Wie gehts weiter im Pflanzenbau?
Acker- und Pflanzenbautag in Liederbach
Der Verein für landwirtschaftliche Fortbildung (VLF) Frankfurt-Höchst hatte in der letzten Februarwoche zu einer nach Pflanzenschutzgesetz anerkannten Fort- und Weiterbildungs-Veranstaltung nach Liederbach am Taunus geladen. Neben dem Pflanzenschutz waren der Klimawandel, Fruchtfolgen und Resistenzzüch- tung Themen der Fachtagung.
VLF-Vorsitzender und Kreislandwirt Jürgen Pauly aus Hofheim sagte in seiner Begrüßung „2025 war ein bewegtes Jahr. Vor allem für Tierhalter war es nicht leicht, und Seuchen wie die Afrikanische Schweinepest und die Vogelgrippe haben die Tierhaltung in der Region weiter sinken lassen.“ Auch in Sachen Bürokratieabbau sei es eher schwieriger als besser geworden, denn 2026 und 2027 würden weitere Pflichten auf die Betriebe zukommen wie beispielsweise die elektronische Dokumentationspflicht. Den politisch Verantwortlichen vor Ort dankte er allerdings ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Berufsstand und den zuständigen Behörden.Wirtschaftlichkeit steht in Frage
Leider stehe aktuell die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion insgesamt in Frage, denn einerseits verharrten die Preise für zum Beispiel Energie und Dünger auf hohem Niveau, anderseits sei der Preis für Getreide und Zucker regelrecht eingebrochen, was auch im bisher lukrativen Rübenanbau zu einer Flächenreduzierung durch die Südzucker von 30 Prozent geführt habe. „Hinzu kommen die weiterhin hohen Flächenverluste zugunsten von Bau- und Gewerbegebieten sowie weiterer Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau oder Leitungstrassen“, so Pauly.
Nach Grußworten von Landrat Michael Cyriax und Bürgermeisterin Eva Söllner übernahm André Hensel, stellvertretender Fachbereichsleiter Ländlicher Raum und Landwirtschaft beim Hochtaunuskreis, die Moderation. Zu den Themen Aktuelles beim integrierten Pflanzenschutz in Raps und Getreide, Klimaänderung, Produktionsbedingungen, Intensität und Wirtschaftlichkeit sprach Pflanzenbauberater Robert Bohla von der N.U. Agrar GmbH.
Klimawandel verändert den Ackerbau
Der Referent machte deutlich, dass der spürbare und immer schneller verlaufende Klimawandel durch höhere Temperaturen und längere Vegetationszeiten grundsätzlichen Einfluss auf die Pflanzenproduktion nimmt. „Vor allem die heißesten Tage, die sowohl häufiger als auch heißer werden als früher, machen den Pflanzen zu schaffen“, stellte er fest.
Zum aktuellen Frühjahr bemerkte Bohla, dass die Wasserversorgung großräumig gut sei, was aber auch keine steigenden Erzeugerpreise erwarten lasse. „Die dadurch zu erwartende Auswaschung von Stickstoff, Kalium und Schwefel muss bei der Frühjahrsdüngung beachtet und entsprechend ausgeglichen werden.“ Außerdem forderte er den Gesetzgeber auf, die N-Düngung auch später im Herbst zuzulassen, weil mittlerweile ein erhöhter Bedarf der Bestände über Winter besteht.
Zum Rapsanbau ging der Berater auf die immer schwierigere Schädlingsbekämpfung ein. Hier müsse zuvorderst der Erdfloh in Schach gehalten werden. „Wenn bereits Resistenz besteht und der Erdflohdruck entsprechend hoch ist, wird man mit zwei Maßnahmen kaum noch auskommen“, betonte er. Seine Empfehlung: Minecto Gold mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole einsetzen und mit Pyrethroiden kombinieren.
Auch die Rüsslerbekämpfung werde durch den Klimawandel erschwert, da die Käfer mittlerweile je nach Witterung schon im Dezember oder Januar zufliegen. „Es wird dadurch schwieriger, alle Käfer zu erfassen. Oft liegt eine Minderwirkung von Insektiziden nicht an Resistenzen, sondern am verzettelten Zuflug. Bei Kälte verstecken sich die Käfer außerdem und werden kaum getroffen.“ Er riet dazu, bei der Bestandeskontrolle nicht nur nach den Gelbschalen zu sehen, sondern auch an den Pflanzen nach den Tieren zu suchen.
„Wenn der Raps im Frühling beginnt, nach Kohl zu riechen, haben die Käfer weniger Interesse an Gelbschalen“, so seine Erfahrung. Er empfahl, unbedingt darauf zu achten, bei der Behandlung die Mittel tief in den Bestand hineinzubringen, um dort sitzende Käfer zu erreichen.
