Etwas Rheinland für die Pfalz
Aussichten auf die Frühkartoffelsaison 2026
Der Raiffeisen Agrarhandel Pfalz hatte Anfang Juni zum Frühkartoffeltag auf sein Betriebsgelände nach Dirmstein eingeladen. Johannes Beckers von der Firma Weuthen und Valentin Beckmann, Vertriebsleiter Kartoffeln und Zwiebeln des Raiffeisen Agrarhandels Pfalz gaben Aussichten auf die diesjährige Frühkartoffelsaison.
Foto: agrar-press
Laut Beckers gibt es erste Anzeichen, dass die Kartoffelpreise auf dem Weltmarkt langsam steigen.
Gleichwohl führten Kriege, hohe Energiekosten und Zölle zu Unsicherheiten und höheren Kosten in der Erzeugung und der Verarbeitung. „Die Verarbeitung produziert derzeit leider etwas weniger als in den vergangenen Jahren,“ bedauert Beckers. Der Ausbau der Kapazitäten in der Vergangenheit habe zu einer Überproduktion geführt. Es sei mehr als genug Rohstoff vorhanden. Weuthen habe sich daher im letzten Herbst dazu entschieden, keine frühen Industriekartoffeln anzubauen.
Was erwartet Weuthen nun also konkret für die Ernte 2026? Bei der Chipsware wird ein großflächiger Markteinstieg ab der Kalenderwoche 28 erwartet. Bei den Pommes frites sieht es nach einer Umstellung auf die neue Ernte ab Mitte August aus.
Der Blick ins Kartoffelfeld
„Wir sind sicher, dass es eine deutliche Anbaueinschränkung im Frühbereich gibt.“ Beckers rechnet mit mindestens 15 Prozent in Deutschland, in der EU mit sieben bis 10 Prozent. „Wir hatten die Hoffnung, dass es mehr ist. Ob diese Anbaueinschränkung reicht, werden wir sehen.“
Bislang ist die Pflanzenentwicklung gut, was ein gewisses Ertragspotenzial erwarten lässt. Bei einer günstigen Witterung in den nächsten Monaten besteht die Chance auf eine sehr gute Ernte, so Beckers.
Sein Fazit war wenig eindeutig: „Im Industriemarkt der Ernte 2026 kann noch alles passieren.“ Er bekräftigte noch einmal seine Prognose, dass der Absatz von Fertigprodukten entscheidend sein wird. Auch die Erntemenge und die Qualitäten seien von großer Bedeutung. Auch für die Pfalz sei kaum etwas vorauszusagen. Beckers erwartet, dass im Spätherbst konkrete Aussagen getroffen werden können. Erst dann könne man sagen, ob es Bedarf für Pommes frites-Frühkartoffeln gebe oder nicht.
Valentin Beckmann, Vertriebsleiter Kartoffeln und Zwiebeln des Raiffeisen Agrarhandels Pfalz, warf für die Anwesenden einen Blick in die Kristallkugel, wie er sagte. Die Bedingungen und die Märkte ändern sich in immer rasanterem Tempo, so Beckmann.
Für den Kartoffelanbau bedeutet das Konkurrenz durch günstige Importware und einen Wettbewerb, den vielleicht nicht jeder Betrieb bestehen wird. In erster Linie sind aber die anderen Anbaugebiete in Deutschland Konkurrenten auf dem Kartoffelmarkt. Zwar verfügt die Pfalz über weit entwickelte Bestände, aber das verschafft ihr keinen nennenswerten Vorsprung vor anderen Früh- und Kartoffelerzeugungsgebieten in Deutschland.
Die gestiegenen Frachtkosten werden sich auch auf die Preise für Kartoffeln aus der Pfalz nachteilig auswirken. Hier habe man in kleinerer Dimension die gleichen Probleme wie spanische Erzeuger, so Beckmann.
Gibt es also Grund für Optimismus? Beckers sieht das ganz sicher so: „Irgendwann wird es auch wieder aufwärtsgehen. Ob das schon die Ernte 26 ist, werden wir sehen; Ernte 27 ganz bestimmt.“
ik – LW 26/2026
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