Eine Durchforstungshilfe für den Privatwald

Die Df-04 – Mehr Sicherheit bei der Durchforstung

Für die Wertentwicklung wie auch die Stabilität von Waldbeständen sind rechtzeitig und zielorientiert geführte Durchforstungen ganz entscheidend. Versäumnisse, die hier begangen werden, lassen sich kaum noch aufholen und schlagen später als Wertverluste und erhöhte Risiken zu Buche. Über Art, Stärke und Zeitpunkt einer Durchforstung besteht allerdings häufig immer noch Unsicherheit. Dr. Joachim Klädtke und Prof. em. Dr. Peter Abetz von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg erleichtern die Entscheidungen.

  • Z-Baum-bezogene Auslesedurchforstung – ein Schlüssel für Wertleistung und Betriebssicherheit

Sowohl umfangreiche langjährig beobachtete waldwachstumskundliche Versuche als auch einschlägige Praxis­erfahrungen zeigen, dass eine Z-­Baum-orientierte Auslesedurchforstung gegenüber anderen Durchforstungsverfahren wesentliche Vorteile bietet: Freistellungsmaßnahmen oder Ästung werden auf die ausgewählten Z-Bäume beschränkt, der Zuwachs wird auf diese Wertträger konzentriert. Die Z-Baum-Auswahl geht mit einer klaren waldbaulichen Zieldefinition einher, wobei alle durch den Standort, die Baumart oder die betriebliche Situation gegebenen Rahmenbedingungen mit einfließen. Klar ist, dass es sich hierbei um eine anspruchsvolle Aufgabe handelt, die Sorgfalt und eines gewissen Aufwandes bedarf. Dieser Aufwand fällt jedoch einmalig zu Durchforstungsbeginn an, die Folgeeingriffe werden dafür wesentlich erleichtert. Nicht zuletzt ist eine feste Auswahl und Markierung von Z-Bäumen eine wichtige Voraussetzung für eine pflegliche Holzernte.

Für eine leichte und zielgerichtete Planung der Durchforstungen vor allem auch im Privatwald wurde im Jahr 2004 die Df-04 (Durchforstungshilfe `04) als einfach zu handhabende Entscheidungshilfe für unsere Hauptbaumarten vorgestellt, die in Rein- und Mischbeständen anwendbar ist. Die Df-04 wurde von vielen interessierten Forstleuten angefordert, die in erfreulichem Umfang ihre Erfahrungen und Kritikpunkte zurückmeldeten. Derzeit erfolgt eine gründliche Überarbeitung der Df-04, über die in diesem Beitrag berichtet wird.

Zur Anwendung der Durchforstungshilfe

Die Durchforstungshilfe (Df-04) soll den Waldbesitzer und waldbaulichen Praktiker bei folgenden Fragen unterstützen:

  • Ist eine Z-Baum-orientierte Auslesedurchforstung unter den gegebenen Bestandesverhältnissen sinnvoll?
  • Wenn ja, in welcher Anzahl und in welchem Abstand sind die Z-Bäume auszuwählen?
  • Wie stark müssen die Z-Bäume freigestellt werden?

Der Einstieg in die Durchforstungshilfe erfolgt über ein Entscheidungsdiagramm (s. Abb. 1). Anhand weniger Informationen lässt sich ermitteln, ob die Anwendung der Durchforstungshilfe sinnvoll ist und welche Alternativen in Frage kommen.