„Auch die Infektionsbedingungen für Getreidekrankheiten verändern sich durch den klimatischen Wandel, der weniger Frosttage und damit eine kürzere Vegetationsruhe bringt, deutlich“, so Bohla. Vor allem das Auftreten von Schneeschimmel und Rosten werden dadurch begünstigt.
Um dem Wegfall des wichtigen Gräserherbizids Flufenacet zu begegnen, sprach sich der Berater dafür aus, die Gräser auf den eigenen Flächen auf Resistenzen hin untersuchen zu lassen. „Wenn ich weiß, welche Mittel bei mir noch funktionieren, kann ich gezieltere Einsätze fahren und das Resistenzauftreten zumindest verzögern.“ Für 2027 bestehe eine deutliche Lücke, aber ab 2028 sei mit einer Wirkstoffzulassung zu rechnen, welche diese schließen könne.
Am Beispiel des immer problematischer auftretenden Weidelgrases machte Bohla deutlich, wie integrierte Maßnahmen den Druck entscheidend senken können: Durch den Anbau von Sommerungen, das Anlegen eines Scheinsaatbettes und einen Pflugeinsatz alle fünf Jahre kann der Weidelgrasbesatz um über 90 Prozent gesenkt werden.
Rübenanbau in Gefahr?
Über Erfahrungen zum Umgang mit der Schilf-Glasflügelzikade in Hessen berichtete Dr. Dominik Dicke, Stellvertretender Amtsleiter beim Hessischen Pflanzenschutzdienst. Er machte zunächst deutlich, welche Schäden die von der Zikade übertragenen Krankheiten anrichten könne: Bei Zuckerrüben kann der Zuckerertrag bis auf ein Niveau sinken, das die Wirtschaftlichkeit des Anbaus in Frage stellt. Bei Kartoffeln sind befallene Partien gar nicht mehr vermarktbar.
Der Pflanzenschützer erläuterte, wie die Bekämpfung der Zikaden in den verschiedenen Befallsgebieten (Hot-Spot-Region, Übergangs-Region, Grenz-Region) durchgeführt wird. „Für Hot-Spot- und Übergangs-Regionen bestehen Notfallzulassungen, wobei in der ersten drei und in letzterer zwei Insektizidmaßnahmen gefahren werden. Auswertungen hätten gezeigt, dass der Zuflug allerdings kaum beeinflusst wurde.
„Da bei Insektizideinsätzen auch alle anderen Insekten geschädigt werden, suchen wir derzeit nach Möglichkeiten, die Nymphen der Zikaden im Boden zu bekämpfen“, fuhr Dr. Dicke fort. Dabei wurden in Versuchen auch Mittel eingesetzt, die bisher keine Zulassung gegen die Nymphen besitzen. Dabei kam heraus, dass die Wirkstoffe Chlothianidin (Präparat AnoEx) und Flupyridafurone (Präparat Lizetan plus) in Topf-Versuchen eine gute Wirkung gezeigt haben. In diese Richtung gilt es weiter zu arbeiten“, so der Referent.
Buchweizen: Trend-Food und Insektenweide
„Buchweizen ist nicht nur ein trendiges Lebensmittel, sondern auch aus ökologischer Sicht interessant“, erklärte Dr. Volker Hahn von der Uni Hohenheim. Dort läuft ein Forschungsprojekt, das den Anbau von Buchweizen fördern und damit die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhöhen will. „Buchweizen ist übrigens kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs und bildet kleine dreikantige Früchte aus, die an Bucheckern erinnern und ihm zu seinem Namen verholfen haben“, schickte Dr. Hahn seinen Ausführungen voraus.
„Der Buchweizen ist eine ideale Insektenweide, da er zu einem Zeitpunkt blüht, wenn die meisten anderen Pflanzen in der Feldflur schon verblüht sind“, so der Referent. Neben den Vorteilen hinsichtlich der Biodiversität gilt Buchweizen in der Fruchtfolge als Gesundungsfrucht (Sommerung, Blattfrucht, Nematoden-Feindpflanze, sehr gute Bodengare) und wegen der kurzen Vegetationszeit als flexible Zwischenfrucht. „Als Nahrungsmittel ist der Buchweizen durch seine Glutenfreiheit, den hohen Gehalt an Antioxidantien, Lysin-Reichtum, Gehalte an essenziellen Mineralien und Ballaststoffen sowie durch langsam freigesetzte Kohlenhydrate sehr wertvoll“, beschrieb der Experte die Vorteile.
