Von der Bodenreaktion zur Ertragsstabilität
Kalkung als Schlüssel zur Leistungsfähigkeit von Grünland
Die Milchleistung aus dem Grundfutter stellt in der Milchproduktion einen wesentlichen Faktor für die Wirtschaftlichkeit dar. Angesichts steigender Kraftfutterkosten wird eine hohe Leistung aus eigenem Futter zunehmend wichtiger. Voraussetzung hierfür sind eine standortgerechte Einstellung des Boden-pH-Werts sowie eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung des Grünlandes, welche die Grundlage für vitale und ertragreiche Bestände bilden.
Foto: Bender
Warum versauert Grünland?
- Die Atmung von Bodenorganismen setzt Kohlendioxid frei, das sich im Bodenwasser zu Kohlensäure umsetzt
- durch die Umsetzung physiologisch sauer wirkender Mineraldünger werden H+-Ionen freigesetzt, die zu einer Senkung des pH-Werts beitragen
- Verlust von Kationen wie Ca²+ und Mg²+ durch Auswaschung mit dem Sickerwasser, der zu einer Reduzierung des Säurepuffervermögens des Bodens führt
- Entzug von Ca²+ und Mg²+ durch die Pflanzen, v.a. Leguminosen
Der Kalkverbrauch ist abhängig von Standort (Bodenart, Niederschläge), Bestandszusammensetzung und Nutzungsintensität (Abfuhr durch die Ernte) sowie der (N-) Düngung. Er kann entsprechend stark variieren und zwischen zirka 300 und 700 kg CaO je Hektar und Jahr betragen. Deshalb ist eine regelmäßige Überprüfung der Bodenreaktion durch eine Bodenuntersuchung in einem Abstand von drei Jahren zu empfehlen und der Kalkbedarf – pH-Wert und Calcium-Versorgung – zu prüfen.
Die Versauerung beginnt stets von oben, daher sollte zusätzlich insbesondere an der Bodenoberfläche- regelmäßig mit 10-prozentiger Salzsäure getestet werden, ob freies Carbonat im Boden vorhanden ist. Ist kein freier Kalk nachweisbar, ist auch bei hohen beziehungsweise standorttypischen pH-Werten eine Kalkdüngung zu empfehlen. Außerdem kann mit dem Hellige-pH-Meter recht schnell und zuverlässig der pH-Wert ermittelt werden.
Bei Nachsaaten auf die Kalkversorgung achten
Bei der Grünlandverbesserung durch Nach- oder Neuansaaten sind die speziellen Ansprüche hochwertiger Futterpflanzen besonders zu berücksichtigen. Dazu gehört neben ausreichender Nährstoffversorgung auch ein standortspezifisch geeigneter Kalkzustand des Bodens, um einerseits ein dauerhaftes Etablieren zu ermöglichen und andererseits Bestandslücken und damit einhergehende unproduktive Verdunstung aus dem Boden zu vermeiden. Daher sollte vor Maßnahmen der Grünlandverbesserung eine Untersuchung der Kalk- und Nährstoffversorgung der betroffenen Flächen erfolgen und diese gegebenenfalls optimiert werden. Nur mit einer entsprechenden Vorbereitung ist eine teure Pflegemaßnahme langfristig erfolgreich.
BenderWann kann ich Grünland kalken?
Mit dem Ziel, eine ausreichend mit Kalk versorgte oberste Bodenschicht zu haben, wird die Kalkung inzwischen in einigen Betrieben, entgegen der standardmäßig empfohlenen Erhaltungskalkung alle drei bis vier Jahre, in kürzeren Intervallen durchgeführt, häufig zweijährlich oder gar jährlich in dann angepassten Aufwandmengen. Eine erforderliche Kalkungsmaßnahme auf Grünland sollte nur durchgeführt werden, sobald die Flächen gut befahrbar sind, denn Bodenverdichtungen sind unbedingt zu vermeiden. Darüber hinaus kann der Termin flexibel gewählt werden und so bietet sich, wenn es die Witterung erlaubt, nach der letzten Schnittnutzung oder Beweidung ab der Vegetationsruhe im Herbst ein idealer Zeitpunkt für die Kalkung.
Welcher Kalk eignet sich im Grünland?
