Die Marktleistung muss stimmen

LSV Winterraps und Sortenempfelung zur Aussaat 2026

Zur Ernte 2026 wird die bundesweite Anbaufläche von Winterraps auf rund 1 200 000 ha geschätzt und um etwa ein Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Nach Erhebungen vom Mai 2026 beläuft sich die Anbaufläche zur Ernte 2026 in Rheinland-Pfalz auf zirka 42 400 ha. Markus Schoch und Marko Goetz vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück stellen die aktuelle Sortenempfehlung zur Herbstaussaat 2026 vor.

Welche Sorten versprechen für die Ernte 2027 den meisten Erfolg?

Foto: Becker

Die ergiebigen Niederschläge im Umfeld der letztjährigen Getreideernte erlaubten eine rechtzeitige Winterraps-Bestellung bei sehr trockenen und staubigen Bodenverhältnissen. Die Witterungsbedingungen sorgten überwiegend für einen guten Feldaufgang. Im September folgten überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen.

Hinzu kamen die niedrigen Bodentemperaturen, die vielerorts drei Grad unter denen des Vorjahres 2024 lagen. Dies führte zu einer verzögerten Jungendentwicklung, wobei etliche Bestände mit dem anhaltenden Auftreten des Erdflohs zu kämpfen hatten.

Entwicklung der Rapsbestände

Angesichts des milden Witterungsverlaufs im meteorologischen Winter 2025/26 setzte das Systemwachstum in den frühen bis mittleren Anbaulagen bereits kurz vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn ein und konnte von den eher bescheidenen Niederschlägen im Januar und Februar profitieren. Die Streckungs- und Verzweigungsphase der Bestände wurde bis zur beginnenden Vollblüte durch ein anhaltendes Niederschlagsdefizit und ausgeprägten Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen begleitet. Ausschlaggebend für das ertrags-physiologische Kompensationsvermögen bis zur Fruchtbildung waren nach den erstmals wieder nennenswerten Niederschlägen in der Mai- und Junidekade letztlich das insgesamt verfügbare Wasserangebot, dass sich im Wuchshabitus und dem Schotenpaket kleinräumig unterschiedlich abbildete.

Überregionales Prüfsortiment mit stabilem Ertragsniveau

In dem zweistufig angelegten Landessortenversuch mit einem Prüfsortiment von insgesamt 25 Hybridsorten wurden die Kornerträge und Qualitätseigenschaften der Versuchsstandorte Mötsch (Bit), Kümbdchen (Sim), Nomborn (MT) und Enkenbach-Alsenborn (Mü) ausgewertet. Dort erfolgte in der behandelten Stufe eine Fungizidbehandlung mit 0,75 l/ha Folicur beziehungsweise 0,5 l Toprex und eine Blütenbehandlung mit 0,5 l/ha Cantus Gold. beziehungsweise 1,0 l/ha Propulse. Zur Beurteilung der Sortenvorzüglichkeit werden die Kornerträge als fünfjährige überregionale Auswertung für die zwei im Bundesland Rheinland-Pfalz relevanten Anbauräume Höhen- und Mittellagen Südwest dargestellt. Der Sortenplatzierung liegen alle bisherigen Ertragsergebnisse aus der dreijährigen Wertprüfung sowie den Landessortenversuchen der jeweiligen Gebietskulissen aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz zugrunde.