Die entscheidende Phase zur Steuerung des Baumwachstums und damit für die Z-Baum-Auswahl beginnt, sobald die Z-Bäume hinsichtlich Vitalität und Qualität zuverlässig angesprochen werden können; dies ist bei Nadelbäumen in der Regel früher der Fall als bei Laubbäumen. Sie endet bei Baumhöhen, ab denen stärkere Eingriffe in den Kronenraum eine Labilisierung der Bestände bedeuten würden. Innerhalb dieser Phase, die einen Oberhöhenrahmen von etwa 12 bis 25 m umfasst, richtet sich die Entscheidung, die Df-04 einzusetzen, nach der Marktsituation: Ist der Holzabsatz unproblematisch, ist eine Durchforstungsplanung mittels der Df-04 zu empfehlen. Sind die Vermarktungschancen dagegen schlecht, hängt das weitere Vorgehen von der Vitalität der Z-Bäume und den Stabilitätsrisiken ab. Dies lässt sich einfach anhand des Verhältnisses von Höhe zu Durchmesser der Z-Bäume (h/d-Wert) überprüfen. Bei niedrigen h/d-Werten (<70) kann die Vitalität als ausreichend angesehen werden, eine Freistellung der Z-Bäume ist aus Stabilitätsgründen nicht zwingend erforderlich. Liegen die h/d-Werte höher, sollte trotz gegebenenfalls schlechter Absatzmöglichkeiten zumindest der stärkste Konkurrent eines Z-Baums entnommen werden, um einen weiteren Vitalitäts- und Stabilitätsverlust zu vermeiden.

Bei Oberhöhen über 25 m ist eine Z-Baum-Auswahl nicht mehr sinnvoll. Hier richtet sich die weitere Behandlung nach der Sturmwurfgefahr. Bei geringem Sturmrisiko kann über eine freie Hochdurchforstung das Kronendach vorsichtig geöffnet und das Durchmesserwachstum der Bäume dadurch noch etwas stimuliert werden. Bei hoher Sturmwurfgefahr sollte man sich bei der Nutzung dagegen höchstens auf niederdurchforstungsartige Eingriffe und eine frühe Endnutzung beschränken.

Die Df-04 bezieht sich auf Z-Baum-Kollektive. Für die Anwendung sind repräsentative Höhen- und Durchmessererhebungen an Z-Bäumen erforderlich. Die Durchforstungswiederkehr richtet sich nicht nach dem Alter sondern nach dem Höhenzuwachs der Bestände. Die Verwendung der Oberhöhe und des Höhenwachstums als Steuergröße ist eine Besonderheit der Df-04, die eine Reihe von Vorteilen bietet:

  • Die Durchforstungswiederkehr hängt von der Wüchsigkeit der Bestände ab; bei guter Bonität und in jüngeren Beständen folgen die Durchforstungen rascher aufeinander als bei schlechter Bonität und in älteren Beständen.
  • Eine Altersbestimmung entfällt, sodass die Durchforstungshilfe prinzipiell auch in ungleichaltrigen Beständen eingesetzt werden kann.

Zieldurchmesser, Z-Baum-Anzahl und Auswahl

Vor der Z-Baum-Auswahl müssen zunächst der angestrebte Zieldurchmesser und die maximal mögliche Anzahl der Z-Bäume bestimmt werden. Bei der praktischen Z-Baum-Auswahl geht man zweckmäßigerweise abstandsbezogen vor. Die Tabelle enthält für verschiedene Zieldurchmesser die Z-Baum-Anzahl je Hektar sowie den durchschnittlichen Abstand. Geringfügig kleinere Abstände können durch entsprechend größere Abstände in anderer Richtung ausgeglichen werden.

In Mischbeständen, besonders bei unterschiedlicher Wuchsdynamik, sollten die Z-Bäume einer Baumart mindestens gruppen- bis horstweise ausgewählt und in deren Randbereich der jeweils größere Abstand vorgesehen werden.

Weichen Abstand und Z-Baum-Anzahl erheblich von den in der Tabelle genannten Werten ab, sollte die Z-Baum-Auswahl überprüft werden. Bei zu geringen Baumabständen besteht die Gefahr, dass die Z-Bäume bald untereinander in Konkurrenz geraten, bei zu großen Abständen kann das standörtliche Produktionspotenzial nicht voll ausgenutzt werden.