Allerdings sei die Kultur noch weit davon entfern, wirtschaftlich angebaut werden zu können, vor allem weil sie züchterisch bisher kaum bearbeitet wurde. Probleme sind, dass der Buchweizen äußerst heterogen abreift – man findet neben reifen Körnern auch grüne Nüsschen oder sogar noch Blüten. Zusätzliche Herausforderungen sind der notwendige schonende Drusch, und dass die Körner sofort getrocknet werden müssen. Als Flaschenhals gilt außerdem die Verarbeitung und Schälung. An diesen Problemen versuchen wir in Hohenheim züchterisch zu arbeiten. Dabei sehen wir unsere Aktivitäten nicht als Konkurrenz zu den Züchterhäusern, sondern wir wollen die Vorarbeit für mögliche kommerzielle Sorten leisten, so Dr. Hahn.
Zum Anbau führte er aus: „Buchweizen kann noch im Juni gesät werden, wenn die ersten Kulturen bereits geerntet sind. Durch die kurze Vegetationsdauer kann er schon im September geerntet werden; danach steht die Fläche für Winterungen zur Verfügung, und so kann ein Feld zweimal beerntet werden.“
Resistenzzüchtung Dottenfelderhof
Maike Bender und Dr. Carl Vollenweider vom Team Forschung und Züchtung am Dottenfelderhof, Bad Vilbel, erläuterten, wie Resistenzzüchtung unter den Vorgaben des ökologischen Landbaus funktioniert. „Vor allem Krankheiten wie Stein- und Flugbrand stellen im Öko-Anbau ein Problem dar, weil hier die Behandlungsmöglichkeiten mit chemischen Pflanzenschutzmitteln entfallen. Daher müssen Öko-Sorten hier ein besonders hohes Resistenz-Niveau aufweisen“, sagte Bender.
Dr. Vollenweider erläuterte, dass bei der Züchtung solcher Sorten die F1- bis F5-Generationen durch Beimpfung unter komplett Krankheitsdruck selektiert werden. Er riet aber dazu, bei Nachbau die Sorten immer auf Resistenz testen zu lassen, da sich die Erreger ständig weiterentwickeln und sich an resistente Pflanzen anpassen, um auch diese befallen zu können.
Dokumentation per App
Katharina Hahn vom Maschinenring (MR) Wetterau erklärte die neue Anforderungen bei der Pflanzenschutzdokumentation. Der Maschinenring hat hierzu ein praxisnahes Werkzeug erstellt, wie die Referentin ausführte: „Das MR-Agrarbüro ist eine Plattform der Maschinenringe Wetterau, Kassel und Waldeck-Frankenberg und ermöglicht als Schlagkartei die Dokumentation im Büro oder direkt unterwegs per App durchzuführen.“
Funktionen sind unter anderem: Pflanzenschutzdokumentation nach Cross-Compliance, Schläge werden aus dem Agrarantrag übernommen und die belasteten Gebiete automatisch eingespielt, Nährstoffbedarfsermittlung und Düngeplanung sowie Übermittlung und Verarbeitung von Aufträgen zwischen Landwirten und LU/ MR
Hightech beim Herbizideinsatz
Über Erfahrungen aus dem Spot Spraying berichtete Yannick Nagel, ebenfalls vom Maschinenring. Bisher erfolgt die Applikation von Pflanzenschutzmitteln oft flächendeckend und dadurch zwangsläufig auch auf unbefallenen Teilstücken. Moderne Spritzen können heute bei der Überfahrt erkennen, wo Schadpflanzen stehen, und entsprechend einzelne Düsen schalten, um nur diese zu benetzen. Der Nachteil hierbei ist, dass ich beim Anrühren der Spritzbrühe nicht weiß, wie viel ich eigentlich benötige.
„Beim Einsatz von Drohnen und einer KI-Erkennung kann auch dieses Problem gelöst werden – allerdings in zwei Arbeitsschritten. Auswertun- gen haben gezeigt, dass hierdurch 85 bis knapp 90 Prozent des Mittelmenge eingespart werden können“, so Nagel.
Aktuelle Situation auf den Äckern
Ann-Kathrin Scherer, LLH Friedberg, ging auf die aktuelle Situation der Ackerflächen im Frühjahr 2026 ein. „Auch wenn der Winter endlich mal wieder seinen Namen verdient hat, zeigt die Wetterstation Bad Nauheim, dass nur die Januartemperaturen unter dem langjährigen Mittel lagen – Oktober, November und Dezember lagen darüber.“
Hinsichtlich des Wegfalls von Flufenacet müsse künftig auf andere Mittel ausgewichen werden, was häufiger zu Kulturschäden führen dürfte. Als Reaktion darauf empfahl die Pflanzenbauexpertin, tiefer zu säen.
„Der Raps dürfte sich nach dem Schnee schnell wieder erholen. Hier sollte eine Düngung von 130 bis 140 kg N in einer Gabe fallen plus 30 bis 40 kg Schwefel“, lautete Scherers Empfehlung. Und sie riet dazu, bei den aktuellen Preisen eher auf Ertrag als auf Qualität zu düngen, bei Winterweizen die Qualität aber nicht ganz außer Acht zu lassen.
KB – LW 10/2026
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