Ertragssicherheit und Qualität

70 Jahre Landes-Arbeitskreis Düngung

In einem für die Landwirtschaft schwierigen Jahr (Dürre, DVO, Pflanzenschutzmittel-Verbote) feiert der Landes-Arbeitskreis Düngung (LAD) seinen 70. Geburtstag. Bei seiner Gründung im November 1949 ist die Düngemittelindustrie, aus deren Reihen sich der LAD rekrutiert, angetreten mit dem Ziel, gemeinsam mit staatlichen Institutionen im Sektor Landwirtschaft die Produktion zu steigern. Die Ernährung der Bevölkerung sollte damit sichergestellt werden. 70 Jahre später steht die Landwirtschaft ständig in der Schusslinie, und es fällt schwer, ausgelassen zu feiern.

Mitglieder des Arbeitskreises beim Besuch der Firma Rauch, Rheinmünster, im Mai 2019.
Foto: LAD

In seinem Beitrag „Wiederherstellung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit“ vom Februar 1950 in der „Rheinischen Bauernzeitung“ beschreibt der stellvertretende Abteilungsleiter im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forst in Koblenz, Oberregierungsrat Tiemann, die damalige Situation: „Durch die epochemachende Entwicklung der chemischen Industrie vor 100 Jahren, die uns die wertvollsten Pflanzennährstoffe in Form der mineralischen Dünger zur Verfügung stellte, stiegen unsere Ernten bis vor Beginn des 2. Weltkrieges gewaltig.

Hinzu kam die steigend höhere Qualität. Im Zeitraum von 1940 bis 1948 wurde Raubbau betrieben und es ist nicht übertrieben, wenn gesagt wird, dass unsere Böden heute geradezu nach Pflanzennährstoffen hungern. Das Deutschland vor dem Krieg war in der Lage, 70 Mill. Menschen zu 85 Prozent zu ernähren. Das heutige Westdeutschland diesseits des eisernen Vorhangs ist bestenfalls in der Lage, 40 Prozent des Nahrungsmittelbedarfs seiner Bevölkerung aufzubringen.“

Im Frühjahr 1950 trat der damalige Landesarbeitskreis Düngerberatung erstmals öffentlich mit einem vierseitigen Flugblatt über die Düngung in Erscheinung. Mitherausgeber war die Kammer in Koblenz, die das bahnbrechende Printmedium über Landwirtschaftsschulen, Ortsvertrauensleute und Ortsbürgermeister an alle Betriebe über 4 ha verteilen ließ. Das Flugblatt enthielt „wertvolle Ratschläge zur Düngung und sollte von jedem Empfänger eingehend studiert und zur ständigen Benutzung aufbewahrt werden.“

Unter der Überschrift „Bodenuntersuchung – Schlüssel zur planmäßigen Düngerberatung“ gründete die Kammer Koblenz Mitte 1949 auf Initiative von Landwirtschaftsrat Vogler einen Bodenuntersuchungsdienst. Weitere Pioniere der Bodenuntersuchung sind DL Richartz (Trier), Dr. Siegel (Speyer), sowie Dr. Finger (Mainz). Auf Seiten der Industrie sorgten Dr. Reith (BASF), Dr. Mennecke (Superphosphat), DL Umberg (Kali und Salz) und Dr. Dunker (Kalkdienst) für deren planmäßige Verbreitung. Jede Probe kostete damals 0,50 DM, in den Sanierungsgebieten wie Rote Zone, Notstands- und Höhengebieten nur 0,35 DM.

Auch in Hessen LAD-Gründung 1949

In Hessen war sogar der damalige erste Landwirtschaftsminister Hacker bei der Grundsteinlegung anwesend. Im Laufe der Jahre wurden gemeinsam mit der JLU Gießen, der LUFA Darmstadt und dem hessischen Landesamtes Kassel zahlreiche Versuche angelegt, ausgewertet und publiziert. Während der LAD Hessen bis zum Jahre 1987 in seiner Organisationsstruktur erhalten blieb, vereinigte sich bereits 1968 der LAD Mittelrhein mit den LAD Pfalz-Rheinhessen und Saarland zum LAD Rheinland-Pfalz-Saarland. Den Konzentrationsprozessen im öffentlichen Dienst, in der Industrie und auch der landwirtschaftlichen Praxis Rechnung tragend, veranlasste der Bundesarbeitskreis Düngung (BAD) als Dachorganisation 1988 eine weitere Fusion zum bis heute aktiven LAD Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland.

Die erste offizielle Zusammenkunft der Berater der Dünger­industrie fand Ende 1949 in Tübingen, dem damaligen Regierungssitz von Württemberg-Hohenzollern, statt. Daraus ging mit Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 der gleich­namige LAD hervor.

Feldversuche und Empfehlungen für die Praxis

Die Aufgaben des LAD bestehen heute darin, unter Verwendung von Feldversuchen die Mineraldüngeranwendung zu optimieren und unter Berücksichtigung ökologischer Gegebenheiten, Empfehlungen für die Praxis zu geben. Wichtige Plattformen sind Veröffentlichungen in Printmedien, Vortragsveranstaltungen, sowie interne Veranstaltungen, die dem Erfahrungsaustausch und Festlegung von Arbeitsschwerpunkten dienen.

Der LAD Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland besteht aus den Mitgliedsfirmen Alzchem GmbH, Eurochem, K+S Kali GmbH, Kalkwerk Hufgard, Rheinkalk GmbH und Yara. In Baden-Württemberg ersetzt die DüKa Düngekalkgesellschaft mbH die Kalkanbieter Hufgard und Rheinkalk. Die übrigen Mitglieder sind identisch.

Ein Blick in die Zukunft

Über das frühere Ziel Ernährungssicherung scheint man im Auge der Politik angesichts viel zitierter Überproduktion und Gewässereutrophierung hinaus geschossen zu sein. Heute geht es mehr um Ertragssicherheit und Qualität. Umweltrelevante Aspekte stehen im Fokus. Intensiv beschäftigt sich der LAD auch mit den Folgen unterlassener Grunddüngung – Erhebungen der letzten Jahre machen dies deutlich.

Eine wichtige Aufgabe von BAD und den LAD wird künftig die Öffentlichkeitsarbeit und Diskussion mit Nichtlandwirten sein, um den Dialog zwischen der Landwirtschaft und der oft kritischen Bevölkerung zu fördern. Hierzu stellt der BAD eine Reihe von Broschüren zur Verfügung, die auch digital abgerufen werden können.

Erwin Niederländer, LAD – LW 41/2019