Die Auswahl der Z-Bäume erfolgt nach den Kriterien Vitalität, Qualität und Verteilung. Im Laubholz steht dabei die Qualität gleichberechtigt neben der Vitalität, sodass aus dem Bereich der Herrschenden auch etwas schwächere, aber qualitativ gute Bäume als Z-Bäume ausgewählt werden können. Dies bedingt jedoch, dass diese Bäume so früh wie möglich freigestellt und alle starken Bedränger konsequent entnommen werden.

Es wird nachdrücklich empfohlen, die Z-Bäume dauerhaft (mit Bändeln oder dezenten Farbpunkten) zu markieren. Dies erleichtert nicht nur die Überprüfung der Z-Baum-Auswahl, sondern auch das Anweisen der Durchforstungsbäume und die Vermeidung von Rückeschäden ganz entscheidend. Spätestens nach der zweiten Durchforstung sind die Z-Bäume in der Regel so eindeutig herausgearbeitet, dass eine Erneuerung der Markierung nicht mehr notwendig ist.

Z-Baum-Normen und Durchforstungsansätze

Den Kern der Df-04 bilden die Z-Baum-Normen, die baumartenspezifisch die Durchmesserentwicklung von Z-Bäumen unter Berücksichtigung bestimmter Zielvorgaben bezüglich Vitalität (auch Stabilität) und Holzqualität beschreiben. Mit diesen Durchmesser-Sollvorgaben werden die an den Z-Bäumen erhobenen Messwerte verglichen. Die Normen sind oberhöhenbezogen und deshalb innerhalb des angegebenen Höhenrahmens ohne Kenntnis von Alter und Bonität anwendbar. Gegenüber der ersten Auflage der Df-04 gibt es für jede Baumart nur noch eine Norm, die in Abb. 2 als grüne Linie dargestellt ist. Daneben enthalten die Grafiken neben dem h/d-Fächer weitere Linien, die um jeweils 10 Prozent von der Z-Baum-Norm abweichen. Liegt der Durchmesser der Z-Bäume im Bereich der roten Linien, weist dies auf einen erhöhten Durchforstungsbedarf hin.

In den Grafiken sind außerdem Durchforstungsansätze angegeben, und zwar sowohl das Durchforstungsvolumen je Hektar als auch die Anzahl zu entnehmender Bedränger je Z-Baum; beides, bezogen auf ein Höhenzuwachs­intervall von 3 m.

Soll das Wachstum rascher als nach der grünen Normkurve verlaufen – zum Beispiel bei standortbedingter Sturmwurfgefahr, ist der höhere Durchforstungsansatz der tiefer liegenden Kurve zu wählen. Die Durchforstungsphase kann dann früher beendet werden.

Zu beachten ist, dass sich das Durchforstungsvolumen je ha auf eine Z-Baum-Vollbestockung im Reinbestand bezieht. Setzt sich das Z-Baum-Kollektiv aus mehreren Baumarten zusammen, so sind die baumartenspezifischen­ Nutzungsansätze je ha mit dem Verhältnis der tatsächlichen Z-Baum-Anzahl zu den in Tab. 1 genannten Werten zu reduzieren.

Bei der Anzahl zu entnehmender Bedränger je Z-Baum muss außerdem berücksichtigt werden, dass diese mit zunehmender Oberhöhe geringer wird. Deshalb müssen bei niedrigen Oberhöhen (12 bis 15 m) die mit +/- bezeichneten Abweichungswerte addiert und bei größeren Oberhöhen (23 bis 25 m) subtrahiert werden. Die Neuauflage der Df-04 wird anfangs 2010 verfügbar sein und soll als Heftchen im Taschenformat herausgegeben werden. Vorerst kann noch die Vorgängerversion der DF 04 im Internet unter www.waldwissen.net heruntergeladen werden. Klädtke

Kontakt

Dr. Joachim Klädtke
FVA Baden-Württemberg
Abt. Waldwachstum
E-Mail: joachim.klaedtke@forst.bwl.de