Bundesratsbeschluss belastet heimische Landwirte

Neue Regeln im Tiertransport vernichten Tierhaltung

Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit hat der Bundesrat Beschlüsse gefasst, die den landwirtschaftlichen Tierhaltern in Rheinland-Pfalz erneut die Zornesröte ins Gesicht treiben. Wie die Eifel-Rindfleisch-Absatz-Gemeinschaft (ERAG) informiert, sollen Tiere bei Außentemperaturen über 30° C nur noch maximal 4,5 Stunden lang transportiert werden dürfen, unabhängig davon, ob die Luft im Transportfahrzeug gekühlt ist oder nicht. Manfred Zelder, der Vorsitzende der ERAG schrieb Folgendes an die Redaktion.

Immer mehr Landwirte geben die Tierhaltung auf. Die Wege zwischen den Tierhaltern und zu den Schlachthöfen werden somit immer weiter. Da erschwert der Bundesratsbeschluss die Arbeit der Tierhalter zusätzlich.

Foto: Erich Westendarp_Pixabay

Rheinland-Pfalz ist ein mit Nutztieren dünn besiedeltes Gebiet – so wie aus der Politik und Gesellschaft oft gefordert. Dass mit der neuen Verordnung Tiertransporte in solchen Regionen unmöglich gemacht werden, wird von der Politik schlichtweg ignoriert. Die Betriebe, zwischen denen Tiere notwendigerweise transportiert werden müssen, und die Schlachtbetriebe liegen in Rheinland-Pfalz räumlich so weit auseinander, dass sie in weniger als 4,5 Stunden nicht zu erreichen sind. Das gilt für Rinder- und Schweinehalter gleichermaßen.

Kälber sollen zukünftig nur noch mit über 28 Tage Alter transportiert werden dürfen, nicht wie bisher über 14 Tage. Eine nachvollziehbare fachliche Begründung für diese Maßnahme seitens der politischen Entscheider fehlt allerdings völlig. Stattdessen führt sie dazu, dass Kälber länger im Ursprungsbetrieb stehen bleiben müssen. Das zieht zwangsläufig zusätzliche Investitionen in Stalleinrichtungen und höhere Ausgaben für Personal, Futter und Pflegeaufwand, nach sich – Geld, das in den rheinland-pfälzischen Betrieben schlicht nicht vorhanden ist. Die Preissituation im Fleisch- und Milchsektor gibt schon seit langem keine nennenswerten Gewinne mehr her.

Rindviehhalter nicht nur in Rheinland-Pfalz haben zunehmend Probleme, für ihre Kälber einen angemessenen Preis zu erzielen. Die wenigen Abnehmer, die noch Kälber kaufen, wollen überwiegend junge Kälber, möglichst unter 14 Tage alt. Dieser Markt wird durch die Politik jetzt auch noch zunichte gemacht.

Die landwirtschaftliche Tierhaltung in Rheinland-Pfalz ist ganz überwiegend kleinstrukturiert und geprägt von bäuerlichen Familien, die ihre Tierhaltung mit viel Engagement, Liebe zum Tier und Fürsorge betreiben – eigentlich genau das, was die Gesellschaft und die Politik fordern. Die oben beschriebenen Verschärfungen in der entsprechenden Verordnung machen genau diese Form der Tierhaltung systematisch kaputt. Mit solchen Maßnahmen wird es landwirtschaftliche Tierhaltung in Rheinland-Pfalz bald nicht mehr geben.

ERAG – LW 28/2021