In den Höhenlagen Südwest (Anbaugebiet 7) erzielten die Verrechnungssorten Ludger, Heiner und LG Activus im fünfjährigen Mittel in der unbehandelten Stufe und behandelten Stufe einen Kornertrag von 48,4 beziehungsweise 50,6 dt/ha. In den Mittellagen Südwest (Anbaugebiet 8) lieferte das Verrechnungssortiment im fünfjährigen Mittel in der unbehandelten Stufe und behandelten Stufe einen Kornertrag von 51,0 beziehungsweise 54,0 dt/ha. Das aktuelle Empfehlungssortiment, bestehend aus den Züchtungen Archivar, Daktari, Ektos KWS, KWS Ambos, KWS Vamos, Vespa, Ceos und Skoros sowie der Kohlhernie-resistenten Sorte Cromat, bestätigte in beiden Behandlungsstufen der Gebietskulissen Mittel- und Höhenlagen Südwest seine mindestens gut durchschnittliche bis überdurchschnittliche Ertragsleistung. Die mit Fungiziden behandelte Intensitätsstufe zeigte eine vergleichsweise größere Spreizung der überregionalen Kornerträge. Unter den Neuzulassungen 2024 konnten die Sorten Churchill, Detlef, Skoros, und PT 322 mit einem überdurchschnittlichen Kornertrag in beiden Behandlungsstufen an die hohe Ertragsleistung der Wertprüfung anknüpfen.

Die Wachstumsregulierung im Frühjahr bewirkte im Mittel der Prüfsorten eine Reduktion der Pflanzenlänge um 14 cm. Die Prüfsorten Ernesto KWS, PT 303, Humboldt und KWS Ambos prägten mit insgesamt 164 bis 179 cm eine insgesamt stärkere Längenheterosis aus.

Nur geringer Krankheitsdruck

Der vergleichsweise trockene Witterungsverlauf während der Blüte brachte sehr geringe Befallswerte mit Sclerotinia-Weissstängeligkeit und der durch Leptosphaeria maculans verursachten Wurzelhals- und Stängelfäule bei beiden Prüfstufen und somit ein vergleichsweise niedriges Niveau (APS: max. 2,4). Die Frühjahrs- und Blütenbehandlung reduzierte in der Summe den Befall mit Leptosphaeria maculans um 0,6 Boniturnoten. Im zurückliegenden Versuchsjahr lag der durchschnittliche Ölgehalt des Verrechnungs-sortiments mit durchschnittlich 43,2 Prozent in der behandelten Stufe und damit deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Der Ölgehalt bewegte sich bei dem Prüfsortiment in einer Spannweite von insgesamt 42,6 bis 44,3 Prozent. Die Marktleistung wurde auf der Basis von 40,50 Euro/dt Rapssaat plus einem Ölzuschlag von 1,5 Prozent des Grundpreises je 1,0 Prozent Öl (Mindestgehalt von 40 Prozent) kalkuliert. Nach den aktuellen und mehrjährigen Ergebnissen der Landessortenversuche sowie der aktuellen Beschreibenden Sortenliste 2025 werden zur Ernte 2027 (Aussaat 2026) die in der Tabelle genannten Sorten empfohlen.

Sortenbeschreibungen empfohlener Hybridsorten

Archivar: Diese TuYV-resistente Hybridsorte realisiert auf Basis eines hohen bis sehr hohen Kornertrags und eines sehr hohen Ölgehalts einen sehr hohen Ölertrag. Sie tritt durch einen insgesamt niedrigen Glucosinolatgehalt hervor, der als Kriterium für die Verwertung der Pressrückstände in der Fütterung durchaus relevant sein kann. Die mittelfrüh blühende Züchtung ergänzt das mittlere Reifesegment, die langsamere Reife des Strohs ist beim Ernteverlauf zu berücksichtigen. Die standfeste Sorte präsentiert sich mit einem kompakten Wuchsbild. Die durch das Rlm7-Resistenzgen abgesicherte Phomaresistenz spiegelt sich in der ausgeprägten Stängelgesundheit der Sorte. Archivar verfügt außerdem über eine ausgezeichnete Toleranz gegenüber dem Befall mit Verticillium-Rapswelke und Cylindrosporium-Weißfleckigkeit. Unbeschadet der vitalen Herbstentwicklung kann die winterharte Sorte nach Informationen des Züchters im frühen bis mittleren Aussaatsegment platziert werden. Der zügige Vegetationsstart im Frühjahr spricht für eine moderate Wuchsregulierung.

