Der beste Ackerbauer kommt aus der Pfalz
Jochen Buß in Berlin beim CeresAward ausgezeichnet
Beim CeresAward 2021 ist Jochen Buß aus Odenbach in der Westpfalz als „bester Ackerbauer Deutschlands“ ausgezeichnet worden. Das Fachmagazin agrarheute (Deutscher Landwirtschaftsverlag) verlieh ihm vergangene Woche die Auszeichnung im Rahmen der festlichen Gala „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin.

Foto: agrarheute
Für den Landwirt aus Rheinland-Pfalz ist „das, was ich im Ackerbau umsetze, selbstverständlich. Ich liebe meinen Beruf, egal wie sich die Rahmenbedingungen verändern“, betont Buß, der gemeinsam mit seinem Vater Volker Buß rund 290 ha Acker- und Grünland bewirtschaftet und Geschäftsführer des Maschinenrings Westpfalz ist.
Vielfältige Fruchtfolge auf dem Acker
Seit dem Ausstieg aus der Milchviehhaltung vor fünf Jahren werden nur noch 50 Mastbullen gehalten. Der Aufwuchs auf dem Grünland wird als Futter für die Bullen genutzt. Auf dem Acker setzt Buß auf eine vielfältige Fruchtfolge. Neben den klassischen Ackerkulturen Raps, Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste werden auch Kleegras, Luzerne und Erbsen angebaut.
Der Betrieb nimmt am EULLa-Programm „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“ teil. Das Programm schreibt vor, dass in der Fruchtfolge Leguminosen zu mindestens zehn Prozent enthalten sein müssen. Neben Erbsen baut Buß auch Ackerbohnen an, allerdings als Gemenge im Silomais. Die Erbsen werden zum Teil als Eiweißfutter an die Bullen verfüttert. Der Rest wird an den Landhandel vermarktet.
Vielfältige Erfahrungen mit Erbsen und Bohnen als Ackerkultur hat der Landwirt nicht nur auf dem eigenen Betrieb gesammelt, sondern auch als Projektberater im Demonstrationsnetzwerk Erbse und Bohne. „Bei den Erbsen ist der Erntezeitpunkt entscheidend. Wenn sie reif sind, müssen sie sofort gedroschen werden“, berichtet Buß.
Seit diesem Jahr Zuckerrüben auf den besseren Standorten
In diesem Jahr hat Jochen Buß die Fruchtfolge um Zuckerrüben erweitert, eine Kultur, die im Nordpfälzer Bergland mit stark wechselnden Böden und Berg- und Tallagen nicht verbreitet ist. „Wir haben für die Talauen mit den besseren Böden eine Alternative zu Raps gesucht, der dort oft nicht zufriedenstellend wächst“, erklärt der Landwirt, der in Bingen Agrarwissenschaften studiert hat. Den Maisanbau möchte er reduzieren.
Auf einem seiner Lehrbetriebe in Rheinhessen konnte er den Zuckerrübenanbau kennenlernen. In diesem Jahr wuchsen auf 6 ha Zuckerrüben, im nächsten Jahr sollen es 8 ha sein. Die erforderlichen Lieferrechte hat er gepachtet, die Abfuhr zur Zuckerfabrik in Offstein hat eine Transportgruppe übernommen. Für diese war Buß auch ein Jahr als Fahrer tätig. Ein- und mehrjährige Blühflächen ergänzen die Fruchtfolge, denn auch die Nachhaltigkeit ist dem Landwirt wichtig.
Die 10 Kategoriensieger des CeresAwards im Überblick
Ackerbau: Jochen Buß aus Rheinland-Pfalz
Energielandwirt: Thomas Karle, B.-Württemberg
Biolandwirt: Bernhard Hänni,Noflen, Schweiz
Junglandwirt: Johannes Müller, Niedersachsen
Rinderhalter: Paul Costello, Brandenburg
Schweinehalter: Tim Friedrichs, Niedersachsen
Geflügelhalter: Frank Vogler, Bayern
Manager: Christoph Leiders, Nordrh.-Westfalen
Unternehmerin: Maren Jänsch, Niedersachsen
Geschäftsidee: Markus Zott, Bayern
Teilnahme am CeresAward zunächst ohne sein Wissen
Die Teilnahme am CeresAward hat Jochen Buß seiner Partnerin zu verdanken, die im Sommer die Bewerbung eingereicht hat, zunächst ohne sein Wissen. Als die Nachricht kam, dass er in die engere Auswahl gekommen ist, war die Freude groß. Zwei Redakteurinnen des Magazins sowie je ein Vertreter vom Verband der Landwirtschaftskammern und eines Sponsors haben sich bei einem Betriebsbesuch von dem Bewirtschaftungskonzept überzeugt. Es folgten Film- und Bildaufnahmen.
Dass er in der Kategorie Ackerbau gewonnen hat, hat Buß erst am vergangenen Dienstag bei der Gala „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin erfahren. Mit Jochen Buß ins Finale in der Kategorie Ackerbauer geschafft haben es auch Thomas Domin aus Brandenburg und Heiko Schmidt aus Hessen.
Der CeresAward, der in diesem Jahr zum 8. Mal stattfindet, ist mit 10 000 Euro dotiert. Rund 200 Landwirte aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland haben sich in diesem Jahr dafür in zehn verschiedenen Kategorien beworben. Entscheidend für die Teilnahme waren nicht Höchstleistungen auf dem Feld oder im Stall, sondern beste wirtschaftliche Ergebnisse bei gleichzeitiger Berücksichtigung bäuerlicher Unternehmertugenden wie Mut, Ideenreichtum und Verantwortungsbewusstsein für Mensch, Tier und Natur.
30 von ihnen, drei je Kategorie, hatte die Jury anhand eines umfangreichen Bewertungssystems anschließend in die Shortlist gewählt und auf ihren Höfen beurteilt. Zusammengesetzt sind die Jurorenteams aus je einem agrarheute-Fachredakteur, einem Repräsentanten eines Fachverbandes sowie einem Vertreter des jeweiligen Kategoriensponsors. Gesamtsieger und damit „Landwirt des Jahres“ wurde Christoph Leiders aus Nordrhein-Westfalen.
ibs – LW 46/2021