Die Nachfrage nach Bioeiern boomt

Bio-Gut Rosenthal sortiert, verpackt und vermarktet Eier

Das Bio-Gut Rosenthal der Familie Gauer aus Bergneustadt in Nordrhein-Westfalen hält 2 000 Legehennen nach Bioland-Richtlinien. Als zertifizierte Eierpackstelle werden auch Eier anderer Betriebe sortiert, verpackt und vermarktet. Beliefert werden Kunden zwischen Hamburg und Rheinland-Pfalz. Doch die Nachfrage der Großkunden ist kaum abzudecken. Das LW hat dem Geschäftsführer Jonathan Gauer des Bio-Gutes Rosenthal einige Fragen dazu gestellt.

LW: Wie hat sich die Nachfrage nach Bioeiern im vergangenen Jahr entwickelt?

Das Bio-Gut Rosenthal betreibt neben der eigenen Legehennenhaltung eine zertifizierte Eierpackstelle, in der Eier von derzeit 16 Bioland-Partnerbetrieben verarbeitet und anschließend vermarktet werden.

Jonathan Gauer: Die Nachfrage nach Bioeiern wächst schon seit vielen Jahren stark. Verbraucher kaufen immer öfter Produkte, die ihren Werten entsprechen. So werden auch bei Eiern die moralischen und ethischen Fragen rund um das Produkt immer wichtiger. Die Corona-Pandemie hat einen regelrechten Nachfrage-Boom nach unseren Bioeiern ausgelöst. Schon seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg der Anfragen. Das liegt vermutlich zum einen daran, dass die Menschen mehr zuhause sind und sich trotzdem etwas gönnen möchten und zum anderen, dass die Verbraucher selbst einkaufen und sehen, was auf ihrem Teller landet, wenn Kantinen und Co. geschlossen haben. Eier haben zudem den Vorteil, dass sie sich als „schnelle Mahlzeit“ besonders leicht zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung zubereiten lassen. Ich gehe davon aus, dass der Nachfragetrend nach der Corona-Pandemie weitestgehend bestehen bleibt. Wenn man etwas moralisch gut findet und bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben, ändert man dieses Einkaufsverhalten seltener.

LW: Welche Dienstleistung bieten Sie den Ihnen zuliefernden Betrieben an?

Gauer: Wir übernehmen als Eierpackstelle die Verpackung und den Absatz der Eier. Unsere Partner können sich in Ruhe um die Tiere kümmern, denn wir glauben, dass auch darin ein Schlüssel für gesunde und langlebige Hühner steckt. So können Ressourcen gespart und die finanziellen Mittel im Rahmen gehalten werden. Außerdem finanzieren wir über einen Mehrpreis unserer Eier des „Rosenthaler Hahnenglücks“ die Aufzucht männlicher Küken. Das bedeutet für die Partnerhöfe: Sie bestellen Legehennen bei einem Aufzüchter und wir kaufen wenn möglich Bruderhähne aus dem gleichen Schlupf, sonst andere männliche Küken dazu. Wir sichern unseren Partnerhöfen zudem die Abnahme vom ersten bis zum letzten Ei vertraglich zu. Sollte die Nachfrage einmal einbrechen, könnten wir die Eier dann immer noch zu Flüssigei-Produkten für Bäckereien, aber auch in unserem Bioland-Eierlikör verarbeiten – das Vermarktungsrisiko ist für die Höfe somit sehr gering.

LW: Was spricht für eine zentrale Packstelle gegenüber einer Packstelle auf dem eigenen Betrieb?

Gauer: Eine eigene Packstelle auf dem Hof zu haben, ist sehr zeitaufwändig und herausfordernd. Die Eier zu sortieren, zu verpacken und zu vermarkten, ist mit viel Aufwand verbunden. Man braucht dafür das nötige Personal und die Technik. Wenn sich ein Hof für eine Partnerschaft mit uns interessiert, stehen wir von Anfang an beratend zur Seite: Wir beantworten alle Fragen zu den Bioland-Vorgaben und zur Hühnerhaltung, wir erstellen ein Angebot, das die Betriebe ihrer Bank vorlegen können, wenn es um die Finanzierung geht, und wir vermitteln Kontakte aus unserem Netzwerk, wenn neue Ställe gebaut werden sollen.

LW: Wie viele Betriebe liefern jetzt schon Eier an Ihre Packstelle, in welcher Region liegen sie und wie werden die Eier vermarktet?

Gauer: Seit 2011 produzieren, verpacken und vertreiben wir mehrere Millionen Bioland-Eier im Jahr. Derzeit arbeiten wir mit 16 Partnerbetrieben aus NRW, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zusammen und beliefern Kunden zwischen Hamburg und Rheinland-Pfalz. Die Rosenthal-Eier gibt es bei Edeka, Rewe, Denns Biomärkten Rhein Ruhr, Biomärkten, -läden und -bäckereien, Hofläden und Super-Bio-Märkten in Nordrhein-Westfalen sowie Dornseifer-Märkten der Region Bergisches, Oberbergisches Land, Sieger und Sauerland. Wir wachsen gerade stark, denn immer mehr Menschen legen Wert auf einen respektvollen Umgang mit der Natur und regionale Produkte in Bioland-Qualität. Daher sind wir gerade aktiv auf der Suche nach neuen Partnerbetrieben.

LW: Sehen Sie Chancen für weitere Betriebe, die in die Bioeiererzeugung einsteigen möchten und worauf ist dabei zu achten?

Gauer: Die Chancen stehen sehr gut. Dank der steigenden Nachfrage müssen sich konventionelle Eierbetriebe und Neueinsteiger keine Sorgen mehr machen, dass sich ein Umstieg auf Bio nicht rentiert. Natürlich müssen einige Kriterien erfüllt werden, damit man seine Produkte als Bio kennzeichnen darf. Die Bioland-Richtlinien gehen sogar noch über den gesetzlichen Mindeststandard der EG-Öko Verordnung hinaus. Voraussetzungen sind zum Beispiel, dass die Tiere ausreichenden Bewegungs- und Ruheraum haben und pro Tier vier Quadratmeter täglicher Grünauslauf zur Verfügung steht. Auch die Zusammensetzung des Futters oder die Behandlung der Hühner mit Medikamenten ist streng geregelt. Wenn man sich einem Verband wie dem Bioland-Verband anschließt, muss der Betrieb zu 100 Prozent nach den Richtlinien wirtschaften, einzelne konventionelle Produktionszweige dürfen nicht betrieben werden.

Weitere Informationen sind unter www.biogut-­rosenthal.de verfügbar.

Die Fragen stellte Marion Adams – LW 19/2021