Darmmikrobiom – Funktionen und Einfluss der Ernährung

Fortbildung für Ernährungsfachkräfte in Mannheim

Mitte April trafen sich rund 70 Ernährungsfachkräfte aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Radisson Blu Hotel in Mannheim, um sich über den Einfluss der Ernährung auf das Darmmikrobiom auszutauschen. Eingeladen hatten der Milchwirtschaftliche Verein Baden-Württemberg e.V. sowie die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz-Saar e.V. (Milag) zu einer ersten, in dieser Form organisierten gemeinsamen Fachveranstaltung.

Über eine erfolgreiche Veranstaltung freuten sich (v.l.): Prof. Dr. Andreas Schwiertz, Geschäftsführer des MVZ Instituts für Mikroökologie und Gastrointestinale Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen; Juniorprofessorin Dr. Marie-Christine Simon, Nachwuchsgruppenleitung im Ernährungscluster Diet-Body-Brain der Universität Bonn sowie die Organisatorinnen Kathrin Hammes von der Milag und Pia Hottinger vom Milchwirtschaftlichen Verein.

Foto: Yvonne Riede

Im Mittelpunkt stand das Darmmikrobiom, das von zwei renommierten Referierenden aus Wissenschaft und Forschung beleuchtet wurde. Ziel war es, aktuelle Erkenntnisse vorzustellen und bestehende Vorurteile zu hinterfragen. Es referierten Prof. Dr. Andreas Schwiertz von der Justus-Liebig-Universität Gießen und Juniorprofessorin Dr. Marie-Christine Simon von der Universität Bonn.

Simon erklärte, dass das Verhältnis zwischen unserer Ernährung und dem Darm-Mikrobiom sehr komplex ist. Auch wenn das Forschungsfeld seit Entwicklung des Mikroskops im 17. Jahrhundert besteht, ist die Disziplin noch sehr jung. Das betrifft vor allem den Einfluss des Darms auf unser Gehirn. Nach dem Gehirn ist der Darm das wichtigste Nervengeflecht des Menschen: So weiß man heute schon, dass neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer ihren Ursprung im Darm haben – aber genauere Forschungsarbeiten zu Ursache-Wirkungsbeziehungen stehen noch aus. „Die Ernährung beeinflusst die Zusammensetzung unseres Mikrobioms, aber auch, wie sich die vorhandenen Bakterien verhalten.“, so Simon. Ein unterschiedlich zusammengesetzt Mikrobiom kann also trotzdem die gleichen Aufgaben erfüllen. „Man muss weg davon, nur Bakterien zu zählen und Bakterienstämme zu bestimmen. Die Stoffwechselwege sind ähnlich, trotz unterschiedlicher Bakterien – es geht also mehr um die Funktionalität der Bakterien“, ergänzt Schwiertz.

Eine Vergleichbarkeit der Mikrobiome ist schwierig. In und an unserem Körper sind sie schon unterschiedlich zusammengesetzt, zwischen einzelnen Kontinenten und Ländern variieren sie zum Teil stark und geschichtlich betrachtet ist dies noch ausgeprägter: „Das Mikrobiom unserer Vorfahren ähnelt eher dem eines Schimpansen als dem des modernen Menschen.“, so Schwiertz. Das Essverhalten lässt sich am Mikrobiom erkennen. Außerdem hat die Auswahl der Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, einen direkten Einfluss auf den Darm und darüber auf die Gesundheit des Menschen. Als Mikrobiologe betont Schwiertz, dass der Mensch Bakterien als Symbionten nutzt, um Nahrungsbestandteile aufzuspalten, die er selbst nicht verdauen kann. Bei einer Laktoseintoleranz ist diese Symbiose im Dickdarm überlastet.

In der Pause und nach der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmenden mit Milch, Joghurt und Skyr stärken. Die Organisatoren zogen ein positives Fazit: „Die anregende Diskussion nach den Vorträgen zeigt uns, dass wir mit dem Thema genau ins Schwarze getroffen haben.“

Übrigens: Ob Milchprodukte regelmäßig konsumiert werden, erkennt man daran, ob Bifidobakterien im Darm-Mikrobiom zu finden sind. Joghurt liefert Kalzium für die Knochen, Eiweiß für die Muskeln – und viele Millionen Milchsäurebakterien. Sie wirken im Darm antientzündlich und können laut Studien das Mikrobiom stärken. Das soll nicht nur die Verdauung verbessern, sondern auch das Immunsystem.

Milag – LW 20/2026