Alte Säge mit neuem Schwung

So wird die Motorsäge für die Holzernte vorbereitet

Wo die Motorsäge nur gelegentlich genutzt wird, nimmt man es mit der Pflege oft nicht so genau. Wie Sie Ihr „Fichtenmoped“ für die Saison fit machen, hat uns Gerold Stratmann von der Deula erklärt.

Als Erstes müssen die alten Betriebsstoffe abgelassen, aufgefangen und fachgerecht entsorgt werden. Selbst gemischter Zweitaktkraftstoff sollte nicht weiterverwendet werden, da sich Öl und Kraftstoff nach etwa drei Monaten entmischen und Wasser aus der Luft an sich binden. Dieses kann zu Schmierverlust und anschließendem Kolbenfresser führen. Sonderkraftstoffe lassen sich dagegen über einen längeren Zeitraum lagern – rund zwei Jahre. Eine Umstellung auf den Betrieb mit Sonderkraftstoffen sollte immer durch eine Fachwerkstatt erfolgen.

Nach dem Leeren von Kraftstoff- und Kettenhaftöltank die Tanks mit frischem Benzin-Öl-Gemisch ausspülen, den Filter des Kraftstoffsaugkopfes wechseln sowie den Schmiermittelsaugkopf in Waschbenzin reinigen oder gegebenenfalls austauschen. Nach dem Leeren der Tanks folgt die grobe Außenreinigung. Der Sägenkörper wird zunächst mit Druckluft gereinigt, wobei besonders die Lufteintrittsöffnungen an der Anwerfvorrichtung, die Kühlrippen des Zylinders und der Auspuff sorgfältig von Spänen und Ölspänegemisch befreit werden müssen. Sind die Verkrustungen am Lufteintrittsgitter so fest, dass sie mit Druckluft alleine nicht mehr zu lösen sind, helfen nur Waschbenzin, Kaltreiniger oder spezieller Motorsägenreiniger. Auch der Kettenraddeckel sowie die zum Teil im Deckel angebrachte Kettenbremse müssen selbstverständlich gereinigt werden. Besonders gut dafür eignet sich eine grobe Bürste oder ein harter Pinsel. Achten Sie beim Abnehmen des Kettenrad­deckels darauf, dass die Kettenbremse gelöst ist. Andernfalls lässt sich der Deckel entweder nicht abnehmen oder beim Zusammenbauen nicht mehr aufsetzen und anschrauben.

Mit Baumharz verschmutzte Gehäuseteile lassen sich meist nur mit speziellem Harzlöser (Motorsägenreiniger), den es im Fachhandel gibt, entfernen. Die zum Teil etwas mühsame Prozedur lohnt sich jedoch, wie das letzte Bild auf der folgenden Seite zeigt.

Zündkerze auswechseln bei unregelmäßigem Lauf des Motors

Abgenutzte Zündkerzen müssen bei schlechtem Anspringverhalten und unregelmäßigem Lauf des Motors sofort ausgewechselt werden. Diese führen zu erhöhter Abgasbelastung und zu Leistungsverlusten des Motors – einmal im Jahr auswechseln. Voraussetzung für einen ordentlichen Zündfunken ist der korrekte Elektrodenabstand. Wie groß dieser sein muss und welche Zündkerzen eingebaut werden müssen, entnehmen Sie den technischen Daten der jeweiligen Be­triebs­anleitung. In den meisten Fällen ist ein Elektrodenabstand von 0,5 mm (Daumennagelstärke) vorgesehen. Ob die Zündkerze noch ordentlich arbeitet, können Sie prüfen, indem Sie das Kerzengewinde an den Zylinder drücken und gleichzeitig am Starterseil ziehen (Kurzschlussschalter auf „Ein“). Der Zündfunke muss nun deutlich sichtbar sein. Die Zündkerze oder das sogenannte Kerzengesicht gibt unter anderem über die Vergasereinstellung Auskunft. Ist der Isolatorfuß graugelb bis bräunlich gefärbt (rehbraun), sind Kerzenzustand und Motoreinstellung in Ordnung. Eine dicke, trockene samtartige Rußschicht über Isolatorfuß und Elektroden zeigt einen fal­schen Wärmewert der Kerze, einen verstopften Luftfilter oder einen schlecht eingestellten Vergaser an. Ist der Ruß­belag zudem noch feucht, ist meist ein zu fettes Gemisch die Ursache. Ein weiß gebrannter Isolatorfuß kann Anzeichen für zu mageres Gemisch, schlechte Motorkühlung, einen falschen Wärmewert der Kerze oder durchblasende Verbrennungsgase bei schlechtem Kerzensitz sein.

Für die Reinigung der Zündkerze immer eine Messingbürste verwenden, um Schäden an Elektrode und Isolator zu vermeiden.

Bevor Sie den Luftfilter vom Vergaser nehmen, sollten Sie den Choke ziehen, da dadurch die Vergaserklappe geschlossen und Verschmutzungen des Vergasers verhindert werden. Sollten Sie den Vergaserraum, nachdem der Luftfilter demontiert ist, noch einmal mit Druckluft ausblasen wollen, so legen Sie auf jeden Fall den Daumen auf die Vergaseröffnung. Der ausgebaute Luftfilter wird immer von innen nach außen ausgeblasen, zusammengesetzte Luftfilter müssen vorsichtig geöffnet und sowohl von außen als auch von innen gereinigt werden. Bei Kunststoff- und Fließfiltern lohnt es sich hin und wieder, den gesamten Filter in spülmittelhaltigem, warmem Wasser auszuspülen. Damit werden dann auch Ölverschmutzungen gelöst. Luftfilter ansonsten täglich warten.

Die Führungsschiene hält etwas länger, muss jedoch regelmäßig auf Verschleiß geprüft werden. Zwischendurch sind das Reinigen der Nut, die Kontrolle der Nuttiefe sowie das Entgraten der Schienen­stege notwendig; geschieht dieses nicht regelmäßig, brechen die Laufflächen aus und zerstören die Schiene vorzeitig. Ist die Nut zu flach, schleifen die Treibglieder auf dem Nutgrund und die Verbindungsglieder liegen nicht auf der Schienenlaufbahn auf. Bei 0,325- bzw. 3/8-Zoll-Ketten beträgt die Mindestnuttiefe 6 mm, bei 0,404-Zoll-Ketten 7 mm. Um die Ölversorgung der Sägekette sicherzustellen, müssen die Öleintrittsbohrungen an der Schiene sowie der Ölaustrittskanal an der Motorsäge sauber sein. Bei einigen Herstellern ist das tägliche Fetten des Umlenksterns vorgeschrieben.

Abschließend die Säge wieder zusammenbauen, alle Befestigungsschrauben auf ihren festen Sitz prüfen und die Kette soweit spannen, dass der Kombischlüssel noch zwischen Kette und Schiene hindurchgeschoben werden kann. Anschließend wird geprüft, ob sich die Kette leicht bewegen lässt. Ist der Kettenfangbolzen verschlissen oder abgebrochen, muss ein neuer her. Stellt sich beim Probelauf heraus, dass die Kette permanent im Standgas mitläuft, ist das eine erhebliche Gefährdung für den Motorsägenführer. Dieses kann in der Regel durch vorsichtiges Drehen der Leerlauf-Anschlagschraube (LA) am Vergaser korrigiert werden (siehe Bedienungsanleitung).

Fehleinstellungen können schnell zu Motorschäden führen. Daher sollten Vergasereinstellungen in Fachwerkstätten durchgeführt werden. Neue Motorsägen sind mit Limiter-Caps versehen, um Motorschäden vorzubeugen. Torsten Wobser