Daktari ist eine TuYV-resistente Hybridsorte und generiert einen hohen bis sehr hohen Korn- und Ölertrag sowie Ölgehalt. Die mittelfrüh blühende Züchtung gehört zum mittleren Reifesegment mit synchroner Reife der Restpflanze. Sie kombiniert eine mittlere Wuchslänge mit einer guten Standfestigkeit. Die Kompensationsfähigkeit der Sorte ist ertraglich auf eine hohe Kornzahl/m2 ausgelegt. Nach Angaben des Züchters verfügt sie über eine ausreichende Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Befall mit Phoma-Wurzelhals- und Stängelfäule, Verticillium-Rapswelke und Cylindrosporium-Weißfleckigkeit. Die Trocken- und Kältestress-tolerante Züchtung zeichnet sich durch eine angepasste Herbstentwicklung mit einer zügigen Regeneration des Blattapparates im Frühjahr aus. Daktari ist winterhart bei einer hohen ökologischen Streubreite und eignet sich für das mittlere bis spätere Saatzeitfenster.

Ektos KWS steht für eine ausgewogene Kombination auf dem Niveau eines hohen bis sehr hohen Korn- und Ölertrags sowie Ölgehalts. Die früh blühende großrahmige Züchtung gehört zum mittleren Reifesegment mit synchroner Reife des Korns und der Restpflanze bei gleichzeitig guter Standfestigkeit. Die spezielle RlmS-Phomaresistenz spricht für eine stark ausgeprägte Stängelgesundheit, die sich in den Ergebnissen der Phomaresistenzprüfung gut abbildet. Die frohwüchsige und winterharte Sorte kann vorzugsweise im mittleren bis späteren Saatzeitfenster platziert werden. KWS Ambos liefert auf der Basis eines sehr hohen Kornertrags und eines hohen bis sehr hohen Ölgehalts einen insgesamt sehr hohen Ölertrag. Hervorzuheben ist ebenfalls der als hoch eingestufte Rohproteinertrag, der als Kriterium für die Verwertung der Pressrückstände in der Fütterung maßgeblich sein kann. Die früh blühende Züchtung gehört zum mittleren Reifesegment mit synchroner Reife der Restpflanze. Der ausgeprägten Längenheterosis steht eine gute Standfestigkeit gegenüber, die bei wüchsiger Herbst- und Frühjahrsentwicklung durch eine zusätzliche Wachstumsregulierung abgesichert werden sollte. Die winterharte und frosttolerante KWS Ambos zeichnet sich nach züchterseitigen Informationen durch eine gute Widerstandsfähigkeit gegenüber Phoma aus. Nach Angaben des Züchters verfügt die robuste Sorte über eine vitale Herbstentwicklung und einen frühen Wachstumsbeginn im Frühjahr und eignet sich zum Anbau im mittleren bis späteren Aussaatzeitfenster.

KWS Vamos realisiert einen sehr hohen Korn- und Ölertrag sowie Ölgehalt. Die Sorte tritt hervor durch den als hoch bis sehr hoch eingestuften Rohproteinertrag und gleichzeitig niedrigen Glucosinolatgehalt als relevante Kriterien zur Verwertung der Pressrückstände in der Fütterung. Die Phoma-tolerante Züchtung repräsentiert den großrahmigen Wuchstyp, der mit einer guten Standfestigkeit einhergeht. Sie ergänzt das mittlere Reifesegment mit einer synchronen Abreife der Restpflanze. Angesichts der geringen Neigung zur Stängelstreckung deckt KWS Vamos ein breites Aussaatzeitfenster bei gleichzeitig hoher ökologischer Streubreite ab. Die frohwüchsige und winterharte Züchtung zeichnet sich durch einen frühen Entwicklungsbeginn im Frühjahr aus.

Skoros (KWS): Diese stickstoffeffiziente Hybridsorte repräsentiert eine ausgewogene Kombination auf dem Niveau eines hohen bis sehr hohen Korn- und Ölertrags sowie Ölgehalts. Zu beachten ist die Reifeverzögerung des Strohes. Trotz des üppigen Wuchstyps verfügt Skoros über eine gute Standfestigkeit. Angesichts der vitalen Herbstentwicklung eignet sich die winterharte Sorte insbesondere auch für das mittlere bis späte Saatzeitfenster. Ceos ist eine sehr ertragsstarke Hybride aus dem Hause RAGT und verbindet höchste Kornerträge mit einem sehr hohen Ölgehalt. Die Sorte verbindet eine zügige Herbstentwicklung mit einem mittleren bis späten Blühbeginn. Neben einer guten Standfestigkeit besitzt sie eine gleichmäßige Korn- und Strohabreife.