Für die Kalkung im Grünland eignen sich vor allem sehr fein vermahlene Kohlensaure Kalke, deren Umsetzungs- beziehungsweise Neutralisationswirkung den Erfordernissen des Grünlandes nachhaltig entspricht. Grob vermahlene Düngekalke entfalten ihre Wirkung erst nach einem längeren Zeitraum. Für eine zeitnahe, effektive Wirkung sollte der Feinanteil (Korngröße <0,3 mm) möglichst hoch sein. Zur zusätzlichen Sicherstellung der Magnesiumversorgung sind Kohlensaure Magnesiumkalke eine preiswerte Alternative.
Auch Mischprodukte aus kohlensauren Kalken und Calciumsulfat (Gips), Holzasche oder Klärschlammasche eignen sich hervorragend für die Kalkdüngung im Grünland. Die Kombination der Komponenten verbessert nicht nur die Kalkversorgung, sondern fördert zugleich die Bodenfruchtbarkeit und die biologische Aktivität des Bodens. Darüber hinaus werden neben Calcium weitere wichtige Pflanzennährstoffe wie Phosphor, Schwefel und Kalium sowie Spurenelemente, darunter Eisen, Mangan, Natrium und Selen ausgebracht. Zusätzlich ist wertvolle lösliche Kieselsäure enthalten.
Kalk hat viele positive Wirkungen
Eine Absenkung des pH-Werts unterhalb des optimalen Bereiches geht mit einer deutlich geringeren Verfügbarkeit der Hauptnährstoffe für Pflanzen einher. Für ihre Stoffwechselaktivität, die Mineralisation von Nährstoffen, den Abbau organischer Ernterückstände sowie die Bildung stabiler Humusformen benötigen Bodenmikroorganismen einen für sie günstigen pH-Wert. Auch Regenwürmer, die eine wesentliche Rolle bei der vertikalen Bodenbearbeitung und Bodenstrukturentwicklung spielen, profitieren von einer ausreichenden Kalkversorgung, da diese ihre Lebensbedingungen verbessert. Bei zu niedrigen pH-Werten dagegen sinkt neben der Düngerausnutzung auch die Nährstoffnachlieferung, da sich die Mineralisationsvorgänge verlangsamen und damit weniger Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form bereitgestellt werden. Mit zunehmendem Tongehalt des Bodens steigt auch der angestrebte Ziel-pH-Wert, da die strukturverbessernde und stabilisierende Wirkung des Kalkes auf tonreichen Böden eine größere Bedeutung besitzt als auf sandigeren Standorten.
Während jene strukturfördernde Wirkung der Kalkung im Ackerbau präsent ist, wird im Grünland den positiven physikalischen Effekten häufig weniger Beachtung geschenkt. Dabei spielen ein stabiles Krümelgefüge und ein hohes Porenvolumen auch hier eine entscheidende Rolle für das Infiltrationsvermögen des Bodens und damit für die Wasserversorgung der Pflanzen sowie den Gasaustausch. Nur eine für Pflanzen und Bodenlebewesen günstige Bodenstruktur fördert ein gesundes, tiefgreifendes Wurzelwachstum und ermöglicht es den Pflanzen vorhandene Wasserreserven besser zu erschließen. Diese Voraussetzungen schaffen die Grundlage für flexible Grünlandbestände, die bei Extremwetterlagen wie der diesjährigen Trockenheit, aber auch bei Starkregenereignissen ihre Leistungsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit erhalten und sich an wechselnde Standortbedingungen anpassen können.
Fazit: Eine bedarfsgerechte Kalkversorgung und die damit verbundene Aufrechterhaltung der Säurepufferkapazität einerseits sowie die Versorgung der Pflanzen mit Calcium und Magnesium andererseits schaffen im Grünland die Voraussetzungen für leistungsfähige und ertragreiche Bestände. Gleichzeitig wird die Entwicklung wertvoller Gräser- und Kräuterarten sowie Leguminosen im Pflanzenbestand unterstützt und neben der Ertragssicherheit auch die Qualität des erzeugten Futters erhöht. Nur bei ausreichender Kalkversorgung entstehen günstige Bodenbedingungen, die das Wurzelwachstum fördern und den Pflanzen einen größeren Lebensraum für die Aufnahme und Erschließung von Wasser und Nährstoffen ermöglichen.
Lukas Bender, DüKa Düngekalkgesellschaft mbH, LAD Südwest – LW 38/2026
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