kosten steigen kontinuierlich, während anderer­seites die Erzeugerpreise nicht Schritt halten. Unsere Landwirtin- nen und Landwirte stehen nicht zuletzt wegen der aktuell hohen Düngerkosten wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand.“

Ohne neue Absatzmöglichkeiten und eine verlässliche Energiepolitik drohe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Getreidewirtschaft zu erodieren. „Das darf nicht passieren, denn eine leistungsfähige Getreidewirtschaft ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevant“, warnt der Experte.

Neue Exportmärkte, Indonesien als positives Signal

Ausdrücklich begrüßt der Raiffeisenverband die Anstrengungen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), den Zugang zu internationalen Märkten auszubauen. „Die Öffnung des indonesischen Markts für deutschen Weizen ist nach vielen Jahren der Verhandlungen ein wichtiger Er folg. Das Land zählt mit einem Importbedarf von rund elf Mio. t Weizen zu den größten Nachfragern auf dem Weltmarkt“, so Seedler.

Und er lenkt den Blick auf das nächste große Ziel: Die Öffnung des chinesischen Markts für deutsche Gerste und deutschen Weizen. Der DRV erhofft sich neue Impulse für die Verhandlungen durch die China-Reise von Bundesminister Alois Rainer in der kommenden Woche.

Energiepolitik neu ausrichten und Potenziale nutzen

Außerdem fordert der DRV eine klare Perspektive für die energetische Nutzung agrarischer Rohstoffe. Die jüngste Anhebung der Treibhausgasminderungsquote für Biokraftstoffe sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Doch das reicht nicht aus. Wir brauchen eine langfristige Strategie, die heimische Rohstoffe einbindet und Investitionssicherheit schafft“, erklärt der DRV-Getreidemarktexperte.

Besonders wichtig ist dem DRV die Zukunft der Biogasanlagen, von denen viele vor dem Auslaufen ihrer Förderung stehen. Seedler: „Die Zukunft liegt im Biomethan. Es kann flexibel eingesetzt werden, stärkt die regionale Energieversorgung und schafft zusätzliche Wertschöpfung in ländlichen Räumen.“

Daher müsse die Politik jetzt die Weichen stellen. „Die heimische Getreideproduktion zu stärken heißt, die Resilienz Deutschlands im Ernährungs- aber auch im Energiebereich zu stärken. Das muss ein strategisches Ziel der Bundesregierung sein“, betont Seedler und stellt heraus: „Nur mit klaren Perspektiven bleibt die deutsche Getreidewirtschaft ein starker Pfeiler unserer Versorgungssicherheit.“

Ernte leicht überdurchschnittlich

Der DRV hält seine leicht überdurchschnittliche Ernteprognose von 44,1 Mio. t Getreide und 4,2 Mio. t Raps trotz der teils großen Hitze in den vergangenen Wochen aufrecht. Grund dafür ist, dass es nahezu flächendeckend ausreichend regnete. Die Wintergerste beginnt in vielen Regionen mit der Abreife. In den Frühdruschgebieten werden die Mährescher in einigen Tagen mit der Ernte beginnen.

drv – LW 25/2026