Vespa: Die TuYV-resistente Sorte realisiert auf der Basis eines hohen bis sehr hohen Kornertrags und hohen Ölgehalts einen insgesamt hohen Ölertrag. Qualitativ zeichnet sie sich durch einen niedrigen Glucosinolatgehalt aus. Die früh blühende Züchtung gehört zum mittleren Reifesegment bei etwas langsamerer Abreife der Restpflanze. Sie kombiniert eine mittlere Wuchslänge mit einer ausgesprochen guten Standfestigkeit. Die Ergebnisse der mehrjährigen Phomaresistenzprüfung sprechen für eine ausgezeichnete Toleranz gegenüber dem Befall mit Wurzelhals- und Stängelfäule. Vespa ist schossfest und entwickelt im Herbst sehr kräftige Einzelpflanzen; sie eignet sich zur Mulch- und Einzelkornsaat innerhalb eines relativ breiten Aussaatzeitfensters.

Beschreibungen der Sorten mit Kohlhernie-Resistenz

Cromat: Diese mit einer Rlm7-Phomaresistenz ausgestattete TuYV-resistente Sorte ist mit einem hohen bis sehr hohen Korn- und Ölertrag sowie Ölgehalt eingestuft und liefert einen hohen Rohproteinertrag. Die Züchtung tendiert zu einem leicht erhöhten Glucosinolatgehalt. Die früh blühende Hybride ist dem mittleren Reifesegment zuzuordnen bei einer mittleren bis stärkeren Reifeverzögerung des Strohs. Das kompakte Wuchsverhalten und Schotenpaket gehen einher mit einer sehr guten Standfestigkeit. Die aus der Phomaresistenzprüfung vorliegenden Bonituren lassen eine gute Widerstandsfähigkeit der Sorte gegenüber der Wurzelhals- und Stängelfäule erwarten. Nach Angaben des Züchters ist sie durch eine mittlere Toleranz gegenüber Verticillium und Cylindrosporium gekennzeichnet. Die ausgesprochen winterharte und robuste Cromat ist angesichts der zügigen Herbstentwicklung vorzugsweise dem mittleren bis späten Aussaatzeitfenster zuzuordnen. Crios verfügt ebenfalls über eine Kohlhernieresistenz, jedoch nicht über de TuTV-Resistenz. Die Züchtung verbindet einen hohen Kornertrag mit einem guten Ölgehalt. Neben einer guten Standfestigkeit verfügt die Sorte über einen sehr hohen Proteingehalt. Credo: Mit dieser im Frühjahr 2024 in Dänemark zugelassenen Sorte steht eine leistungsstarke Züchtung mit einer erweiterten und stärkeren Resistenz gegen die Kohlhernie-Pathotypen P1, P1(+) und P3 zur Verfügung.

Fazit: Bei Winterraps kann die Sortenvorzüglichkeit primär an der Marktleistung und der mehrjährigen Ertragsstabilität ausgerichtet werden. Darüber hinaus wird die standortspezifische Sortenwahl maßgeblich von agronomischen Eigenschaften bestimmt. Zu den relevanten Merkmalen zählen unter anderem die Frostverträglichkeit, die Schossneigung im Herbst, die Standfestigkeit, die Reifeverzögerung des Strohs und die Saatzeitflexibilität sowie die Resistenz beziehungsweise Toleranz gegenüber pilzlichen Schaderregern. Angesichts der zahlreichen Neuzulassungen der vergangenen Jahre steht der landwirtschaftlichen Praxis bei Winterraps derzeit ein sehr vielfältiges Sortiment mit einem hohen Leistungsvermögen zur Verfügung.

 – LW 29/2026