Einsatz von Wirtschaftsdüngern und N-Stabilisatoren im Mais
Stabilisierte Gülle bringt viele Vorteile
Zur Frühjahrssaison werden viele Felder mit Gülle gedüngt. Im Gegensatz zum sehr beschränkten Einsatz im Herbst kann Gülle im Frühjahr in allen landwirtschaftlichen Kulturen ausgebracht werden. Die verpflichtenden Vorgaben der Düngeverordnung hinsichtlich einzuhaltender Nährstoffüberschüsse erfordern jedoch eine hohe Nährstoffeffizienz insbesondere bei der Gülle.
Foto: Harm-Dirk Biebert
Einsatz organischer Dünger im Mais
Aufgrund der langen Vegetationszeit gehört Mais zu den Kulturen mit der besten Stickstoff-Ausnutzung von Gülle. Die steigenden Temperaturen ab Mai fördern die mikrobielle Aktivität im Boden und führen zu einer höheren Stickstoff-Mineralisierung aus der organischen Substanz. Bei Raps und Getreide ist zu diesem Zeitpunkt die Stickstoff-Aufnahme fast abgeschlossen, während sie beim Mais gerade beginnt. Eine nennenswerte N-Aufnahme findet beim Mais erst ab dem 6- bis- 8-Blattstadium statt. Der höchste Bedarf besteht im Zeitraum drei Wochen vor dem Rispenschieben bis zur Blüte.
Eine Ausbringung von Gülle oder Gärresten zu Mais wird von vor der Aussaat bis maximal zum 6-Blattstadium empfohlen. Wichtig ist hierbei die umgehende Einarbeitung der organischen Dünger. Dadurch lassen sich Stickstoff-Verluste in Form von Ammoniak effektiv reduzieren.
Zum Zeitpunkt der Gülle- oder Gärrestausbringung sind die Maiswurzeln schwach entwickelt, weshalb der
Nährstoffbedarf noch gering ist. Da der Abstand zwischen dem frühen
Ausbringungstermin und dem Stickstoff-Bedarf der Pflanze groß sein kann, besteht die Gefahr von Stickstoff-Verlusten in Form von Nitrat (NO3-) und Lachgas (N2O). Das ist nicht nur zum Nachteil der Pflanze, sondern ist auch bezüglich der Umweltverträglichkeit bedenklich. Um Stickstoff-Verluste bei organischen Düngern zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit, diese mit Nitrifikationsinhibitoren zu versetzen.
Einfluss von Nitrifikationsinhibitoren
Organischen Düngern werden Nitrifikationsinhibitoren zugesetzt, um NO3--Einträge und N2O-Emissionen zu vermindern. Auf dem Feld unterliegt Stickstoff (N) vielfältigen Umwandlungsprozessen. N2O entsteht überwiegend bei der Denitrifikation und Nitrifikation. N2O hat die 273-fachen Treibhausgaswirkung von CO2 und folglich einen starken Effekt. Hier bieten Nitrifikationsinhibitoren ein großes Einsparungspotenzial. Sie verzögern die Umwandlung von Ammonium zu NO3-, indem die Aktivität bestimmter Bakterien um sechs bis zehn Wochen vorrübergehend verlangsamt wird.
Beim Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren zu Gärresten konnten die N2O-Emissionen in Versuchen der Technischen Universität München um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Auf die Ammoniakemission, die während oder kurz nach der Ausbringung entsteht, haben Nitrifikationsinhibitoren keine mindernde Wirkung. Zur Ammoniakminderung tragen eine unverzügliche Einarbeitung, verlustarme Ausbringtechnik und Ansäuerung bei.
Nicht nur die Umwelt profitiert von dem NI-Einsatz, sondern auch der Ertrag. Langjährige Feldversuche zeigen, dass sich der Ertrag und die N-Effizienz bei organischen Düngern durch die Anwendung eines Nitrifikationsinhibitors um 5 bis 10 Prozent steigern lassen.
Anwendungsempfehlungen zu Nitrifikationsinhibitoren
Ein weiterer Vorteil der stabilisierten Düngung ist die Nutzung früher und flexibler Ausbringtermine ohne die Gefahr von Auswaschungsverlusten. Dadurch lassen sich Arbeitsspitzen brechen und Phasen mit trag- und aufnahmefähigen Böden besser ausnutzen. Durch die höhere Flexibilität kommt es zu einer frühzeitigen Entlastung des Lagerraums.
Der Nitrifikationsinhibitor wirkt am effektivsten, wenn er in einem Schritt gemeinsam mit der Gülle ausgebracht wird. Die Beimischung kann durch eine Dosieranlage in den Güllestrom bei der Ausbringung oder die Zugabe während des Befüllens des Güllefasses erfolgen. Das vorherige Einrühren in der Güllegrube oder die breitflächige Anwendung mit der Feldspritze sind weniger effizient. Beim Strip-Till-Verfahren kann die Aufwandmenge gegenüber einer breitflächigen Anwendung halbiert werden.
Fazit: Stabilisierter Stickstoff ist einfach besser
Durch die lange Vegetationszeit und den späten N-Bedarf kann Mais organische Dünger besonders gut verwerten. Nitrifikationsinhibitoren sind ein wirksames Instrument, um den langen Zeitraum von der Ausbringung der Wirtschaftsdünger bis zur Aufnahme in die Pflanze zu überbrücken. Indem Stickstoff umfassend vor Verlagerung und Verlusten geschützt wird, lassen sich die Nährstoffeffizienz verbessern, Erträge steigern und die Umwelt schützen. Bei Anwendung von Nitrifikationsinhibitoren können organische Dünger früher und flexibler ausgebracht werden.
Ruben Tabet, SKW Piesteritz, Landesarbeitskreis Düngung Südwest – LW 11/2026
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